06.06.2019 - 12:47 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Schätze für Körper und Geist

Kräuterführerin Regina Herrmann zeigt bei einem Workshop der Oberpfalz-Medien, wo Wildkräuter wachsen und wie diese sich für ein schmackhaftes Menü verarbeiten lassen. Für die Teilnehmer sind es zum Teil ganz neue Erfahrungen.

von Ulla Britta BaumerProfil

Es ist nur eine unscheinbare schmale Flurstraße, die als Verlängerung der Wetzldorfer Straße hinaus in die Natur führt. Doch ihre Flanken sind geradezu gespickt mit Schätzen für Körper und Geist. Für Kräuterführerin Regina Herrmann ein Paradies, hier findet sie bei ihren Kräuterwanderungen jede Menge Anschauungsmaterial.

Die Kräuterführerin wartet am Kurstag wieder einmal beim Ortsschild auf eine Teilnehmergruppe. Die zwölf Leute haben den Workshop über den Leserservice von Oberpfalz-Medien gebucht. "Sind alle da? Dann erkläre ich das Büfett", sagt sie. Die Gruppe wird später mit Löwenzahnblätter gefüllte Champignons, Nudelsalat mit Löwenzahn, Wildkräutersalat, Party-Tomaten mit Labkraut, Brennnesselspätzle und schokolierten Gundermann zubereiten. Während die 47-jährige Erbendorferin die Spezialitäten aufzählt, sperren die Kursteilnehmer Augen und Ohren auf. "Wir haben zu tun", betont Regina Herrmann lachend. "Wir werden das Essen auch selbst sammeln." Dann schreitet die Kräuterführerin voran, ihren Weidenkorb unter den Arm geklemmt, und bittet die Gruppe, ihr zu folgen. Löwenzahn, Giersch, Brennnesseln und viele andere Wildkräuter erleben seit einiger Zeit eine Renaissance. Regina Herrmann hat dafür eine Leidenschaft entwickelt, die ansteckt. Wenige Meter vom Ortsschild entfernt bückt sie sich das erste Mal zu einer Pflanze hinab. Aber Vorsicht! Die Fachfrau hat den Wiesenkerbel entdeckt, der giftig ist. "Sammelt bitte nur, was ihr wirklich kennt", lautet ihre erste und wohl wichtigste Regel.

Blutstiller und Seelentröster

Linkerhand wächst das erste essbare Kraut, ein Hirtentäschel. Seine Wirkung sei blutstillend, erklärt Herrmann. Der Beifuß ist dagegen gut bekannt. "Ein starkes Kraut" sei er und es gebe ihn seit Urzeiten, erfährt die Gruppe. Versteckt im Gras wachsen Spitzwegerich, Labkraut und vieles mehr. Der Wegrand entpuppt sich als Eldorado der Kräuterkunde. Die Ackerwitwenblume lindere Trauer, und der Wiesenbärenklau, ebenfalls ein Seelentröster, stärke zudem das Immunsystem, so Herrmann. Beim Holunder wird kurz Halt gemacht. "Vor ihm ziehe ich den Hut. Er ist der Baum der Vergebung, und unheimlich stark", sagt Herrmann und rät dazu, sich darunter zu stellen.

Auf einer Bio-Wiese wird fleißig gesammelt, doch das erste "Kräutlein", die Gewitterblume, bleibt ungepflückt. "Die Eltern haben bereits gewarnt, man dürfe sie nicht abreißen, weil sonst ein Gewitter kommt", betont Herrmann. Löwenzahn, Giersch, Brennnessel und Gundermann sind dagegen keiner Legende unterworfen und landen im Korb. Gleichzeitig wird die Fachfrau mit Fragen gelöchert. Dora Schätzler und Brigitte Müller sind sehr interessiert und total begeistert vom Wissen, das sie hier erfahren. Hier und da pflückend geht es zurück, in die Küche im Souterrain von Regina Herrmanns Zuhause. Vor dem Kochen serviert die Kursleiterin ihren durstig gewordenen Teilnehmern Wasserkaraffen zum Mischen mit selbst hergestelltem Rhabarber-, Gundermann- oder Wildkirschblütensirup. Lecker!

Ungewohnte Aromen

Jetzt bekommt jeder seine Aufgabe. Sonja Voith aus Weiden walzt die Brennnesseln mit dem Nudelholz, um die Brennwirkung auszuschalten - und das funktioniert. Vertraute Gerüche von gebratenen Champignons und Zwiebeln mischen sich bald mit den ungewohnten Aromen der Wildkräuter. Das macht hungrig. Gut eineinhalb Stunden später schaufeln die Teilnehmer voller Vorfreude aus vollen Schüsseln Wildkräutersalat, Labkraut-Tomaten, Brennnessel-Spätzle und den schokolierten geheimnisvollen Gundermann auf die Teller und genießen die Geschmacksvielfalt.Bildergalerie im Internet: www.onetz.de/2748094

Hintergrund:

Kräuterführerin seit 2011

Regina Herrmann ist 47 Jahre alt und hat 2011 im Kultur- und Begegnungszentrum Waldsassen eine Ausbildung zur Kräuterführerin absolviert. Die Erbendorferin ist seither als passionierte Wildkräuterfachfrau unterwegs. Sie bietet jährlich 15 bis 20 Kräuterwanderungen und Kräuterkochkurse sowie kombinierte Veranstaltungen an. Für ihre "Kräuterstub'n" stellt sie zahlreiche Produkte aus Wildkräutern her und bietet diese auch auf Märkten an. Informationen über ihre Kurse und Rezepte gibt es im Internet (www.kraeuterstubn.de) oder per E-Mail (kraeuterstubn[at]t-online[dot]de).

Rezept:

Überbackene Brennnesselspätzle

Zutaten: Benötigt werden etwa 50 Gramm Brennnesseln, vier Eier, 400 Gramm Mehl, 200 bis 250 Milliliter Wasser, eineinhalb Teelöffel Salz, Butterflöckchen und 100 Gramm geriebener Emmentaler. Zubereitung: Brennnesseln mit einem Nudelholz bearbeiten, damit sie nicht mehr brennen und anschließend sehr fein hacken. Eier, Wasser, Mehl und Salz mit dem Kochlöffel abschlagen und gehackte Kräuter unterrühren. Die Masse mit einem Spätzlehobel in kochendes Wasser drücken und aufkochen lassen, die fertigen Spätzle mit dem Spätzlelöffel aus dem Topf nehmen, in eine Auflaufform geben und Butterflöckchen zugeben. Auf jede Schicht etwas Butter geben, immer wieder durchrühren und im Backofen bei 125 Grad warm stellen. Zum Schluss mit geriebenem Käse bestreuen und fünf Minuten im Backofen belassen, bis der Käse schmilzt. Guten Appetit!

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.