23.11.2018 - 16:16 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Schöner als Weihnachten

Blinkende Lichter, leuchtende Schneemänner, Engel, Eisbären, Pinguine. Der gebürtige Amerikaner Ron Biederman verwandelt seinen Garten jedes Jahr in ein Weihnachtswunderland.

von Lena Schulze Kontakt Profil

Wie viele Lichterketten Ron Biederman hat, weiß er gar nicht genau. Auch die "Blow ups", die aufblasbaren Figuren, muss der 68-jährige gebürtige Amerikaner erst zählen. 14 Stück. Hier ein Schneemann, da ein Eisbär, Santa winkt vom Gartenbrunnen herüber. Am Nachmittag des Thanksgiving-Day, dem vierten Donnerstag im November, steht Ron mit einer bunten Lichterkette unterm Arm vor dem breiten Walnussbaum und schaut, wie er die Lichterkette am besten drapiert. In der Küche bereitet seine Frau den Truthahn für das Festessen am Abend vor. Dieser Feiertag ist in den Vereinigten Staaten das größte Familienfest - traditionell starten die Landsleute an diesem Tag ihre Weihnachtsbeleuchtung.

So auch Ron Biederman. Heuer ist er spät dran mit den Vorbereitungen. Erst seit vier Tagen werkelt er an seiner winterlichen Märchenlandschaft im Vorgarten. Jeden Tag drei bis vier Stunden. "Der Baum wird jedes Jahr größer!", sagt Ron. "Ich seh' schon, das reicht nicht. Ich brauche mehr Ketten." Wohin mit dem ganzen blinkenden Lichtwerk? Da braucht der Weihnachtsfan nicht lange überlegen. Die aufblasbaren Figuren haben alle ihren festen Platz. Je mehr Lichter an den Fahnenmasten, der Garage, dem Brunnen, den Bäumen und dem Rosenspalier, desto besser.

Lieblingsfigur mit Kurzschluss

Die Figuren bestellt "Granpa Ron", wie er sich selbst gern nennt, in den USA. Neu ist dieses Jahr ein "Snoopy" in einem Flieger, etwa 3 Meter lang und 1,5 Meter hoch. Erst vergangenes Jahr ist eine wunderbare Schneemann-Familie defekt geworden. Nach 15 Wintern im Dienst ging der Motor kaputt. Überhaupt: Um die Figuren, die auf 110 Volt ausgelegt sind, an das deutsche 220-Volt-Wechselstromnetz anzuschließen, braucht Ron Spannungswandler. "Meine Frau schimpft schon immer, weil ich überall mein Werkzeug liegen lasse", gesteht Ron. Auch wenn das Ganze für sie gewöhnungsbedürftig war, lässt sie ihren Mann machen. "Das ist seine Sache", erklärt Gabi und lacht. Die Stromkosten, etwa 150 Euro mehr pro Weihnachtszeit, nimmt das Ehepaar gern in Kauf. Diese werden weniger durch die sparsamen LED-Lichterketten verursacht, als durch die vielen aufblasbaren Figuren.

Vor einigen Jahren wollte er schon hinschmeißen. "Ich habe meiner Frau gesagt, ich höre auf" , sagt er. Es waren kaum Besucher da, bis eine Oma mit ihrer etwa dreijährigen Enkelin in den Hof kam. Das Mädchen hüpfte zum Mickey-Mouse-Haus und küsste die Nase der Figur. "Das war so lovely! Da wusste ich, ich mach das, solange ich lebe." Das ist auch der Grund, warum sich Ron in der November-Kälte abmüht. "It's for the Kids" Wenn er die Kinder mit ihren großen Augen und offenen Mündern sieht, ist das der größte Lohn für ihn.

Auf die Frage, ob er eine Lieblingsfigur hat, antwortet "Mister Biederman" sofort: "Der Engel!" Der LED-Engel mit blauen Flügeln, goldenem Heiligenschein und Trompete steht gegenüber des Hauses auf dem Dach des Brunnens. "Bei Nacht strahlt sie in purem Weiß und trompetet zum Haus." Ausgerechnet sein liebstes Stück ging vergangenes Jahr kurz vor Heiligabend in Rauch auf. Ein Kurzschluss. Ron saß mit Nachbarn am Lagerfeuer, als es passierte. "Das war nicht lustig", sagt Ron.

Sechs Wochen Freude

Es ist duster geworden, die Straßenlaternen leuchten schon. "Happy Thanksgiving, Ron", ruft der siebenjährige Jonathan. Der Nachbarsjunge darf heuer die Lichterpracht anknipsen, hat Ron ihm versprochen. Der 68-Jährige zieht die Fernbedienung aus der Tasche seiner tarnfarbenen Fleecejacke. "Eins - zwei - drei!" Dann drückt Jonathan den Knopf und alles beginnt zu leuchten. Für Ron ein Moment, schöner als Weihnachten. Weil er von seinem blinkenden, strahlenden Kunstwerk noch wochenlang etwas hat. Auch wenn dieses Jahr nicht alles rechtzeitig fertig wurde - es fehlen Lichterketten an den Fahnenmasten und am Walnussbaum, der Motor der beleuchteten Pinguinfamilie fiel aus. Das macht Ron nichts aus. Der 68-Jährige hat Zeit. Erst einmal setzt er sich vor das Lagerfeuer, öffnet eine Flasche Bier und genießt sein leuchtendes Werk. Wenn Ron im Garten fertig ist, geht's drinnen mit noch viel mehr bunter Weihnachtsdeko weiter. Bis 6. Januar ist der Weihnachtsgarten der Familie Biedermann zwischen 16.30 und 22.30 Uhr in Erbendorf zu sehen. Wenn das Tor geöffnet ist, sind Besucher eingeladen sich umzusehen.

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