24.01.2020 - 17:30 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Gute Augen schützen alte Menschen

Erstmals findet im BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheim das von Krankenkassen angebotene Präventionsprojekt „Gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen“ statt. Heimleiter Andreas Wöhrl findet das Ganze klasse.

Tina Beck vom Blindeninstitut Würzburg (links) nimmt sich für die 85-jährige Erika Graf (Mitte) nahezu eine ganze Stunde Zeit, um mit ihr ihre Sehkraft sowie die Beweglichkeit der Augen auszutesten. Dafür hat sie unterschiedliche Hilfsmittel mitgebracht.
von Ulla Britta BaumerProfil

Erika Graf, zuhause im BRK-Seniorenheim, liest problemlos ein Gedicht vor. Auf einer weiteren Tafel mit Buchstaben, die immer kleiner werden - und immer mehr verblassen - kommt sie bis ins zweite Drittel. Tina Beck, Optikerin und vom Blindeninstitut Würzburg zur Prävention in Seniorenheimen bestellt, ist zufrieden mit den Tests, die von der 85-jährigen Heimbewohnerin völlig freiwillig ausgeführt werden. Erika Graf schaut genau darauf, dass es ihren Augen gut geht. Sie hat seit ihrer Kindheit eine Brille. Nach einer Grauer-Star-OP, erzählt sie, habe sie ganz ohne Sehhilfe auskommen können. Jetzt trägt sie eine Lesebrille und achtet darauf, dass ihre noch vorhandene Sehkraft auch so lange wie möglich gut erhalten bleibt. Deshalb kam es Erika Graf gerade recht, dass ein zweitägiges Präventionsprojekt für gutes Sehen angeboten wurde, das Heimleiter Andreas Wöhrl ins Haus geholt hat.

Krankenkassen im Boot

"Gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen" wird vom Blindeninstitut Würzburg angeboten und von einigen Krankenkassen finanziert. Andreas Wöhrl erzählt, er habe davon gehört und sich gleich um einen Termin bemüht. Dieser Tage drehte sich nun alles im BRK-Seniorenheim ums bessere Sehen. Nicht allein die Heimbewohner wie Erika Graf haben davon profitiert. Im Heim, wo 91 Senioren wohnen und es exakt die gleiche Anzahl an Leuten arbeitet, wurden auch die Mitarbeiter geschult, inklusive Chef Andreas Wöhrl. Gemeinsam mit dem "gelben Engel" führte Arnika Dzinic vom Blindeninstitut Würzburg durchs Haus, begleitet von Heimbewohner-Betreuerin Nicole Köllner und dem Haustechniker Herbert Bröckl. Dzinic zeigte dem Chef und seinen beiden Mitarbeitern, wo die Gefahrenquellen für die Heimbewohner liegen könnten aufgrund von schlechten Sichtverhältnissen. Eine Möglichkeit sah Dzinic im Ändern der Farbe des Handlaufs, der dann von den Senioren besser gesehen werden könne. Auch riet sie bei anstehenden Sanierungsmaßnahmen oder Neubauten dazu, die Lichtquellen seniorengerechter zu gestalten. Arnika Dzinic lobt das Seniorenheim insbesondere für sein Farbkonzept, wonach sich die Heimbewohner in ihren Stockwerken und Abteilungen richten können. Hier werde bereits viel getan, meinte sie.

Heimleiter Andreas Wöhrl hat während der Dauer des Präventionsprojekts extra einen großen Flyer aufgestellt, um alle Heimbewohner und deren Angehörge davon zu unterrichten. Seine Werbestrategie hat sich gelohnt, der Fachvortrag für gutes Sehen im Seniorenheim wurde regelrecht gestürmt.

Konzept kommt an

Wöhrl freute sich, denn das Farbkonzept habe sich bei Gedächtnisschwierigkeiten bereits gut bewährt. Für Erika Graf und zehn weitere Heimbewohner gab es von der Optikerin Tina Beck und der Orthoptistin Susanne Janka Ratschläge und Tipps. Für Erika Graf heißt es wohl, sich eine neue Brille zu besorgen, denn ihr Sehvermögen ist schwächer geworden.

Der Mitarbeiterin des Blindeninstituts legt Wert darauf, dass Augenärzte auch in die Heime gehen. Wobei ihr gleichzeitig auch klar ist, dass dies eher selten der Fall ist und aufgrund der geringen Fachärztedichte auf dem Land eher die Ausnahme bedeuten kann. Dabei wäre eine regelmäßige Kontrolle sehr wichtig. "Es gibt Heimbewohner, die können das bestens vertuschen, dass sie fast nichts mehr sehen oder gar schon blind sind", erzählt die Fachfrau von Erfahrungswerten in anderen Senioreneinrichtungen.

Die Mitarbeiterin des Blindeninstituts Arnika Dzinic (rechts) zeigt Heimleiter Andreas Wöhrl, Heimbewohnerbetreuerin Nicole Köllner und Heimtechniker Herbert Böckl (von links) unter anderem, wie die Handläufe verbessert werden könnten. Hier rät sie zu mehr Farbeinsatz, damit die Gehhilfe auf den Fluren besser gesehen wird.

In Erbendorf kann das nicht passieren. Andreas Wöhrl berichtete von regelmäßigen betreuten Fahrten mit den Heimbewohnern zum Augenarzt. "Da klappt die Zusammenarbeit sehr gut. Wenn ich anrufe und einen Heimbewohner anmelde, bekommen wir sofort einen Termin, der auch pünktlich eingehalten wird", so Wöhrl. Zum Präventionsprogramm gehörte außer der internen Beratung auch ein öffentlicher Vortragsabend. "Der war bestens besucht. Wir hatten keinen Stuhl mehr frei", sind Wöhrl und die Projektbetreuerin Margareta Tangl glücklich über die unerwartet große Resonanz. Mit einer zweiten Mitarbeiterschulung und einer Abschlussbesprechung gingen die Beratungstage sehr erfolgreich wieder zu Ende. Andreas Wöhrl kann das Präventionsprojekt nur weiterempfehlen.

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