20.10.2021 - 14:18 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Stadt Erbendorf will Serpentinitvorkommen für Zukunft sichern

Das Serpentinitvorkommen im Waldgebiet bei Schweißlohe soll nach der Teilfortschreibung des Regionalplans Oberpfalz-Nord zu einem Vorbehaltsgebiet werden. Die Stadt Erbendorf will das Areal schützen, sich aber nicht alle Optionen verbauen.

Unweit des Gebietes Schweißlohe, hier mit Flugplatz im Vordergrund, gibt es den Naturstein Serpentinit.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Serpentinit ist ein Naturstein, der im Kunstgewerbe verwendet oder auch als Schmuck-, Boden- oder Arbeitsplatten verbaut wird. Grüner Marmor wird das Gestein genannt, das auch im Gebiet von Erbendorf vorkommt. Diese Vorkommen waren wieder einmal Thema im Stadtrat. "Der Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbandes Oberpfalz-Nord hat beschlossen, ein ergänzendes Beteiligungsverfahren zur 30. Änderung des Regionalplans durchzuführen", kündigte Bürgermeister Johannes Reger (CSU) an.

Dabei gehe es um die Teilfortschreibung des Regionalkapitels "Gewinnung und Sicherung von Bodenschätzen". Reger wies darauf hin, dass Stellungnahmen der Kommune nur zu den Änderungen abgegeben werden können, die sich im Vergleich zum ersten Fortschreibungsentwurf ergeben haben.

In dem Regionalplan werden Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für die Gewinnung von Steinen und Erde für den regionalen und überregionalen Bedarf festgelegt. Genauso geht es um den bedarfsunabhängigen Abbau von Industriemineralien und metallischen Bodenschätzen. "Im Bereich der Stadt Erbendorf sind zwei Gebiete betroffen", führte Reger aus. Im Gemeindegebiet Krummennaab gehe es um die Aufhebung des Vorranggebiets Naturstein "Nat 3" beim ehemaligen Steinbruch wegen Erschöpfung des Rohstoffvorkommens und der Nutzung als Freiflächen-Photovoltaikanlage. "Zu dieser Aufhebung hat der Stadtrat in seiner Sitzung am 18. November 2019 zugestimmt", erinnerte Reger. Eine weitere Stellungnahme sei nicht möglich.

19 Hektar bei Schweißlohe

Im Fokus von Regers Ausführungen stand zudem die 19 Hektar große Waldfläche mit der Bezeichnung Naturstein "Nat 43" im Bereich Schweißlohe unweit vom Flugplatz. Die Serpentinitvorkommen an dieser Stelle sind bisher als Vorranggebiet ausgewiesen worden, was sich nun ändern soll. "Diese Fläche soll nunmehr lediglich als Vorbehaltsfläche für Naturstein ausgewiesen werden. Im ersten Beteiligungsverfahren wurde diese Fläche noch als Erweiterung des 'Nat 24' ausgewiesen", erklärte der Bürgermeister. "Nat 24" liegt östlich von der betroffenen Waldfläche.

Das Problem: Bei Vorbehaltsgebieten kommt der Rohstoffgewinnung, also in diesem Fall dem Abbau von Serpentinit, ein besonderes Gewicht zu. Aus der Sicht der Stadt sei die Ausweisung und Sicherung des Serpentinitvorkommens als bedeutsamer Rohstoff zu schützen. "Wir wollen in naher Zukunft hier nicht abbauen. Aber wir wollen uns diese Möglichkeit auch nicht ganz verbauen", betonte Reger. Aus diesem Grund brachte er den Beschlussvorschlag vor, der Ausweisung des "Nat 43" als Vorbehaltsgebiet zu widersprechen und die Fläche des "Nat 24" um die Fläche des "Nat 43" als Vorranggebiet zu erweitern.

"Schatz unter der Erde"

CSU-Fraktionsvorsitzender Dominik Vollath unterstützte den Vorschlag. "Es geht nicht um einen kurzfristigen Abbau von Serpentinit. Wir sehen keinen Änderungsbedarf." Bernhard Reis, Fraktionsvorsitzender der SPD, betonte: "Nach Gesprächen mit Bürgern sehen viele das Gebiet als Naherholungsgebiet." Hans Rose von den Freien Wählern erklärte: "Wir schließen uns zu 100 Prozent der Verwaltung an. Wir haben hier einen Schatz unter der Erde liegen." Dieser solle auch im Notfall genutzt werden können, die Option zum Abbau sollte daher offen bleiben. Die Mehrheit im Stadtrat stimmte für den Vorschlag, Josef Schmidt (Bündnis90/Die Grünen) und Bernhard Reis (SPD) stimmten dagegen.

Ebenfalls beschäftigte sich das Gremium mit zwei Bauanträgen. Unter anderem beabsichtigt ein Antragsteller, sein Wohnhaus in Schadenreuth an der westlichen Gebäudeseite um einen Wintergarten und einen Anbau zu erweitern. Der Wintergarten soll eine Größe von 4,90 mal 5,50 Meter haben. In Verlängerung des Wintergartens soll ein Wohnhaus mit einer Größe von 9,33 mal 10,33 Meter in E+D-Bauweise mit Unterkellerung angebaut werden . Der Stadtrat stimmte dem Antrag einstimmig zu. Weiterhin ging es um den Neubau eines Zweifamilienhauses mit Garagen im Baugebiet „Naabhöhe 4“. „Der Neubau soll in einer Größe von 11,99 mal 12,36 Meter in E+1-Bauweise mit Unterkellerung errichtet werden“, berichtete Bürgermeister Reger. Nordöstlich des Hauptgebäudes möchte der Antragsteller eine Doppelgarage bauen.

„Die Zufahrt der Garagen ist nicht wie im Bebauungsplan festgelegt an der Nordseite, sondern an der Ostseite des Grundstücks vorgesehen“, erklärt der Rathauschef. Aus diesem Grund sei eine bauliche Veränderung notwendig. „Die Kosten der Veränderung trägt der Bauherr. Ansonsten entspricht das Bauvorhaben den Festsetzungen des Bebauungsplans“, so Reger. Die Stadtratsmitglieder stimmten auch hier dem Antrag einhellig zu.

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"Wir wollen in naher Zukunft hier nicht abbauen. Aber wir wollen uns diese Möglichkeit auch nicht ganz verbauen."

Bürgermeister Johannes Reger (CSU)

 

 

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