23.06.2020 - 14:47 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Stadt Erbendorf geht in den Untergrund

Am Naabberg soll noch in diesem Jahr in Regenüberlaufbecken gebaut werden. Das Projekt ist mit rund 560000 Euro veranschlagt.

Die Tage der Esche an der Fichtelnaabbrücke am Naabberg sind gezählt. Der Baum muss einem Regenrückhaltebecken weichen.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Am Fuße des Naabbergs soll noch in diesem Jahr ein Regenüberlaufbecken gebaut werden. Das Projekt ist eine langjährige Forderung des Wasserwirtschaftsamtes und mit rund 560 000 Euro veranschlagt. Aufgrund des neuen Baugebiets Naabberg wird das Becken nun realisiert.

Die Vorgeschichte reicht Jahrzehnte zurück. Das Wasserwirtschaftsamt hatte das Becken bei der Genehmigung der Einleitung von Abwässern in die Fichtelnaab und andere Vorfluter, zur Auflage gemacht. Verwirklicht wurde es bisher nicht. Dabei hatte es, das kam im Stadtrat zur Sprache, in diesem Bereich in der Vergangenheit nach Starkregen immer wieder Probleme mit dem Abwasser gegeben. Durch das neue Baugebiet Naabhöhe wird sich die Situation noch verschärfen. Bürgermeister Johannes Reger informierte, dass das Wasserwirtschaftsamt in der „gehobenen Erlaubnis zur Einleitung von gesammelten Abwässern aus Mischwasserentlastungsbauwerken in die Fichtelnaab und andere Vorfluter“ seinerzeit neun Entlastungsbauwerke festgelegt habe, darunter auch dieses Becken. Die Behörde habe dem neuen Baugebiet nur unter der Maßgabe zugestimmt, dass es nun unverzüglich realisiert werde. Reger schlug dem Stadtrat vor, das Bauwerk in der kleinen Grünanlage neben dem Kreuzungsbereich Wetzldorfer Straße/Thanner Straße zu errichten. Das 334 Kubikmeter fassende Rückhaltebecken könne dort in der Erde versenkt werden. Anschließend könne man den Platz wieder schön begrünen.

Eine Bepflanzung mit einem Baum sei aber nicht mehr möglich, meinte Reger. Aber Untersuchungen hätten ohnehin gezeigt, dass die etwa 70 bis 80 Jahre alte Esche krank sei. Reger: „Sie könnte vielleicht noch 10 bis 15 Jahre erhalten werden, aber auf Dauer hat dieser Baum keine allzu große Zukunft.“ Nach Auskunft des Bürgermeisters gibt es für diesen Standort ohnehin keine andere Möglichkeit. Man habe dies intensiv geprüft. Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sei keine Alternativlösung möglich.

Emotionales Thema

CSU-Sprecher Dominik Vollath sah dies genauso. Das Fällen eines Baumes sei ein emotionales Thema, aber man könne hier wohl nicht anders. Er knüpfte die Zustimmung an die Bitte, den Platz nach den Bauarbeiten wieder attraktiv als Treff für die Bürger zu gestalten. In die gleiche Kerbe schlug auch SPD-Sprecher Bernhard Reis. Der Bau sei dringend notwendig, zumal er schon im Jahr 2000 vom Wasserwirtschaftsamt angemahnt worden sei. Sein Fraktionskollege, Reinhold Kastner, ergänzte als Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes, dass ohne diese Maßnahme die Gefahr bestehe, dass ungeklärtes Wasser in die Fichtelnaab gelangen könne. „Das darf uns auf gar keinen Fall passieren.“ Er regte an, den Bau zum Anlass zu nehmen, die Fichtelnaab mehr in den Ort einzubinden. Vielleicht könne man dort ja ein kleines Wasserforum anlegen, meinte der Dritte Bürgermeister.

Dilemma für die Grünen

Für die Grünen war die Zustimmung zum Projekt wegen der Baumfällung „ein gewisses Dilemma“, wie Fraktionssprecher Josef Schmidt unumwunden zugab. „Aber der Schutz des Gewässers ist genauso wichtig wie ein Baum.“ Der Landwirt regte im Zuge der Maßnahme einen Uferpfad an und mahnte nach Abschluss der Maßnahme Ersatzpflanzungen an anderer Stelle an. Fraktionssprecher Bernhard Schmidt von den Freien Wählern wusste, dass die ersten Pläne für dieses Becken sogar bis ins Jahr 1999 zurückreichten. Die jetzige Lösung sei wohl die technisch sinnvollste Alternative.

Laut Bürgermeister Reger soll der Bau des Beckens noch heuer umgesetzt werden. Der Rathauschef sicherte zu, den Platz danach wieder attraktiv gestalten zu lassen. Von einem Uferpfad hielt er jedoch wenig.

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