17.08.2019 - 14:42 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Der Traum vom Trinkwasser

Während seiner Urlaubsvertretung in Erbendorf hält Pfarrer Basil nicht nur Predigten, sondern spricht auch über die Herausforderung, vor der Indien durch fehlendes Trinkwasser steht – und darüber, wie Abhilfe geschaffen werden soll.

Mit Wagen müssen die Menschen in Thimmapatti das Wasser aus dem Nachbarort nach Hause transportieren.
von Redaktion ONETZProfil

Bereits das zweite Mal ist Pfarrer Basil als Urlaubsvertretung für Pfarrer Besold in Erbendorf, zuletzt war er im August 2018 in der Pfarrei. Kürzlich nutzte er bei einem Abendessen des Frauen- und Müttervereins die Gelegenheit, um über die indische Kultur zu sprechen und auf die Trinkwasserknappheit aufmerksam zu machen, die seine Heimat stark belastet. Begonnen wurde der Abend mit einem bayerischen Büfett, das die Mitglieder des Frauen- und Müttervereins zusammengestellt hatten. Als Dessert war neben Käsekuchen und "Weizen-Tiramisu" auch eine indische Nachspeise zu finden, die Pfarrer Basil aus Reismehl, Zucker und Eiweiß zubereitet hatte.

Im anschließenden Vortrag gab der Geistliche den Gästen mit Hilfe einer Diashow zunächst einen Eindruck von der indischen Kultur. Bilder der traditionellen Kleidung, des "geordnet-chaotischen" Straßenverkehrs in den Städten und einiger Sehenswürdigkeiten entlockten den Gästen das ein oder andere Staunen. Auch ein paar Vokabeln in seiner Muttersprache Tamil, die es bereits seit fünf Jahrtausenden gibt, brachte Basil den Anwesenden bei. Möchte man sich etwa auf Tamil bedanken, so sagt man "Nandri".

An allen Ecken und Enden

Als Überleitung zum Schwerpunkt des Abends hatte der Pfarrer eine Landkarte mitgebracht, auf der er den Bundesstaat Tamil Nadu zeigte, aus dem er stammt. Diese Region liegt im Südosten des Landes und ist in 32 Bezirke untergliedert - einer davon ist Ramnad, auch Ramanathapuram genannt. Dort befindet sich der kleine Ort Thimmapatti, Pfarrer Basils Geburtsort. "Die Bewohner des Dorfes sind überwiegend Landarbeiter und Bauern, die auf den Monsun angewiesen sind", erklärt der Geistliche. Da der Monsunregen in den letzten drei Jahren jedoch auf sich warten ließ, herrsche in diesem Teil Indiens eine große Wasserknappheit. Nicht nur an Wasser, das die Landwirte zum Bewässern ihrer Felder benötigen, sondern vor allem an Trinkwasser fehle es den Menschen deshalb.

"Auch die Tiere leiden darunter", fuhr Pfarrer Basil fort. Aus diesem Grund muss das Vieh der Landwirte oft verkauft werden und die Ernten fallen sehr dürftig aus. Die Bewohner können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen und nehmen stattdessen Kurzzeit-Jobs an, die sie nur für jeweils einen Tag bekommen. Normalerweise gewinnt man das Trinkwasser in Thimmapatti aus einem kleinen Teich, der sich vor Ort befindet. Wegen des ausbleibenden Regens sind die Bürger aber gezwungen, mit Wasserwagen zum Nachbardorf zu laufen, um dort Trinkwasser zu kaufen. Die Konkurrenz um das lebensnotwendige Gut ist allerdings groß, nicht immer können alle Wasser erwerben. "Die Menschen können von genügend Trinkwasser momentan nur träumen", sagte der Seelsorger.

Um die Situation zu entschärfen, haben die Bewohner des Dorfes nun ein Projekt gestartet, an dem auch Pfarrer Basil beteiligt ist. Man hat eine Bohrungs-Kommission im Ort gegründet und Geologen zu Rate gezogen. Diese haben geholfen, eine geeignete Stelle zu finden, an der nach Trinkwasser gebohrt werden kann. Dazu waren unter anderem technische Scans notwendig. Weil Thimmapatti in der Nähe des Meeres liegt, kann man nur Salzwasser an die Oberfläche befördern, wenn man nicht tief genug bohrt. Um an trinkbares Süßwasser zu gelangen, müssen die Bohrungen eine Tiefe von 250 Metern erreichen.

Konto eingerichtet

Zur Finanzierung haben die Beteiligten ein gemeinsames Konto für Geldspenden eröffnet. Die Gesamtkosten in Höhe von rund 1,8 Millionen Rupien, umgerechnet etwa knapp 23 000 Euro, sind jedoch erst zu etwa der Hälfte gedeckt. Das Projekt finanziert sich vor allem mit Hilfe der gebildeten Bohrungskommission. Einige Bewohner des Ortes können auch auf die finanzielle Unterstützung von Verwandten im Ausland hoffen. Von der Regierung hingegen dürften die Betroffenen wohl keine Hilfe erwarten, denn diese sei nicht bereit, ausreichend Geld beizusteuern. Als großes Problem in Indien nannte Pfarrer Basil zudem die Korruption. Der Seelsorger hofft dennoch darauf, dass das Projekt durch "gute Teamarbeit" weiter voranschreitet, auch wenn er selbst nur etwa einmal in zwei Jahren die Möglichkeit hat, seine indische Heimat zu besuchen. Seine Familie wohnt ebenfalls nicht mehr in Thimmapatti, sondern zog aufgrund der schlechten Lebensbedingungen in eine größere Stadt in der Region.

In diesem Jahr vertritt er Pfarrer Martin Besold noch bis Ende August in der Pfarrei Erbendorf, bevor er ab September seine neue Stelle in Tegernheim bei Regensburg antritt. Diese nimmt er wahr, während er nebenbei an seiner Doktorarbeit weiter schreibt. Darin beschäftigt er sich damit, wie verschiedene Religionen miteinander leben und voneinander lernen können. Seit September 2015 studiert er am Collegium Canisianum, dem Internationalen Theologischen Kolleg, in Innsbruck.

Die deutsche Sprache hat er innerhalb eines Jahres gelernt und ist immer wieder froh, wenn er mit Menschen aus seinen Pfarreien ins Gespräch kommt und seine Sprachkenntnisse weiter verbessern kann.

Die Menschen können von genügend Trinkwasser momentan nur träumen.

Pfarrer Basil Iruthayasamy

Pfarrer Basil Iruthayasamy

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