29.11.2019 - 14:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Förderung Weg zu mehr Wohnraum

Gast bei der Wohnbaukonferenz in Erbendorf war der bayerische Minister für Wohnen, Bau und Verkehr, Hans Reichhart. Die Runde gab ihm einige Impulse mit auf den Weg.

Staatsminister Hans Reichhart (stehend) erläuterte die Fördermöglichkeiten im Wohnungsbau.
von Carolin BöcklProfil

Als "Höhepunkt der CSU-Zukunftswochen" bezeichnete Landratskandidat Roland Grillmeier die Wohnbaukonferenz mit Bauminister Hans Reichhart im Aribo-Hotel. Unter anderem Vertreter aus Wohnungsbau, Kommunen und Baubranche diskutierten über die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt und die Herausforderungen der kommenden Jahre.

Wohnraum ist in vielen Orten ein rares Gut. Nicht nur Großstädte sind mit dem Problem Wohnungsmangel konfrontiert, sondern auch der Landkreis Tirschenreuth. Es fehle vor allem an altersgerechtem und an Wohnraum für junge Menschen, berichtete Grillmeier von Gesprächen. Bauflächen müssten in vernünftigem Maß ausgewiesen werden. Auch dürfe der Geschosswohnungsbau nicht weiter vernachlässigt werden. Schließlich sei Wohnraum ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen. Von Reichhart wünschte er sich flexible Förderprogramme, die auf die ländlichen Regionen zugeschnitten sind und nicht nur in Ballungsräumen greifen.

Baurecht vereinfachen

Der Minister stimmte zu. In den unterschiedlichen Lebensphasen ändere sich auch der Bedarf an Wohnraum. "Ein Auszubildender wird eher eine kleinere Geschosswohnung in zentraler Lage suchen als ein Haus mit Garten im Grünen." Eine Vereinfachung der Förderprogramme und des Baurechts solle deshalb künftig die Hürden für Bauherren senken. Vor allem auch die Bestandssanierung will Reichhart dadurch erleichtern. Um Innenstädte am Leben zu halten brauche es auch die entsprechende Infrastruktur. Benötigt werden Räume der Begegnung.

Bernd Büsching, Geschäftsführer der Kewog in Tirschenreuth, ein Problem bei den Investitionen. Die Durchschnittsmiete von 4 Euro im Landkreis reiche bei weitem nicht aus, um rentabel zu wirtschaften oder gar zu investieren, sagte er in Richtung des Ministers. Teilweise deckten die Mieteinnahmen nicht einmal die Instandhaltungskosten. Eine entsprechende Erhöhung der Miete sei aber ebenfalls nicht möglich. "Anderswo ist der Mietdeckel politisch gemacht, bei uns ist er strukturell", weil viele Menschen sich höhere Mieten nicht leisten könnten. Investitionen seien so wiederum kaum möglich.

Kommunen Hände gebunden

Erbendorfs Bürgermeister Donko schlug in die gleiche Kerbe. Nicht an den Mietpreisen müsse geschraubt werden, sondern an der Förderung - mit mindestens einer Verdoppelung. Der kommunale Wohnungsbau werde derzeit mit bis zu 30 Prozent gefördert. 60 Prozent der Kosten müssten über einen Kredit von der Kommune beigesteuert werden, 10 Prozent betrage der Eigenanteil. Unter den aktuellen Konditionen seien der Stadt als Empfängerin der Stabilisierungshilfe die Hände gebunden. Genauso gehe es anderen Städten und Gemeinden.

Ein weiteres Thema sprach Martin Weiß, Geschäftsführer des "Sozialteams", an. "Was momentan an senioren- und behindertengerechten Wohnungen gebaut wird, ist ein Tropfen auf den heißen Stein." Viele Menschen möchten nicht von der eigenen Wohnung direkt in eine stationäre Einrichtung ziehen. Barrierefreie und altersgerechte Wohnungen zu bauen sei aber teuer. Weiß regte daher an, eine gesonderte Förderung für diese Zielgruppe zu ermöglichen.

CSU-Ortsvorsitzender Reger dankte dem Minister für seinen Besuch und überreichte ein Geschenk. Auch für einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Erbendorf und Fotos nahm sich Reichhart Zeit, bevor er den Heimweg antrat. Hintergrund

Ehrengast Bauminister Hans Reichhart (vorne) trug sich ins Goldene Buch der Stadt Erbendorf ein. Mit dabei Bürgermeister Hans Donko, Landratskandidat Roland Grillmeier, CSU-Ortsvorsitzender Johannes Reger und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß (von links).
Hintergrund:

78 Millionen Euro in den Landkreis Tirschenreuth

An finanziellen Mitteln zur Unterstützung der Kommunen mangelt es der Staatsregierung derzeit nicht. Von über 200 Millionen Euro für die Oberpfalz in den vergangenen fünf Jahren, gingen 78 Millionen Euro in den Landkreis Tirschenreuth. Das macht sich laut Grillmeier deutlich bemerkbar. Gerade in Sachen Leerstandsentwicklung seien die Kommunen vorangekommen. Diese Ansicht teilte auch Erbendorfs CSU-Bürgermeisterkandidat Johannes Reger. So habe die Steinwaldstadt einen gewaltigen Entwicklungsschritt gemacht. Es gelte jetzt, private Investoren zu gewinnen.

Harald Gollwitzer, Bauunternehmer aus Floß, würde gerne investieren, stößt aber in der Umsetzung ebenfalls immer wieder auf Grenzen, beispielsweise im Vergaberecht. „Die Region ist in einer Aufbruchstimmung. Die jungen Leute wollen hier bleiben. Wir sollten das auch ermöglichen.“

Bauminister Hans Reichhart stand der Runde der Gäste bei der Wohnbaukonferenz Rede und Antwort.
Zum Abschluss der Konferenz dankten CSU-Ortsvorsitzender Johannes Reger (rechts) und Landratskandidat Roland Grillmeier (links) dem Minister für seinen Besuch und überreichten ein Geschenk.

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