15.11.2020 - 11:48 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Steinwald-Brennerei wieder im Normalbetrieb

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Zu Beginn der Corona-Pandemie im März waren plötzlich Destillerien wie die Steinwald-Brennerei gefragt: Sie sollten Neutralalkohol für die Herstellung von Desinfektionsmittel produzieren. Gregor Schraml berichtet von turbulenten Monaten.

Anstatt Whisky, Gin und Obstbränden stellte Gregor Schraml in seiner Steinwald-Brennerei in Erbendorf von März bis Mitte Mai Neutralalkohol her. Damit konnten Apotheken und Kliniken selbst Desinfektionsmittel herstellen.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Weil im Frühjahr nach dem Ausbruch der Coronakrise den Apotheken und Kliniken die Vorräte an Desinfektionsmitteln ausgingen, waren Schnapsbrennereien gefragt, Neutralalkohol zur Herstellung von Desinfektionsmittel zu brennen. In großem Maße in die Aktion involviert war die Schnapsbrennerei Schraml aus Erbendorf. Geschäftsführer Gregor Schraml und seine 13 Mitarbeiter stellten einige Monate die Produktion um. „Wir mussten anfangs etwas experimentieren. Jetzt wissen wir wie es geht“, sagt Schraml. Besonders gefragt war die Brennerei mit der Herstellung des 80-prozentigen Ethanols ab Ende März bis Mitte Mai. „Danach ist die Nachfrage recht schnell abgerissen. Die Engpässe waren behoben“, blickt der Chef des Familienbetriebs zurück.

400 Liter pro Tag

„Wir haben Wochen lang nichts anderes gemacht, als Neutralalkohol herzustellen. Sonst hätten wir die Mengen so nicht zur Verfügung stellen können.“ Sechs bis acht Wochen sei der Familienbetrieb mit 400 Liter 80-prozentigem Ethanol pro Tag an der Kapazitätsgrenze gewesen. „Mehr wäre nicht gegangen.“ Insgesamt stellte die Steinwald-Brennerei zwischen 14 000 und 20 000 Liter Neutralalkohol her, schätzt Schraml. Die größten Abnehmer waren hauptsächlich die Krisenstäbe der Landratsämter Tirschenreuth und Wunsiedel sowie Apotheken im Umkreis. Auch für die Gastronomie-Kunden, die sonst Schnäpse und Whiskey bei der Erbendorfer Destillerie ordern, mischte die Brennerei Desinfektionsmittel nach der Rezeptur der WHO. „Das waren aber nur geringe Mengen“, erklärt Schraml. „Ein bissl was ist noch da“, sagt der Geschäftsführer über vorhandene Vorräte.

Wir haben Wochen lang nichts anderes gemacht, als Neutralalkohol herzustellen. Sonst hätten wir die Mengen so nicht zur Verfügung stellen können.

Geschäftsführer Gregor Schraml

Aktuell sei die Brennerei in der Herstellung von 80-prozentigem Ethanol nicht mehr gefragt und habe wieder auf Normalproduktion umgestellt. „Das ärgert uns gar nicht“, sagt Schraml. „Neutralalkohol ist nicht unser Hauptmarkt. Wir haben unseren Teil beigetragen, um die Pandemie zu bekämpfen“, ist Schraml zufrieden. Mit den Landratsämtern ist er zwar noch in Kontakt – falls ein weiterer Engpass komme, könne er die Produktion wieder umstellen. Bisher läuft die Genehmigung, um Neutralalkohol herzustellen, noch bis Ende diesen Jahres.

Sorge um tschechische Fachkräfte

Im Team hat Gregor Schraml auch einige tschechische Fachkräfte. Besonders die geschlossenen Grenzen waren im Frühjahr für etwa zwei Wochen ein großes Problem für den Familienbetrieb. Zwar organisierte der Geschäftsführer eine Bleibe für seine tschechischen Mitarbeiter, doch die Fachkräfte haben Familie und konnten nicht bleiben. „Wir sind aber relativ schnell als systemrelevant eingestuft worden, lange bevor die Grenzen wieder für Pendler öffneten,“ erklärt Schraml erleichtert. „Das hat uns gerettet, sonst hätten wir nicht weitermachen können.“

Auch jetzt im „Lockdown light“ müssen die Brennerei-Mitarbeiter aus dem Nachbarland wieder zittern. Die Pendler werden wöchentlich auf Corona getestet. „Bis jetzt ist alles gut gegangen, wir haben keinen positiven Fall.“

Mit normaler Produktion in Verzug

„Dass uns jetzt vier bis sechs Wochen fehlen, merkt man schon“, sagt der Brennerei-Chef. Mit der Produktion seines eigentlichen Sortiments ist er etwas in Verzug. „Aber darauf waren wir eingestellt.“ Gerade haben Obstbrände und Glühwein Saison. Zudem ergänzt er seine Produktpalette um den Whiskey-Likör „Bairish Coffee“, einer Mischung aus Espressolikör und Single Malt Whiskey. Der Geschäftsführer und sein Team haben gut zu tun.

Wir hatten nicht das Wachstum, dass wir uns für heuer erhofft hatten. Aber das sind Luxusprobleme.

Geschäftsführer Gregor Schraml

Einbußen aufgrund der Coronakrise verzeichnete auch die Steinwald-Brennerei. Bei Kunden aus der Gastronomie „geht momentan gar nichts“. Auch von den abgesagten Weihnachtsmärkten ist die Brennerei betroffen. Die Schausteller bestellen keinen Glühwein. „Das tut ein bissl weh“, sagt der Geschäftsführer. Es dauerte einige Zeit, bis sich das Geschäft wieder erholte, beobachtete Schraml. Seit Juli laufe es wieder mit den Verkäufen im Handel. „Wir hatten nicht das Wachstum, dass wir uns für heuer erhofft hatten. Aber das sind Luxusprobleme.“ Die Brennerei sei mit dem Vertrieb ihrer Produkte breit aufgestellt. „Uns hat es nicht so schlimm getroffen wie die Gastronomie. Trotz der Pandemie haben wir uns tapfer geschlagen“, bilanziert Schraml.

Rückblick zur Produktionsumstellung im Frühjahr 2020

Erbendorf
Die Destillerie der Steinwald-Brennerei Schraml in Erbendorf. Geschäftsführer Gregor Schraml und seine 13 Mitarbeiter stellten einige Monate auf die Produktion von Neutralalkohol um. „Wir mussten anfangs etwas experimentieren. Jetzt wissen wir wies geht“, sagt Schraml.
Gregor Schraml, Geschäftsführer der Steinwald-Brennerei in Erbendorf, ist trotz Einbußen zufrieden: Mit der Herstellung von Neutralalkohol trug sein Betrieb zur Bekämpfung der Corona-Pandemie bei.

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