03.06.2018 - 12:05 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Durch Film neu entdeckt

Erst Forstgebäude, dann Filmkulisse und jetzt Gaststätte und Infozentrum: Das Waldhaus blickt auf eine ungewöhnliche Geschichte zurück und wäre vor einigen Jahren fast dem Erdboden gleichgemacht worden.

Das Waldhaus ist mit seiner Gaststätte und dem Info-Zentrum Anziehungspunkt für Touristen und Bürger gleichermassen.
von Jochen NeumannProfil

(njn) Vieles hat das 1898 errichtete Gebäude in seiner 120-jährigen Geschichte erlebt. Das Gebäude geht auf ein "Waldwärterhaus" zurück. Waldfrevel war in früheren Jahrhunderten weit verbreitet. Vor allem in abgelegenen Gebieten war es deshalb notwendig, einen Forstaufseher vor Ort zu haben, der den Diebstahl von Holz, Reisig, Streu oder Gras verhinderte. Für die damaligen Forstbediensteten war es mühselig und schwierig, ihren Dienst im Steinwald zu Fuß zu verrichten.

Deshalb beschloss die Forstverwaltung im Jahr 1831, ein Waldwärterhaus in Holzbauweise zu errichten. Auch ein Brunnen wurde gegraben, um die Wasserversorgung sicher zu stellen. Diese Diensthütte wurde etwas westlich des heutigen Waldhauses errichtet. Ihren Lebensunterhalt besserten die Bewohner mit dem Betrieb einer Schankwirtschaft auf, die 1837 erstmals erwähnt wird. Immerhin gab es diese mit Unterbrechungen bis Mitte der 1950er Jahre. 1855 erfolgte der Bau einer zusätzlichen Diensthütte, die gleich neben dem Gebäude errichtet wurde. Doch im Laufe der Jahrzehnte wurde aufgrund der extremen Wettersituationen auf der exponierten Höhenlage der Unterhalt der Gebäude immer kostspieliger. Deshalb wurde der Wunsch nach einem massiv gebauten Forsthaus Ende des 19. Jahrhunderts immer größer.

Baumeister Christian Bauer aus Erbendorf lieferte 1898 den Plan für das heutige Waldhaus. Bereits ein Jahr später wurde der Bau mit den Nebengebäuden fertiggestellt. Im Juni 1899 zog der Waldwärter Franz Rasp in das neue Waldhaus ein. Zwar gab es bereits seit 1911 ein Telefon im Dienstzimmer, doch Strom gab es erst in den Nachkriegsjahren, und dann auch nur sporadisch mit einem Stromaggregat. Bis 1959 war das Haus bewohnt und bis 1963 befand sich im Gebäude ein Forstdienstsitz.

Danach wurde es ruhig um das Waldhaus. Einzig in den 1970er und 1980er Jahren war der Ort Anziehungspunkt für die jährlich stattfindenden Waldhausfeste. Schlagzeilen machte das Waldhaus dann 1997. Es war Schauplatz in der Verfilmung von "Krambambuli", nach einer Novelle von Marie von Ebner-Eschenbach. Hauptrollen spielten damals Tobias Moretti und Christine Neubauer. Auch wenn es danach wieder in einen Dornröschenschlaf fiel, erkannte man dabei die ungewöhnliche Lage und den Wert des Gebäudes. Ohne den Filmdreh wäre es vermutlich irgendwann der Spitzhacke zum Opfer gefallen.

So aber wurde das Waldhaus zu einer Kleingaststätte und einem Informationszentrum ausgebaut und konnte 2014 seiner Bestimmung übergeben werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt Erbendorf, der Steinwald-Allianz, dem Naturpark Steinwald und den Bayerischen Staatsforsten wurde gut eine dreiviertel Million Euro investiert. Heute bewirtschaften Robert Thoma und Joachim Fischer das Waldhaus, das freitags bis sonntags ein beliebtes Ausflugsziel ist.

Bis 2012 lag das Waldhaus im Dornröschenschlaf.

Das alte Waldhaus mit einer Diensthütte (links) aus einer alten Postkarte vor 1900.

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