Größeres Polizeiaufgebot, zwei Gegenbewegungen und eine aufgeheizte Stimmung: In Erbendorf haben am Sonntag zwei Versammlungen stattgefunden. So kamen bereits um 17.30 Uhr rund 50 Teilnehmer unter dem Thema "Solidarisches Erbendorf" im Stadtpark zusammen. Sie demonstrierten mit Transparenten mit Aufschriften wie "Gegen Nazis", "Ihr seid hier nicht willkommen" oder "Solidarität statt Hetze".
Diese Versammlung wurde von einer Person über das Landratsamt angemeldet und Polizisten kontrollierten den Eingang zum Stadtpark. Wie Bürgermeister Johannes Reger erklärt, habe die Gruppe aufgrund der regulären Anmeldung den Vorrang für den Versammlungsort bekommen.
Polizei trennte Versammlungen
Etwa eine halbe Stunde später fanden sich rund 450 bis 500 Personen ein, die sich laut Bericht der Polizeiinspektion Kemnath "zu einem nicht angemeldeten Aufzug" versammelten. Diese Personen trafen sich, wie in den vergangenen Wochen zuvor, zu einem sogenannten "Spaziergang". Da jedoch der Stadtpark bereits durch eine Gegendemonstration zu diesem Geschehen besetzt war, wurden beide Versammlungsgruppen durch die Polizei getrennt. "Das machen wir, damit es zu keinen Störungen kommt", erklärt Erster Polizeihauptkommissar Bernhard Gleißner.
In Facebook dokumentieren Bilder und Videos vom Ortsverband Steinwald von Bündnis 90/Die Grünen das Geschehen von Sonntagabend. Im Post dazu heißt es: "Die Spaziergänger mussten draußen bleiben. Danke an die Polizei und an Bürgermeister Reger für seine klare Positionierung auf unserer Seite. An den Sprechchören der ‚Spaziergänger‘ konnte man klar die Anwesenheit von Neonazis und der Identitären hören."
Die Videos sind aus dem Stadtpark heraus gefilmt worden. Darauf sind deutlich lautstarke Trillerpfeifen zu hören. "Spaziergänger" bewegen sich auf den Gehwegen um den Stadtpark, halten Lichter in ihren Händen oder haben Lichterketten um ihre Körper. Die Polizei bewacht den Eingang zum Stadtpark. Menschen rufen in einem Sprechchor laut "Nazis raus" – auf beiden Versammlungsseiten.
Keine pauschalen Unterstellungen
Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärt Josef Schmidt, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Erbendorf, dass er mit dem Facebook-Beitrag seiner Parteikollegen nicht einverstanden ist. "Ich war am Sonntag selbst vor Ort, an der Seitenlinie", erklärt er. Er sei als Beobachter dort gewesen. "400 bis 500 Menschen sind keine Nazis. Das kann man ihnen nicht pauschal unterstellen", betont er. Er sei zwar dafür, klare Kante zu zeigen. Jedoch kenne er Teilnehmer der "Spaziergänge", die weit weg von einer rechten Gesinnung seien. Zudem weist er die Äußerung zurück, dass unter den Sprechchören "Neonazis" oder "Identitäre" zu hören gewesen seien. Dennoch sei er ganz klar gegen die Unterwanderung von Rechts. "In Erbendorf gibt es vereinzelt schon ein Problem mit Neonazis", sagt er. Jedoch sei das nicht auf die Mehrheit der Teilnehmer zu übertragen.
Von den Gehwegen außerhalb des Parks startete der "Spaziergang" durch die Stadt und war nach etwa zwei Stunden beendet. "Der sogenannte ‚Spaziergang‘ durch Erbendorf verlief mit Ausnahme geringer Verkehrsbeeinträchtigungen störungsfrei", teilt die Polizei mit. Gleißner betont: "Ich gewähre das Versammlungsrecht." An oberster Stelle stehe für ihn die Gefahrenabwehr. "Wir sorgen dafür, dass es zu keinen Straftaten kommt und keiner verletzt wird." Deshalb regeln die Beamten auch den Verkehr. Eine Teilnehmerin habe versucht, die Gegenbewegung im Stadtpark zu stören. Sie versuchte durch die Absperrung der Polizisten zu gelangen und wurde von den Beamten in Gewahrsam genommen. Dabei habe sie auch Widerstand gegen die Polizisten gezeigt.
Bürgermeister Johannes Reger befand sich am Sonntag auf der Seite der Impfbefürworter. Er hat aber auch ein offenes Ohr für "Spaziergänger": "Mein Grundtenor ist, dass wir beide Seiten sehen." Er empfand die Versammlung als lautstark. So wurde viel gepfiffen und getrötet. "Das kommt bei den Bürgern massiv schlecht an", weiß der Bürgermeister. Menschen seien verärgert oder gar verängstigt. Das trage zur Polarisierung und Spaltung der Gesellschaft bei. "Ich bitte, auf so etwas zu verzichten", so Reger. Er führte bereits Gespräche mit Teilnehmern der "Spaziergänge" aus der Stadt. "Die Zahl der Erbendorfer ist seither weniger geworden."
Heterogene Gruppe
Im Gegensatz zu anderen Demonstrationen bestehen die Teilnehmer der "Spaziergänge" nicht aus einer homogenen Gruppe. "Es ist ein sehr heterogenes Bild und zieht sich durch alle gesellschaftliche Schichten", sagt Erster Polizeihauptkommissar Gleißner. Viele der Teilnehmer kämen aus dem regionalen Umfeld und angrenzenden Landkreisen. Bürgermeister Johannes Reger hält nichts von pauschalen Verurteilungen: "Man muss aufpassen, nicht jeder ist ein Rechter oder Querdenker. Wir dürfen Menschen auch nicht in diese Ecke drängen." Sicher sei aber auch, dass rechte Gruppierungen, die "Spaziergänge" für Propagandazwecke nutzen. Das müsse auch jedem Teilnehmer klar sein.
















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