26.03.2019 - 16:55 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Reich an vielerlei Bodenschätzen

Unter König Wenzel IV. wird das Kohle- und Erz-Bergwerk zu Erbendorf von Prag aus geleitet. Die böhmischen Betreiber lassen auch Gold waschen.

Ein Buntglasfenster im Rathaus Erbendorf zeigt Wenzel IV. und den böhmischen Löwen.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Eine Sage berichtet, dass der Schöpfer, als er die Bodenschätze verteilte, sich einen Schurz umband, ihn mit der Hand an den Enden packte und mit allen Bodenschätzen wie Gold, Silber, Blei, Kupfer, Erz sowie Edelsteinen und weiteren Mineralien füllte. Dann schritt er über die ganze Erde und verteilte den Inhalt so, wie er es für richtig hielt. Dabei bröselte von allem etwas ab und blieb in der Schürze liegen. Nachdem er seine Arbeit verrichtet hatte, war er müde und ließ die Schurzenden los, so dass die Reste der Bodenschätze auf die Erde fielen.

Das geschah genau da, wo heute der Ort Erbendorf liegt. Dies ist der Grund, so erzählen es die alten Erbendorfer, warum in der Gegend um ihren Ort fast alle Bodenschätze vorhanden sind - leider von allem zu wenig. Bereits im 12., 13. und 14. Jahrhundert gibt es Anzeichen, die auf eine blühende Förderung von Erzen und Kohle schließen lassen.

Wohlstand

Erbendorfs ehemaliger Chronist Joseph Höser (1890 bis 1935) verweist als Gründer Erbendorfs auf das Kloster Weißenlohe (Bistum Bamberg), aber auch den Grafen Berengar von Sulzbach, auf den die Burg Flossenbürg zurückgeht. Über die Stauferkaiser und niederbayerische Herzöge, verpfändete schließlich Ludwig der Bayer 1314 das Gebiet an König Johann von Böhmen. Dies war die erste Begegnung des Ortes mit der böhmischen Krone. Sein Nachfolger und Sohn Kaiser Karl IV., der "Kaufmann auf dem Kaiserthron", wusste um die Bedeutung der Bodenschätze in Bezug auf Wohlstand und Ansehen der Bürger und des Reichs. Um Erbendorf, das zum Herrschaftsgebiet Neuböhmen gehörte, bemühte er sich deshalb mit großem Eifer.

Sohn Wenzel IV., der 1378 die böhmische Krone übernahm, setzte die Förderung des Bergbaus fort. So wurde unter seiner Regierung das Bergwerk zu Erbendorf, in dem gemeinsam Kohle- und Erzvorkommen in einem Schacht vorhanden waren, von Prag aus geleitet. Damals ließen die böhmischen Betreiber zusätzlich im Galgenbach, Steinbach und Silberbach Gold waschen. Der Markt erfreute sich der Gunst und Huld des Kaisers, so berichtet die Erbendorfer Chronik. Als sich Karl IV. 1373 aus bislang noch unbekannten Gründen von einem Großteil seiner neuböhmischen Gebiete trennte und für den Erwerb der Kurmark Brandenburg opferte, verblieb Erbendorf, neben Auerbach, weiterhin bei der böhmischen Krone.

Karls Nachfolger, sein Sohn Wenzel IV. (1361 bis 1419), der 1378 den Thron bestiegen hatte, förderte vor allem den Bergbau in den verbliebenen Gebieten der nördlichen Oberpfalz. In diesem Zusammenhang erließ er eine umfassende Ordnung für das gesamte Berg- und Hüttenwesen. So kam es, dass sich insgesamt 47 Hammerwerke auf grundsätzliche Regelungen einigten, die noch lange nach dem Böhmenkönig im Bergbaurecht der Oberpfalz Bestand hatten.

Auf der Durchreise

Im Jahre 1383, als Wenzel auf einer Reise von Prag nach Nürnberg durch Erbendorf kam, stand der Bergbau in voller Blüte. Abgebaut wurden in dem 15 bis 20 Kilometer langen und weit verzweigten System aus Stollen und Schächten sowie Bächen des Steinwaldes Blei, Silbererz und Kupfer. Die Goldfunde waren eher unbedeutend. Der Abbau von Kohle erfolgte erst ab 1856.

