17.05.2019 - 10:38 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Lesen, das verbindet

Einheimischen mag sie schon gar nicht mehr aufgefallen sein, zu sehr haben sie sich an den Anblick der gelben Telefonzelle in der Nähe des Kriegerdenkmals gewöhnt. Dass das Häuschen leer steht, finden aber viele schade.

In einigen Orten gibt es bereits Bücherzellen wie hier im Bild in Weiden. Auch die Mehrheit der Leser, die sich an unserer Umfrage zum Telefonhäuschen in Erbendorf beteiligt haben, fänden das eine gute Lösung. Das Prinzip: Die Zelle dient dazu, Bücher kostenlos, anonym und ohne jegliche Formalitäten zum Tausch oder zur Mitnahme anzubieten.
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

Was soll aus der gelben Telefonzelle in Erbendorf werden? Wir haben unsere Leser gefragt, welche Ideen sie haben. Die meisten plädieren für eine Bücherzelle zum Tausch gelesener Bücher. Auch andere Vorschläge erreichten die Redaktion: Die Buben und Mädchen des Kindergartens St. Elisabeth zum Beispiel wünschen sich einen Süßigkeitenautomaten.

Gabi Mayerhöfer aus Bärnau könnte sich ein Mini-Museum vorstellen, mit Bildern von früher, als noch Apparate in den Zellen waren und die Leute draußen auf ihr Gespräch warteten. Anton Arnold aus Erbendorf schlägt vor, eine lebensgroße Silhouette einer Person zu zeigen, die telefoniert. Dass sich die Telefonzelle als Umkleidekabine eignen würde, findet Edda Henker: "Die Glasscheiben bunt bemalt von unseren Oberpfälzer Künstlern, mit Motiven aus der Region."

Johannes Dostler, Erbendorf wünscht sich, dass die Telefonzelle im Inneren in den "Urzustand" zurückgesetzt werden könnte mit Telefon und hängenden Telefonbüchern. Tür zuschweißen und vielleicht nachts mit einem internen Licht ausstatten - so könne man wenigstens eine Art Denkmal schaffen.

"Erbendorf hat doch sicher ein Freibad. Könnte man die Telefonzelle nicht dort als Dusche integrieren?", fragt Claudia Mikalauskas. Rostislav Siksta würde aus der Telefonzelle ein Mini-Museum machen - zum Beispiel für eine kleine Mineralien-Sammlung. Daniel Bäumler formuliert es pragmatisch: "Wurst- oder Getränkeautomat an der Bushaltestelle wäre bestimmt was."

Neben einer Bücherzelle könnte sich Sabine Acker auch vorstellen, Lebensmittel, die noch gut, aber abgelaufen sind, für Bedürftige im Telefonhäuschen abzulegen. Die Idee mit dem Bücherschrank (öffentlicher Bücherschrank, Geben - Nehmen - Leihen - Tauschen) finden die Verantwortlichen der Pfarrbücherei Erbendorf klasse - "wir würden für die Erstausstattung sorgen".

Einen besonderen Wunsch hat Roland Wellenhöfer: "Macht die Telefonzelle zum Lebensretter und hängt einen Defi rein. Solche Teile sind sehr nützlich. Ich weiß von was ich rede."

Erbendorf
Kommentar:

Bücherzelle von und für Bürger

Es ist schon irgendwie seltsam: Seit Jahrzehnten steht die Telefonzelle in Erbendorf, seit mehren Jahren ist sie leer – einen Apparat zum Telefonieren sucht man vergeblich. Die meisten haben sie wohl gar nicht mehr beim Vorbeigehen bemerkt. Und doch scheint sie vielen Erbendorfern am Herzen zu liegen. Manche schreiben dem Telefonhäuschen gar einen Kultstatus zu. Keiner, der sich an der Umfrage beteiligt hat, will das gelbe Häuschen abreißen – schließlich gehört es zum Ortsbild der Steinwaldstadt.
Hätten die Verantwortlichen Erbendorfs nicht schon längst darauf kommen können, die Telefonzelle umzufunktionieren? Zum Beispiel einen Bücherschrank daraus zu machen, wie von den meisten angeregt. Eine Bürgerbeteiligung kommt gut an, wie man sieht. Egal, was die Stadt damit vorhat – (gute) Ideen der Bürger gibt es jedenfalls genug.

Elisabeth Schätzler

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