11.01.2019 - 12:59 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Heute schon Leben gerettet?

Ein kleiner Piks und dann läuft der rote Lebenssaft schon aus dem Körper. Blutspenden hilft Verletzten und Kranken. NT-Reporterin Lucia Seebauer probiert es aus und stellt fest: Nicht jeder verträgt die Spende gleich.

Nur etwa zehn Minuten dauert eine Blutspende. Über eine Kanüle im Arm fließt ein halber Liter der roten Flüssigkeit in einen Beutel.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Über die Webseite des Bayerischen Roten Kreuzes sehe ich, dass der nächste Blutspendetermin in der Erbendorfer Stadthalle ist. Zwischen 15.30 und 20 Uhr kann man kommen. Tom Würner vom BRK-Erbendorf erklärt mir, wie man sich richtig vorbereitet: „Man sollte mindestens zwei Liter Flüssigkeit zu sich nehmen und in den letzten vier Stunden vor der Spende etwas essen“, rät er. Wer das nicht bedenkt, kann danach Kreislaufprobleme bekommen.

Am Dienstag fahre ich nach der Arbeit los, um halb fünf stelle ich mein Auto auf dem Parkplatz ab. Es ist schon einiges los. Im Eingang begrüßt mich BRK-Kreisverbandsleiter Sven Lehner. Er nimmt Personal- und Spendenausweis entgegen, überprüft die Daten. „Sie sind heute zum vierten Mal Blutspenden, haben Sie das letzte Mal gut vertragen?“, fragt er mich. Ich bejahe und er gibt mir zwei DIN-A4-Blätter mit.

Ich setze mich an einen Tisch im Foyer, lese mir alles in Ruhe durch. Immer wieder gehen Menschen an mir vorbei, die sich grüßen oder sich unterhalten. Es geht locker und freundschaftlich zu. Gegenüber machen Leute, die ihre Spende schon hinter sich haben gemeinsam Brotzeit. Die eine Seite vor mir beinhaltet Info-Material und eine Einverständniserklärung. Die andere enthält einen Katalog von 23 Fragen. Sie behandeln die medizinische Vorgeschichte. Die meisten können mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden. Erfragt wird etwa, ob man in den vergangenen vier Wochen geimpft wurde, welche Medikamente eingenommen werden, ob man sich krank fühlt oder bestimmte Beschwerden hat, die sich negativ auf das Blut auswirken können. Je nachdem entscheidet der Arzt später, ob man sein Blut spenden darf.

44 Erstspender

„Wir sind auf 160 Spender eingestellt. Vor zehn Jahren waren es noch 100“, erklärt Sven Lehner. Deshalb sind die Termine auch nicht mehr im BRK-Gebäude: „Wir sind vor zweieinhalb Jahren umgezogen. Dort war es zu eng“, sagt er. Lehner ist auch Leiter der BRK-Bereitschaft Erbendorf. Aus der Stadt und der Umgebung sind immer mehr Leute bereit zu spenden: „Wir hatten im vergangen Jahr 44 Erstspender“, erklärt Tom Würner. Er weiß, dass viele sich überwinden müssen und empfiehlt: „Es ist gut, mit einem erfahrenen Spender zu kommen. So fällt es leichter und man ist nicht zu aufgeregt.“

Für mich geht es zur nächsten Station in den großen Saal. Eine Frau vom Blutspendedienst misst den Hämoglobinwert, sticht mir in die Fingerkuppe und holt sich einen Tropfen Blut. Mit einem Gerät kann sie so den Eisenwert im Körper bestimmen. Wenn dieser passt, kann der Körper genügend rote Blutkörperchen, die sogenannten Erythrozyten, wieder nachbilden. Sie schickt mich weiter zum Arzt. Er nimmt eine Anamnese vor, überprüft meinen Blutdruck, Puls und Körpertemperatur sowie die Angaben auf dem Fragebogen. „Sieht alles gut aus“, sagt er. Plötzlich springt er auf, drückt mir einen Zettel und Equipment zum Spenden in die Hand. Er eilt zu der Liege einer Spenderin. Sie scheint sehr jung, ich schätze sie ist Mitte 20. Eine Helferin und ein Arzt reden beruhigend auf sie ein. Der Frau ist schwindlig, sie kommt kaum hoch, ihr Gesicht wirkt blass. Der Arzt holt eine Auflage, damit sie ihre Füße hochlegen kann. Nicht jeder verträgt die Spende gleich. Es kann passieren, dass es wie bei der jungen Frau zu Kreislaufproblemen kommt.