Zu seiner großen Freude wurde der König von mehreren Hundert Bergleuten mit einem feierlichen Aufzug empfangen. Bei diesem Besuch soll Erbendorf, welches früher "Silbertal" hieß, durch Wenzel seinen jetzigen Namen erhalten haben. Gesichert ist dies nicht, denn es gibt keine Gründungsurkunde. Chronist Höser verweist bei der Nachforschung der Namengebung auf einen "Eribo" oder "Erbo". Urkunden aus dem 11. und 12. Jahrhundert zeigen, dass mehrere Besitzer des Ortes diese Namen trugen.

Ende im 20. Jahrhundert

Im gleichen Jahr, am Sonntag vor St. Gallus, verlieh Wenzel in Nürnberg den Brüdern Jakob und Wolfhard Wild zu Wildenreuth das dortige Silberbergwerk und zur besonderen Förderung dessen Gerichtsfreiheit mit "Amtsstock und Galgen und all andere Stadtrecht und Bergwerkrecht". Die Hussiten-Einfälle vernichteten diesen Wohlstand. Im Jahre 1440 begann erneut der Abbau von Kohle und Erz. Mit Energie und Ausdauer bemühten sich die Bergleute bis ins Jahr 1924 um eine erfolgreiche Förderung der Bodenschätze. Wirtschaftliche Veränderungen brachten das Ende für den Bergbau in und um Erbendorf.

Die geologischen Besonderheiten der sogenannten "Erbendorfer Linie" allerdings sind heute noch für die Wissenschaft von großer Bedeutung. In den Jahren 1987 bis 1994 untersuchten Wissenschaftler im Rahmen der "Kontinentalen Tiefbohrung (KTB)" an dieser Stelle die Beschaffenheit des Gesteins und führten Bohrungen bis über 9000 Meter ins Erdinnere durch.

Auf dem unteren Marktplatz in Erbendorf steht ein Giebelhaus, der frühere Gasthof "Zum Goldenen Adler". Seit Jahrhunderten führte er in seinem Schild den goldenen österreichischen Doppeladler. Vom diesem Gasthof schrieb der Lehrer und Heimatforscher Höser auf: "Es war das Jahr 1383, als König Wenzel von Böhmen über Eger, Waldsassen, Waldershof, Erbendorf und Auerbach zum Reichstag nach Nürnberg reiste. In Erbendorf, wo ihm das Bergwerk von besonderem Interesse war, hielt er sich einige Tage auf und wohnte in dem neu errichteten Wirtshaus (heute Gasthof "Zum Goldenen Löwen") des Klosters St. Barbara.

Hier soll seine Gemahlin angeblich einen Erben oder Prinzen entbunden haben. König Wenzel habe daher dem Geburtshause seines Sohnes die Bezeichnung "Zum Goldenen Adler" und als Aushängeschild den österreichischen Doppeladler verliehen. Dem Geburtsort seines Erben soll er schließlich den Namen "Erbendorf" verliehen haben.

Höser betonte jedoch, dass diese Geschichte historisch nicht belegt ist. Historisch korrekt ist, dass König Wenzel IV. von Böhmen mehrfach in Erbendorf war. Das Kloster existierte nach Höser tatsächlich und wurde in der Hussitenzeit zerstört. Wenzel war in dieser Zeit mit Johanna von Bayern verheiratet, die offizielle Ehe wurde 1376 in Prag geschlossen. Sie hielt bis zum Tod Johannas am 31. Dezember 1386, blieb aber wie die andere Ehe Wenzels kinderlos.

Zu Tode gebissen

An Silvester des Jahres 1386 geschah ein schrecklicher Unfall. Einer der Jagdhunde fiel Wenzels Gemahlin Johanna an und biss sie zu Tode. Johanna wurde im Zisterzienserkloster Königsaal (Prag-Zbraslav) beigesetzt.

Seit diesem Zeitpunkt veränderte sich Wenzels Wesen. Er konnte den Tod seiner Frau nicht überwinden und ergab sich hemmungslos dem Alkohol. Er wurde antriebslos und bösartig, verbunden mit unberechenbaren Wutanfällen. Wenzel heiratete am 2. Mai 1389 Johannas Nichte zweiten Grades, Sophie von Bayern. Auch diese Ehe blieb kinderlos.

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