21.02.2020 - 10:27 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Über die Kraft der Kräuter

Wie räuchere ich Kräuter richtig? Welche Pflanzen kann ich verwenden? Was bewirken sie? Kräuterführerin Regina Herrmann beantwortete bei einem Räucherkurs in Erbendorf viele Fragen. Auch die Praxis kam nicht zu kurz.

von Alicia FuchsProfil

Wild- und Gartenkräuter sind vielseitig einsetzbar: Zum Verfeinern von Gerichten, für Duftstücke oder als Tinkturen oder Balsam. Doch auch zum Räuchern eignen sich bestimmte Pflanzen. Wie das Räuchern funktioniert und welche Kräuter man wofür verwenden sollte, zeigte Kräuterführerin Regina Herrmann bei einem Räucherkurs von Oberpfalz-Medien in der "Kräuterstubn" in Erbendorf rund einem Dutzend Interessierter.

Der Abend begann mit einer theoretischen Einführung, bei der die Teilnehmer viel über die Geschichte des Räucherns erfuhren: Schon Karl der Große habe mediterrane Kräuter in Klostergärten anbauen lassen. Die heilende Wirkung der Pflanzen beim Verräuchern hätten die Menschen schon früh entdeckt. Anhänger vorchristlicher Religionen hätten jährlich acht Feste gefeiert, die die Christen später übernommen und angepasst hätten. Zur Winter- und Sommersonnenwende und zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr und Herbst, an Lichtmess, Walpurgis, zum Schnitterfest und an Allerseelen sowie zu den Rauhnächten gehörte somit auch das Räuchern zum Programm, so Regina Herrmann.

Diese Zeiten wählten die Menschen aus, weil sie davon ausgegangen seien, dass der "Schleier zur Anderswelt" an diesen Tagen besonders dünn sei, berichtete Herrmann. Zu besonderen Anlässen wie zur Taufe oder Heirat, aber auch in Krankenzimmern oder nach Todesfällen räucherte man früher ebenfalls, erfuhren die Teilnehmer. Während das Räuchern in orientalischen und asiatischen Gebieten heutzutage häufig noch anzutreffen sei, scheine es hierzulande größtenteils in Vergessenheit geraten zu sein. Doch immer mehr Menschen interessierten sich nun wieder verstärkt für das traditionsreiche Räuchern. "Nicht mehr nur zu Festtagen, sondern auch im Alltag schwören viele auf die Kraft der Kräuter. Beim Räuchern geht es nicht darum, ein Ritual zu spielen", erklärte die Kräuterführerin. Vielmehr solle man sich voll und ganz darauf einlassen. Das Räuchern von Kräutern solle reinigen, heilen, schützen oder segnen. Doch nicht jede Pflanze habe die gleiche Wirkung. Wer Ungeziefer und Mücken von sich fern halten möchte, könne zum Beispiel zu Rainfarn greifen. "Allerdings ist dieser leicht giftig und deshalb nicht für Kinder und Schwangere geeignet. Hierbei sollte man auf jeden Fall gut lüften." Kräuter, die antidepressive Wirkungen entfalten könnten, seien Alant, Rosmarin und die Blüte und der Samen der Engelwurz.

Gegen Liebeskummer

Gegen Traurigkeit, Depressionen und Liebeskummer könne man auch Johanniskraut räuchern, erläuterte Regina Herrmann. Schutz-, Segens- und Reinigungs-Räucherungen seien unter anderem mit Beifuß, Fichte, Holunder, Quendel beziehungsweise Thymian, Wacholder oder Ysop möglich. Elektrosmog oder hohe elektromagnetische Spannung, etwa in Computerräumen, könne Johanniskraut oder Königskerze ausgleichen. Um diplomatische Fähigkeiten zu fördern und Gerechtigkeit zu bewirken, empfahl die Kräuterführerin beispielsweise Eisenkraut.

Nachdem die Teilnehmer einen umfangreichen Einblick in die Wirkung der Kräuter bei der Raum- und Personenräucherung bekommen hatten, durften sie das Gelernte unter Anleitung der Kräuterführerin selbst ausprobieren. Alleine und zu zweit versuchten sich die Besucher an Personenräucherungen. Gemeinsam mit der Erbendorfer Expertin bereiteten die Interessierten die Schalen vor und bekamen dabei hilfreiche Hinweise. So sollte man vor dem Räuchern gut darauf achten, nur Pflanzen zu sammeln, die man sicher kennt, denn einige wenige Giftpflanzen könnten eine sehr starke Wirkung entfalten.

Für das Räuchern verwendet man meist eine Räucherschale, in der sich auf Räuchersand eine Selbstzünderkohle befindet. Nach dem Anzünden wartet man, bis die Kohle eine grau-weiße Oberfläche hat und dreht sie dann mit einer Zange oder einem Löffel so, dass die Mulde nach oben zeigt. Auf diese Stelle gibt man eine kleine Menge an Kräutern oder Harzen.

Von den Füßen zum Kopf

Die rauchende Schale führt man anschließend um den Körper herum, wobei man an den Füßen beginnt und sich langsam bis zum Kopf bewegt. "Nach dem Räuchern sollte man unbedingt gründlich durchlüften, damit das Alte das Haus verlassen kann", riet Regina Herrmann. Die Teilnehmer zeigten sich begeistert vom Gelernten und freuten sich, dass sie Unsicherheiten und Fragen dank der Kräuterführerin aus dem Weg räumen konnten. Am Ende des Kurses durften sich alle noch ein eigenes Päckchen mit Kräutern zusammenstellen, um ihr Wissen noch einmal zu Hause anzuwenden.

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