29.09.2020 - 16:10 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Stadt Erbendorf setzt auf Edelkastanien und Elsbeeren statt Fichten und Kiefern

Der Stadtwald wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Neue Baumarten werden sich ausbreiten und damit wird sich zwangsläufig auch das Aussehen der Wälder ändern.

Der Großteil der städtischen Waldungen liegt hinter dem Flugplatz im Gebiet Schweißlohe.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Insgesamt besitzt die Stadt rund 175 Hektar Wald. "Das ist für eine Kommune in dieser Gegend ein stattlicher Bestand", urteilt Eckhard Deutschländer. Eigentlich ist er Revierleiter der Stadt Augsburg. Doch so nebenher kümmert er sich auch um die Waldungen der Stadt Erbendorf. Und dies seit dem Jahr 2013. Mit einem Zustandsbericht im Erbendorfer Stadtrat klärte er die Kommunalpolitiker über den Bestand und die Probleme auf, die bei der Waldbewirtschaftung gemeistert werden müssen.

Für einen Förster ist es demnach eine ungemein vielseitige Aufgabe, den Stadtwald zu betreuen. 85 Prozent der Gesteinsarten, die es weltweit gebe, kämen hier vor. "Das ist eigentlich der absolute Hammer", meinte Deutschländer. Die Fränkische Linie, eine geologische Verwerfungslinie, sei dafür mit verantwortlich. Das stelle die Stadt bei der Bewirtschaftung ihrer Wälder natürlich auch vor große Herausforderungen, weil verschiedene Böden auch bedeuteten, dass man auf verschiedene Baumarten setzen müsse, um den Klimawandel meistern zu können.

Das größte zusammenhängende Waldgebiet der Stadt liege im Bereich Schweißlohe hinter dem Flugplatzgelände. Rund 70 Hektar gehörten dort der Stadt. Aber auch auf der Schadenreuther Platte, am Föhrenbühl und in anderen Bereichen habe Erbendorf Besitzungen. "Baumartenvielfalt bedeutet bei der Waldwirtschaft Betriebssicherheit", meinte der Forstmann. Er riet der Stadt dazu, den Anteil der Fichten deutlich zurückzufahren. Bessere Chancen räumte er der Tanne und der Douglasie ein. Aber auch Bäume wie Kirsche, Edelkastanie und Elsbeere könnten beim Umbau eine Rolle spielen. Insgesamt sei es das Ziel, sich wieder einem Buchen-Urwald anzunähern, in dem auch Tannen, Eichen, Ahorn und andere Bäume wüchsen. Allerdings sei es bei einigen Standorten der Stadtwaldungen schwierig, eine Voraussage zu treffen, wie der Wald von morgen aussehen werde. "Man weiß auf schwierigen Standorten nie genau, wo es hingeht."

Wälder seien in gewissem Sinne das Tafelsilber von Kommunen, meinte Deutschländer. Eine gute Waldbewirtschaftung entnehme dem Wald nur so viel, wie im Jahr nachwachse. Beim Erbendorfer Stadtwald seien dies 1020 Festmeter pro Jahr. Allerdings ließen sich damit aufgrund des schlechten Holzpreises derzeit keine große Geschäfte machen. "Sie können mir glauben, es macht wirklich keinen Spaß, hochwertige Fichtenstämme für 40 Euro herzugeben."

Bürgermeister Johannes Reger wies noch auf einen weiteren Grund hin, der für ihn bei den Stadtwaldungen wichtig ist. "Ein bewirtschafteter Wald trägt auch zum Umweltschutz bei."

Das Gebiet Schweißlohe mit dem Flugplatz im Vordergrund.
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