28.02.2021 - 12:57 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Simultanschule, Schwesternhaus und schließlich Erbendorfer Museum

1796 - für Erbendorf ein Jahr des Schreckens. Beinahe die ganze Stadt fiel vor 225 Jahren einem Brand zum Opfer. Darunter auch das Simultanschulhaus, in dem sich heute das Heimat- und Bergbaumuseum befindet.

Heute präsentiert sich im ehemaligen Simultanschulhaus das Heimat- und Bergbaumuseum.
von Jochen NeumannProfil

Im Heimat- und Bergbaumuseum am Georg-Bertelshofer-Platz wird nicht nur Geschichte gezeigt, das Haus hat auch seine eigene abwechslungsreiche Historie. Bereits im 16. Jahrhundert wird an der Ostseite der heutigen katholischen Kirche ein "Mesnerhaus" genannt, das zugleich Schulgebäude war.

Die Glaubensspaltung im 17. Jahrhundert machte auch vor der Schule nicht halt. Von 1663 bis 1861 war es das "Simultanschulhaus", ein gemeinsames Gebäude für die katholische und die evangelische Schule. Natürlich mit jeweils einem eigenen konfessionsgebundenen Schulmeister.

Der Zustand des frühesten Gebäudes ist aus seiner Aufzeichnung des Jahres 1715 überliefert. Es war ein einstöckiges Haus mit Dachgeschoss. Eine mittige Türe an der Kirchgasse führte in den Hausgang, der das Gebäude in zwei Hälften teilte: links die katholische, rechts die protestantische Schulstube. Dazwischen war an der Nordseite die Küche, die von den Familien des katholischen und evangelischen Schulmeisters "simultan", das heißt gemeinsam, genutzt wurde.

Schlafen im Schulzimmer

Das katholische Schulzimmer mit einer Größe von 13 ½ Schuh mal 15 ½ Schuh war Schulraum für 70 Kinder. Es musste allerdings auch für die katholische Schulmeistersfamilie als Wohn- und Schlafstätte mit herhalten. Nicht anders war es beim protestantischen Schullehrer. Der hatte zwar eine geringere Schülerzahl, dafür befand sich im Klassenzimmer noch der simultan zu nutzende Backofen. Leichte Verbesserungen ergaben sich 1725, als die Dachzimmer über den Schulräumen als Wohnzimmer mit eigener Beheizung ausgebaut wurden. Die gemeinsame Küche bestand aber weiterhin.

Im Laufe der Jahrhunderte fiel das Schulhaus wiederholt den großen Stadtbränden zum Opfer, letztmals vor 225 Jahren. Der Wiederaufbau erfolgte 1798 als ein zweistöckiges Haus. Bereits 1834 sprechen die Akten von einer Erweiterung der Schule, auch ein Neubau war im Gespräch. Vehement wehrten sich die Erbendorfer, als von der Regierung die Weisung erfolgte, Räume im 1838 erbauten neuen Rathaus (dem heutigen Kaufhaus Rose am Unteren Markt) der Schule zur Verfügung zu stellen. Als Überbrückung wurden Schulklassen auch ins Anwesen Marktplatz 5 ausgelagert.

Erweiterung erst 1867 fertig

Doch wegen der Schulden der Stadt zog sich die Erweiterung Jahrzehnte hin. Die Fertigstellung erfolgte 1867. An der Nordseite wurden in zwei Etagen zwei Klassenzimmer angebaut. Damit erhielt das Anwesen das heutige Aussehen. Noch 1876 betont die Regierung der Oberpfalz die "ungünstige Vermögenslage der Schulgemeinde ... welche noch an den Kosten des im Jahre 1867 vollendeten Schulhausbaues auf lange Zeit hinaus abzuzahlen habe."

1861 endete der Bestand des "simultanen Schulhauses". Die Protestanten fanden im Anwesen Unterer Markt 5 (heute Metzgerei Witt) ihr eigenes Schulhaus. Das Schulhaus wurde nunmehr als "katholische Schule" weitergeführt. 1864 verkaufte es die Stadt Erbendorf deshalb an die katholische Schulstiftung Erbendorf für 3000 Gulden.

Mit dem Bau des Katholischen Schulhauses in der Bräugasse 1880 entfiel eine weitere Verwendung des Schulgebäudes. Um an Geld zur Finanzierung des Schulneubaus zu kommen, verkaufte die "Katholische Schulstiftung Erbendorf" kurzerhand am 9. Oktober 1880 das Gebäude an die Schulschwesternstiftung für 6000 Gulden.

Es vergingen aber annähernd 25 Jahre, bis das ehemalige Simultanschulhaus das "Schulschwesternhaus" wurde. Bis dahin wurden Wohnungen eingerichtet und privat vermietet. Der bekannteste Erbendorfer, der in diesem historischen Haus das Licht der Welt erblickte und seine Kindertage hier verbrachte, ist der Chronist und Heimatforscher Joseph Höser, der am 13. September 1890 im Haus Nr. 66 geboren wurde. Auch der Lehrer Theodor Roll wohnte hier. Er war der Onkel von Max Reger, der hier ein- und ausging.

Wegen der Niederlassung der Armen Schulschwestern in diesem Gebäude wurde im Juli 1904 sämtlichen Mietern gekündigt. Es wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten vorgenommen, um für die Schwestern im ersten Stock die Wohnung einzurichten. Auch die Moderne hielt zwei Jahre später ihren Einzug: Im September 1906 wurde das Gebäude elektrifiziert und mit "1 Zuglampe und 3 Deckenbeleuchtungen" ausgestattet.

Bis zum Bau des Stiftungskindergartens 1908 war auch der Kindergarten kurz im Haus untergebracht. Nachdem der Schuldienst für die Schwestern weggefallen war, erfolgte 1961/62 ein Teilabzug der "Armen Schulschwestern", jedoch blieben zwei Kindergartenschwestern noch bis 1973/74 in Erbendorf.

Archiv und TSV-Büro

In den Folgejahren wurde es ruhig um das Schulschwesternhaus. Größtenteils als Archiv und Lagerstätte der Stadt und kurzzeitig als Büro des TSV Erbendorf genutzt, tat sich erst 1985 wieder etwas. Dem Heimatmuseum wurden die ersten zwei Räume zum Aufbau eines Museums zur Verfügung gestellt, ab 1994 weitere Zimmer. Erstmals wurde das Museum 1995 der Öffentlichkeit vorgestellt. Heute nutzt der Heimatpflegeverein das gesamte Gebäude als Museum.

Vom alten "Simultanschulhaus" ist aber heute noch bei einem Besuch des Heimat- und Bergbaumuseums etwas zu sehen: die alte simultane Küche, in der die Schulmeistersehefrauen beider Konfessionen gemeinsam kochten. Das war gelebte Ökumene.

So sah das Simultanschulhaus nach seinem Wiederaufbau 1798 aus.
Ein Plan aus dem Staatsarchiv Amberg zeigt die Absicht, neben dem Simultanschulhaus (links) die Schule über einen Zwischenbau zum Anwesen Marktplatz 5 zu erweitern. Die Ausführung scheiterte letztendlich am Geld.

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