30.10.2020 - 12:33 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Schlechte Noten für Zensuren

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Zu strenger Notenschlüssel? An der Grundschule Erbendorf steht genau diese Frage derzeit zwischen Eltern einiger Schüler und der Schulleitung beziehungsweise dem Schulamt.

An der Erbendorfer Grundschule gilt nach Meinung einiger Eltern ein zu strenger Notenschlüssel.
von Elisabeth Schätzler Kontakt Profil

In einer vierten Klasse sind nach Meinung einiger Mütter und Väter ein paar Noten zu schlecht ausgefallen, sie haben daraufhin mit einem offenen Brief, der auch Oberpfalz-Medien vorliegt, Schulleitung und Schulamt in Tirschenreuth kontaktiert. „Wir wenden uns an Sie in großer Sorge um den Lernerfolg unserer Kinder in der Klasse 4b und um den Schulfrieden an der Grundschule Erbendorf“, heißt es darin. Seit Schulanfang hätten sich demnach immer wieder Eltern aus verschiedenen Klassen mit der Bitte an die Schulleitung gerichtet, den vorgegeben einheitlichen Notenschlüssel zu überdenken. Im Vergleich mit den Nachbargrundschulen sei der nämlich „sehr streng“.

Nicht alle Proben sind gleich und nicht alle Kinder sind gleich.

Schulamtsdirektor Rudolf Kunz

„Seit vergangenem Jahr zieht sich das durch“, sagt Tanja Fichtner gegenüber Oberpfalz-Medien. Sie hat neben anderen Eltern den Brief verfasst und an das Schulamt geschickt. „Wir müssen jetzt eine Lösung finden“, hofft sie mit Blick auf das Wohl der Kinder. Ihrer Aussage nach sei der Notenschlüssel an der Erbendorfer Grundschule etwa zehn Prozent strenger als an anderen Schulen. Im Bereich der Drei sei der breit, bei den Zweier und Einsern sehr eng angelegt. „Wir können das den Kindern nicht mehr vermitteln, ob das jetzt eine gute oder eine schlechte Note ist“, sagt sie.

Angstvolle Lernatmosphäre

„Wir beobachten, dass sich der Notenschlüssel extrem demotivierend auf die Kinder auswirkt und für eine angstvolle Lernatmosphäre sorgt“, heißt es weiter in dem Brief, den insgesamt neun Eltern unterschrieben haben. „Der ungeheuerliche und sicherlich unbegründete Verdacht, dass der Notenschlüssel Kinder vom Übertritt auf eine weiterführende Schule abhalten soll, ist eine schwere Belastung für den Schulfrieden“, schreiben sie.

Der ungeheuerliche und sicherlich unbegründete Verdacht, dass der Notenschlüssel Kinder vom Übertritt auf eine weiterführende Schule abhalten soll, ist eine schwere Belastung für den Schulfrieden.

Aus dem offenen Brief der Eltern

Auf Nachfrage erklärt Rektorin Sabine Graser: „Wir werden das bearbeiten, ich stehe mit dem Schulamt im Gespräch. Mehr kann ich dazu derzeit nicht sagen.“ Schulamtsdirektor Rudolf Kunz betont, dass momentan versucht werde, zu deeskalieren. Er sei zu einem Gespräch mit den Eltern bereit, sagt er.

Zehn neue Lehrer gibt es seit Schulanfang an der Erbendorfer Grundschule

Erbendorf

„Nicht alle Proben sind gleich und nicht alle Kinder sind gleich“, weiß Kunz. Der Notenschlüssel werde an das Niveau der Probearbeit angepasst. Einen bayern- oder oberpfalzweiten Notenschlüssel gebe es nicht. „Jeder Lehrer ist für seinen Unterricht verantwortlich und so wird dann auch der Notenschlüssel konzipiert“, erklärt der Schulamtsdirektor. Außerdem gebe es im Falle einer schlechten Zensur auch die Möglichkeit, diese auszugleichen, zum Beispiel durch ein Referat oder durch die Mitarbeit im Unterricht.

„Insgesamt bin ich mir sicher, dass der Gesamtschnitt passt“, sagt er weiter. Zu anderen Schulen in den Nachbargemeinden gebe es keine gravierenden Unterschiede. Kunz spricht von einer „Kettenreaktion“. „Es ist das erste Mal, dass so etwas zu Gange kommt“, sagt er im Hinblick auf den Brief.

Heldentaten

„Für uns stellt sich die Frage, warum der Notenschlüssel so streng ist“, sagt Tanja Fichtner. „Wir haben ein Jahr versucht, damit zu leben – aber es funktioniert einfach nicht mehr.“ Zwar habe es schon Gespräche mit der Schulleiterin und dem Elternbeirat gegeben, „aber es ist weiterhin so, dass es niemand versteht“, bedauert die Erbendorferin.

Sie wisse um die schwierige Situation in den dritten und vierten Klassen, schließlich gehe es um den Übertritt. „Die Kinder leisten Heldentaten – sie tragen Masken, haben sich beim Fernlernen viel selbst beigebracht“, hebt die Erbendorferin das Engagement der Schüler in den vergangenen Monaten hervor. „Sie haben Großartiges geleistet.“ Die Mutter fasst zusammen: „Wir hoffen alle, dass sich das bis spätestens nach den Herbstferien entspannt.“

Info:

Fragen der Eltern an die Schulleitung bzw. das Schulamt

Fragen der Eltern an die Schulleitung bzw. das Schulamt

  • Welche pädagogischen Prinzipien stehen hinter dem Notenschlüssel im Kontext des LehrplanPLUS?
  • Wird das zu Grunde liegende Konzept von allen Lehrkräften der Grundschule Erbendorf vorbehaltlos mitgetragen?
  • Wie erklärt sich die Diskrepanz zu den Notenschlüsseln der Nachbarschulen und welche Elemente des pädagogischen Konzepts stellen sicher, dass den Schülern keine Nachteile beim Übertritt entstehen?
  • Wie kann sichergestellt werden, dass die Bildungspartnerschaft zwischen Schule und Eltern wieder intakt ist?
  • Welche Anpassungen wurden nach der Corona-bedingten Selbstlernphase im letzten Jahr vorgenommen, damit den Viertklässerlnnen des Schuljahres 2020/21 keine Nachteile entstehen?
Info:

Forderungen der Eltern an die Schulleitung bzw. das Schulamt

Forderungen der Eltern an die Schulleitung bzw. das Schulamt

  • Anpassung des Notenschlüssels auf das in den Nachbargrundschulen übliche Niveau
  • ein Konzept für das Schuljahr 2020/21, das die besonderen Belastungen durch die Coronakrise für die Grundschüler berücksichtigt
  • vertrauensbildende Maßnahmen und echten Elterndialog vonseiten der Schulleitung.
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