Die Eindrücke, die man vom Festkonzert des Zitherclubs Erbendorf mit nach Hause nimmt, sind gewaltig. Von den 500 Plätzen in der Stadthalle war nicht einer leer, sogar die Empore war dicht gefüllt. Er ist eben eine Institution, dieser Erbendorfer Zitherclub.
Kreisheimatpflegerin Monika Kunz erinnerte sich an einen Versprecher bei einer früheren Veranstaltung, als sie vom "Zitherdorfer Erbenclub" sprach. Irgendwie hatte sie damit gar nicht so unrecht. Ein richtiges "Zitherdorf" muss die Steinwald-Stadt sein angesichts der großen Zahl der Mitwirkenden, der auch mehrere Generationen angehören und so auch den irrtümlich gewählten Begriff "Erbenclub" widerspiegeln.
Der erste Auftritt
Welche eine wunderbare Gemeinschaft hat sich in diesem Verein zusammengefunden und welch großartige Arbeit wird hier geleistet. Hut ab vor denen, welche für diese Musikgemeinschaft verantwortlich leiten. "I glab, dou kannt i Geburtstag hom" hat der Korbinian gesagt, als er den Termin des Jubiläumskonzerts erfuhr. Richtig! Und so hatte der Gitarrist Korbinian Lorenz genau an seinem zehnten Geburtstag zusammen mit seinen Freunden von der Jugendgruppe, in der auch Geige und Blockflöte gespielt wird, seinen ersten öffentlichen Auftritt. Er bekam auch noch ein Ständchen vom ganzen Zitherclub samt der 500 Besucher.
Richtig gute Jugendarbeit wird hier geleistet. Und der Zitherclub macht es vielen anderen Vereinen vor, dass trotz Computer und Elektronik junge Leute auch noch für häusliches Üben und gemeinsames Musizieren im Club begeistert werden können. Nach der Begrüßung durch Vorsitzende Heidi Banzer erleben die Zuhörer dann unter der Moderation von Christof Uhl ein äußerst "vielsaitiges" Programm, das immer wieder ins Staunen versetzt. Veronika Hille leitet dieses Ensemble engagiert und sehr einfühlsam, steht vor dem Orchester selbst am Hackbrett und setzt den ganzen Körper ein, um die Rhythmik mitzutragen und durch gestenreiche Führung eine differenzierte Dynamik zu erzeugen, die fasziniert. Da werden Abstufungen möglich bis hin zum Pianissimo, bei dem sich Zuhörer kaum noch zu atmen trauen. Tempi werden verändert und Akzente werden gesetzt. Hier ist ein top eingespieltes Ensemble am Werk.
Beeindruckende Vielfalt
Die Vielfalt drückt sich auch in der Auswahl der Stücke aus. Das umfangreiche Programm enthält Märsche ebenso wie die "Annen-Polka" von Johann Strauß und den "Kanon in D" von Johann Pachelbel, dessen Wurzeln nach Wunsiedel reichen. Es ist Erkennungsmelodie der BR-Morgenfeiern am Sonntag. Auch moderne Stücke enthält das Programm wie "Don't 'stop believin'" und das Ende ist so, wie es bei Karl Moik immer war: "Servus, pfüat Gott und auf Wiedersehn". Dass alle diese Stücke aus mehreren Jahrhunderten von verschiedenen Gruppierungen gespielt werden, unterstreicht die Vielfalt, die das Profil des Erbendorfer Zitherclubs ausmacht und ist wohl gerade für die Jugend mit Gitarren, mit Hackbrett und Zithern, mit Geigen und Harfe, motivierendes Element, sich dieser perfekt geführten Musikgemeinschaft anzuschließen.
"Vielsaitiger" Abend
Der Zitherclub ist übrigens viel mehr als "nur" ein großes Orchester. Da gibt es den Zitherclub als größtes Ensemble, das Zither-Quintett, das Gitarren-Ensemble, die Jugendgruppe und "Die Narrischen vom Zitherclub", kurz "D.N.V.Z.C", die Jugend, die sich modernen Stücken widmet. Auch Gäste waren eingeladen: ein Bläser-Ensemble der Stadtkapelle, die das feierliche Gepräge des Festabends unterstrich und die "Koiserweiber" aus Kirchenthumbach, die sich - mit liebevollem Spott, wohlgemerkt - und auch ein wenig Selbstironie eher schwachen Punkte des männlichen Geschlechts widmen und sich daraus einen Spaß machen: "Nehmas an Altn, der is gout zu haltn"
Karl Moiks Schlusslied hätte auch gegen das vorletzte Stück ausgetauscht werden können: "Thank you for the music", ein ABBA-Song. Denn nach einem derart "vielsaitigen" und fröhlichen Abend gingen die Zuhörer sehr froh und dankbar nach Hause.
Hans Zahn ist Urgestein des Zitherclub und für ihr war dieses Jubiläumskonzert zum 90-jährigen Bestehen ein ganz besonderes Ereignis: Als letzter Akt vor der Pause wurde er zum Ehrenmitglied des Zitherclubs ernannt. Heidi Banzer verband damit einen großen Dank für die langjährige Treue und das große Engagement, das der Gitarrist über die vielen Jahre in die Musiziergemeinschaft eingebracht hat. Zur Urkunde gab es natürlich auch ein Geschenk.
Dank für Musik und Geselligkeit
Im Namen der Stadt gratulierte Bürgermeister Hans Donko dem Zitherclub zum Jubiläum und übergab ein Kuvert mit einem Geldbetrag. Nicht nur die Musik verbinde die Mitglieder, auch Geselligkeit und Gemeinschaft seien ein wichtiger Faktor, wusste der Bürgermeister. Für die Mitgestaltung vieler Termine dankte er herzlich.
In der Zeit der Weltwirtschaftskrise 1919 könnte der Verein entstanden sein zur Abwechslung und als Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen, vermutete er.
Landratsstellvertreter Roland Grillmeier überbrachte die Grüße des Landkreises und strich die Bedeutung des Zitherclubs für Heimat und Tradition heraus. Er lobte die Stadthalle als wichtige Voraussetzung für derartige Veranstaltungen.
Kreisheimatpflegerin Monika Kunz beeindruckt die musikalische Tätigkeit über 90 Jahre ebenso wie das geringe Durchschnittsalter. Die rasante Entwicklung und das hohe Niveau des Erbendorfer Zitherclubs schrieb sie der engagierten Jugendarbeit zu. (nol)


















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