31.07.2019 - 10:08 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Erfolg in Erster Hilfe

Die „Stonewood-Kids“ vom BRK Erbendorf haben sich beim diesjährigen Jugendwettbewerb des Roten Kreuzes in schwindelige Höhen katapultiert. Sie haben es bis zum JRK-Bundesausscheid in Merseburg geschafft.

von Ulla Britta BaumerProfil

Magdalena Bauer hat eine große Platzwunde am Hinterkopf. Silas Künzl ist beim Radfahren gestürzt und hat sich die Knie aufgeschlagen. Es fließt reichlich Blut, schnelle Hilfe tut Not. Die bekommen die verletzten Kinder von perfekt geschulten Leuten: Sechs BRKler der Ortsgruppe Erbendorf sind sofort zur Stelle, versorgen die Wunden, lindern die Schmerzen, sprechen tröstende Worte gegen den Schock aus.

So oder ähnlich kann es ablaufen, wenn Kinder beim Spielen nicht aufpassen. Dann ist jeder froh, wenn Hilfe in der Nähe ist oder rasch vor Ort sein kann. Ein großer Unterschied ist bei Magdalenas und Silas' Unglück allerdings vorgegeben: Die Zwei sind in Wirklichkeit putzmunter und hatten auch keine Unfälle. Sie spielen Opfer, bei der beschriebenen Hilfeleistung handelt es sich um die Übung einer Erste-Hilfe-Maßnahme, ausgeführt von sechs gleichaltrigen Kindern. Letztere nennen sich "Stonewood-Kids" und proben für eine große Herausforderung: Sie haben sich für die Teilnahme am BRK-Jugendbundeswettbewerb qualifiziert.

Pokal und Medaille

Gruppenleiter Sven Lehner, stellvertretender Geschäftsführer der Kreisgruppe, ist zufrieden mit den Kindern. Auch die Gruppenleiterinnen Tanja Heider und Monika Stahl wissen, was "ihre Kids" können. "Vier Mal müssen wir nur noch trainieren. Das sollte ausreichen", sagt Stahl. Trotz der Ferien protestieren die "Stonewood-Kids" kein bisschen.

"Wir haben einen Pokal und jeder zudem eine Medaille bekommen", erzählt Lisa-Marie Bauer (zwölf Jahre) stolz, was sie vom Landeswettbewerb mitgebracht haben. Allerdings habe es am Abend am Chiemsee ein Unwetter gegeben, so dass die Kinder die Zelte verlassen und in der Turnhalle schlafen mussten, berichtet Trainerin Monika Stahl. Natürlich überwiegt die Freude am Gewinn. Denn jetzt sind die "Stonewood-Kids" wieder im Wettbewerbsfieber.

In der letzten Ferienwoche, von 6. bis 8. September, steht der Bundeswettbewerb im Kalender - was die üblichen Gruppenstunden der "Stonewood-Kids" verdoppelt. Auch für das Trainerteam Tanja Heider, Sven Lehner und Monika Stahl ist es diesmal eine besondere Herausforderung. "Es sind Ferien. Die Kinder fahren mit ihren Eltern in den Urlaub. Wir müssen Lücken finden fürs Training", sagt Tanja Heider. Die Erwachsenen sind aber zuversichtlich, dass ihre Mädels und Jungs das packen.

Die Sechs seien bestens auf Teamarbeit bei Wettbewerben abgestimmt, ein großer Vorteil, sagen sie. Und wie ist das mit der ständigen Aufregung wegen dieser Wettbewerbe? "Man gewöhnt sich ans Gewinnen", antwortet die zwölfjährige Laura Stahl. Nur, beteuert ihre Partnerin Lisa-Marie, dürfe die Routine nicht zur Gewohnheit werden. Zumal alle einer Meinung sind, geht es ums nächste große Ziel. "Wir werden den Bundeswettbewerb gewinnen!", rufen die Kinder. Was nicht heißt, dass deshalb alles bierernst angegangen wird. Immer stehe der Spaß an der Sache im Vordergrund, sagt Lehner.

Die Wettbewerbsvorbereitungen gehen weiterhin locker über die Bühne. Die praktischen Teile wie die Erste-Hilfe-Übungen werden gemeinsam im BRK-Heim Erbendorf durchgeprobt. "Beim Bundeswettbewerb wird's für die Kinder schwieriger", weiß er. Aufgabe sei es unter anderem, dass nicht mehr im Team, sondern einzeln ein Unfallopfer versorgt werden müsse.

Erfolgsrezept

Die vier Mädels aus der Gruppe machen sich da keine Sorgen. "Das können wir", sagen sie selbstbewusst. Auch die Disziplinen "Schlaubayer" mit Fragen aus Bayern und "Rot-Kreuz-Wissen" fürchten sie nicht. Daheim wird gelernt, was möglich ist zur Vorbereitung.

In diesen Disziplinen haben die "Stonewood-Kids" jeweils in den vorherigen Wettbewerben beste Punktezahlen eingeheimst. Eher bangen sie ein wenig um den kreativen und den musischen Teil. "Da mussten wir Theater spielen. Das war nicht so toll", erzählen sie von ihrer Schwachstelle beim Landesentscheid.

Dann wird der Schlachtruf zwei-, dreimal geübt, bevor die Eltern ihre Helden vom Training abholen. An der Tür zum Proberaum hängt ein Plakat mit einem BRK-Slogan: "Es ist leichter, andere zu begeistern, wenn man selbst begeistert ist." Das muss das Erfolgsrezept der "Stonewood-Kids" sein. Hintergrund

Info:

Hintergrund

24 Jugendliche im Alter von neun bis zwölf Jahren nahmen aufgeteilt auf vier Sechsergruppen im Frühling am Jugendrotkreuz-Kreiswettbewerb in Waldsassen teil. Die „Stonewood-Kids“ aus Erbendorf holten den Sieg und durften im Mai zum Bezirksentscheid nach Furth im Wald, wo sie sich gegen gut 300 Teilnehmer durchsetzten. Jetzt ist das Gewinnen bei den „Stonewood-Kids“ schon beinahe zur Routine geworden: Die Erbendorfer sicherten sich im Bayerischen Wald die Eintrittskarte für den zweitägigen Landesentscheid in Chieming am Chiemsee. Vor gut drei Wochen kämpften sie dort ein weiteres Mal gegen 300 Gleichaltrige aus ganz Bayern. Die Erbendorfer Rotkreuzler holten sich mit einem enormen Punkteabstand zur zweitplatzierten Mannschaft zum dritten Mal infolge den ersten Platz. Damit qualifizierten sie sich für die Teilnahme am Bundeswettbewerb in Merseburg in Sachsen-Anhalt.

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