22.09.2019 - 13:48 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Kirche darf kein Museum werden

„Genau heute vor 220 Jahren erhielt unsere Kirche die Benediktion“, hob Pfarrer Martin Besold beim Festgottesdienst in der Erbendorfer Pfarrkirche hervor. Die Predigt nutzte er, um Veränderungen in der Kirche generell anzumahnen.

Angeführt vom Spielmannszug der Feuerwehr marschierten die Teilnehmer am Gottesdienst, Vereine, Vertreter der Stadt und Bürger in einem Festzug zum Kirwa-Zelt des Rauchclubs zum Weißwurst-Frühschoppen.
von Jochen NeumannProfil

Festlich geschmückt zeigte sich die Pfarrkirche am Kirchweihfest. Beim Festgottesdienst säumten zahlreiche Fahnenabordnungen den Altarraum. "Ein optimales Datum: Wir feiern den Jahrestag der Segnung unserer Kirche und gleichzeitig unsere Kirchweih", betonte Pfarrer Martin Besold. Denn wie er ausführte, erhielt die Pfarrkirche vor 220 Jahren, exakt am 22. September 1799, die Segnung durch den damaligen Pfarrer Franz Joseph Krems. 1796 war das Gotteshaus beim Stadtbrand bis auf die Grundmauern niedergebrannt und anschließend wiederaufgebaut worden.

"Die Kirche braucht eine Reform, so heißt es immer wieder." Mit diesen Worten begann Pfarrer Besold seine Predigt, bei der er die Themen des "Synodalen Weges" anschnitt. "Eines ist unstrittig: Die Kirche muss sich immer wieder auch verändern, wie alles in der Welt."

Die Kirche verglich der Seelsorger mit alten Wassermühlen. "Zwei Mühlen haben jahrhundertelang Mehl gemahlen, bis elektrisch betriebene Mühlen auftauchten, die billiger produzieren konnten." Deren Besitzer reagierten unterschiedlich. "Die eine Mühle wird komplett umgebaut und durch moderne Maschinen ersetzt, die andere bleibt, stellt jedoch ihren Betrieb ein und wird von Touristen heute bewundert."

Bei der ersten Mühle habe sich das Erscheinungsbild völlig geändert, aber die alten Ziele, es wird weiter Mehl gemahlen, blieben. "Bei der anderen Mühle scheint es, als ob alles so geblieben ist, aber der Schein trügt", meinte Besold. "Denn anstelle der Lebensmittelproduktion ist ein Museum zum Anschauen geworden."

Auch die Kirche lasse sich in gewisser Weise damit vergleichen. "Denn es geht um Aufgabe oder um Bestimmung." Die Kirche habe die Aufgabe, Gottes Wort zu verkünden. "Wenn wir diese Aufgabe aus den Augen verlieren, dass wird sie zu einem Museum." Es könnten zwar schöne Gotteshäuser bewundert werden, "aber in ihr wohnen und leben, Kraft schöpfen, das kann man nicht mehr".

"Deswegen ist klar, dass die Kirche kein Museum werden darf." Sonst verliere sie ihren Auftrag und ihren Sinn. "Doch um dem ursprünglichen Auftrag gerecht zu werden, müssen sich manche Strukturen ändern." Er, Besold, sei davon überzeugt, dass die Kirche bei Veränderungen nicht gleich untergehen werde. "Da hat sie in ihrer zweitausendjährigen Geschichte schon ganz andere Dinge überlebt."

Doch mahnte der Pfarrer, dass sich die Reformen am Grund der Kirche orientieren müssten. "Und das ist Jesus Christus." Die Kirche müsse Strukturen verändern, nicht damit es moderner oder schöner und netter werde, "sondern weil wir näher bei Jesus sein wollen, auf seinem Fundament wirken, seine Botschaft verkünden und leben".

"Die Kirche ist nicht dazu da, damit sie um sich selber kreist, sondern damit die Menschen heute vom Evangelium Jesu zehren können", betonte Besold abschließend. Dazu brauche es Reformen, Veränderungen und vor allem Begeisterung für den Glauben und die Überzeugung, dass die Botschaft Jesu Christi das Beste ist, was der Menschheit passieren konnte.

Musikalisch gestaltete den Gottesdienst der Kirchenchor unter der Leitung von Stefanie Rüger. Im Anschluss zogen alle Vereine und Gläubigen sowie die Mitglieder des Stadtrats mit Bürgermeister Hans Donko, seinen Stellvertretern Johannes Reger und Sonja Heindl mit Pfarrer Besold unter Führung des Spielmannszugs der Feuerwehr in einem Festzug zum Kirwa-Zelt des Rauchclubs in der Bahnhofstraße. Dort versammelten sich alle zum Weißwurst-Frühschoppen.

Den Festgottesdienst in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zelebrierte Pfarrer Martin Besold (Zweiter von links).
Im Anschluss an den Gottesdienst ging es mit einem Festzug zum Kirwa-Zelt.
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