Ab ins Labor

„In diesem Fall sollte man einfach noch kurz liegen bleiben. Nach dem Aufstehen kann man sich hinsetzen und etwas essen und trinken“, betont Sven Lehner. Die Stärkung stellt die örtliche BRK-Bereitschaft. „In Erbendorf gibt es Wiener und Käsesemmeln, Kaffee, Tee und Süßes. So kann man seinem Körper wieder Kraft zurückgeben.“ Ich muss mir selbst auch eine Liege suchen. Die Spender können wählen, ob der rechte oder linke Arm angezapft werden soll. Jeder bekommt mehrere Beutel. „Es wird immer ein halber Liter entnommen. In einen Beutel kommt das gespendete Blut. Dieses wird später im Labor über einen Filter in drei Bestandteile gesplittet, in rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplasma“, erklärt Kerstin Engelbert vom Blutspendedienst.

Pumpen für den Fluss

Sie nimmt eine Kanüle in die Hand und sucht eine Vene an meinem Arm. Schließlich sticht sie eine Kanüle hinein. Der rote Lebenssaft fließt über einen Schlauch in einen Beutel. Damit er schneller läuft, drückt mir die Helferin ein Päckchen Taschentücher in die Hand: „Machen Sie damit eine Pumpbewegung. Dann geht es besser.“ Schon macht sich die Helferin auf dem Weg zum nächsten Spender. Neben mir liegt die Frau mit den Kreislaufproblemen. Sie sieht schon wieder besser aus, die Farbe ist in ihr Gesicht zurückgekehrt. Der Arzt schaut nach ihr, erlaubt ihr aufzustehen und gibt ihr einen Becher mit Flüssigkeit in die Hand.

Zehn Minuten später piepst ein Gerät neben mir. Wieder kommt Kerstin Engelbrecht. Sie nimmt die Kanüle aus dem Arm, verbindet die Einstichstelle. „Der Verband muss vier Stunden dran bleiben“, sagt die Helferin. Sie fragt mich, wie ich mich fühle. Mir geht es gut, aber ich bleibe trotzdem einen Moment noch liegen. Warum Menschen ihr Blut spenden, weiß Tom Würner: „Es geht darum anderen zu helfen.“

Zudem werden Erst- und Mehrfachspender auch honoriert. „Erstspender bekommen einen Kinogutschein und Mehrfachspender werden mit Urkunden ausgezeichnet“, weiß Sven Lehner. „Zudem gibt es bei der dritten und zehnten Spende die Möglichkeit, einen kostenlosen Gesundheitscheck machen zu lassen. So hat man ein aktuelles Blutbild“, erklärt der Kreisverbandsleiter. Auch ich habe ein gutes Gefühl, als ich von der Liege aufstehe. Und denke mir: Vielleicht habe auch ich heute jemanden das Leben gerettet.

Nach der Spende kommt das Blut in ein Labor. Dort wird der rote Lebenssaft in seine drei Bestandteile aufgeteilt, in rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplasma.
Mehr junges Blut:

In Bayern spenden 5,3 Prozent der spendefähigen Menschen ihr Blut. Dabei ist der rote Lebenssaft für rund 2000 Kranke oder Verletzte pro Tag im Freistaat überlebensnotwendig. Bundesweit sind es sogar 15000. Umso wichtiger ist es, dass Freiwillige die Blutspendetermine des BRK besuchen. In Erbendorf gibt es jährlich fünf Termine.

Im Durchschnitt ist jeder Dritte einmal im Leben auf eine Blutspende angewiesen. „Im Landkreis Tirschenreuth gehen 10,83 Prozent der Menschen, die spenden dürfen tatsächlich zum Blutspenden“, sagt Lehner. Jedoch sei hier der demografische Wandel spürbar. „Es sind überwiegend ältere Menschen, wir bräuchten mehr Junge, die bereit dazu sind.“

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