16.09.2020 - 11:49 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Heuer nicht viel Honig im Fass

Der Imkerverein Erbendorf war Gastgeber der Fortbildung "Bienengesundheit, Bienenkrankheiten und das aktuelle Varroa-Behandlungskonzept". Doch die Insekten hatten neben Parasiten im Sommer auch mit einem anderen Problem zu kämpfen.

Referent Josef Ernst erklärte die richtige Anwendung der Behandlungsmittel gegen die Varroa-Milbe.
von Jochen NeumannProfil

In der Sportklause Helgert konnte Vorsitzender Klaus Schmidt 20 Jungimker aus dem ganzen Landkreis zu der Fortbildung begrüßen. Mit ihnen sprach Bienensachverständiger Josef Ernst über "Bienengesundheit, Bienenkrankheiten sowie das aktuelle Varroa-Behandlungskonzept". Zunächst erläuterte der Münchenreuther die gesetzliche Meldepflicht gegenüber dem zuständigen Veterinäramt hinsichtlich der Anzahl der Völker und ihrer genauen Standorte.

Zu den "Bieneneinkäufen" merkte er an, diese nicht über Verkaufsportale im Internet oder aus dem Ausland zu tätigen. "Denn hier schleppt man sich schnell was ein", stellte Ernst fest. "Und werden fremde Bienenvölker zugekauft, dann grundsätzlich nur, wenn ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt wird."

Josef Ernst referierte bei den Kemnather Imkern über die Varroa-Milbe

Kötzersdorf bei Kemnath

Faulbrut sofort anzeigen

Ein weiteres Thema war das Erkennen und Behandeln verschiedener Bienenkrankheiten sowie deren Ursache. "Vor allem bei der Amerikanischen Faulbrut gilt es, auf der Hut zu sein." Hier handle es sich um eine hoch ansteckende Bruterkrankung, die bei Verdacht sofort beim Vereinsvorsitzenden, Bienensachverständigen oder Amtsveterinär anzeigepflichtig sei. Sei die Erkrankung bereits ausgebrochen, seien die Bienenvölker meist nicht mehr zu retten. "Sind nur Sporen dieses Erregers im Volk nachweisbar, können die betroffenen Bienenvölker gegebenenfalls wieder aufwendig saniert werden." Wie Ernst ausführte, treffe darüber der Amtstierarzt die Entscheidung.

Seit gut vier Jahren mache die Varroa-Milbe sowohl den Imkern als auch den Bienen das Leben schwer, erklärte der Referent. "Es gilt, diesen Parasiten durch einen gezielten Behandlungsplan in Schach zu halten." Grundsätzlich müssten die Imker immer und zu jeder Zeit über den Befallsgrad ihrer Bienenvölker informiert sein. "Hier heißt es einfach: Milben zählen!" Denn werde deren Anzahl zu hoch, müsse der Imker sofort mit entsprechenden Behandlungsmaßnahmen einschreiten.

Zu wenig Nektar und Pollen

Es sei wichtig, vitale Bienen zu haben, die über ausreichend Nektar und Pollen verfügen, hob Ernst hervor. Andernfalls könne die Brut nicht ausreichend gefüttert werden. "Doch leider liegt das Nektar- und Pollenangebot nicht in der Hand der Imker. Wie dieses Jahr zeigte, fanden die Bienen ab Anfang Juni im gesamten Landkreis viel zu wenig Pollen und Nektar."

Damit die Insekten nicht verhungerten, mussten die Imker bereits Anfang Juni zufüttern, obwohl normalerweise bis Mitte Juli das größte Trachtangebot an Nektar in der Natur zu finden sein sollte, erläuterte der Bienensachverständige. "Doch Mais und Getreidefelder geben diesbezüglich halt leider nichts her." Als Folge dieses Zustandes gebe es für die Imker in diesem Jahr auch keinen Honig zu ernten.

Vorsitzender Klaus Schmidt bedankte sich beim Referenten für die informativen Ausführungen. Er stellte fest, dass die Erbendorfer Imker bereits nach dem aktuellen Behandlungsschema arbeiteten und somit auf einem aktuellen Wissensstand seien. "Es ist schön zu sehen, dass der stetige Informationsfluss, welcher das gesamte Jahr über im Rahmen der monatlichen Unterweisungen vermittelt wird, bei unseren Imkern auch wirklich ankommt und vor allem auch so umgesetzt wird".

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