18.02.2020 - 12:07 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Viel Licht und Gold

Einmal einen Blick hinter die Kulissen des neuen Rathaussaals werfen konnten interessierte Bürger beim „Tag der offenen Tür“ in Erbendorf. Bürgermeister Hans Donko freute sich über die große Resonanz.

Der Rathaussaal mit dem großen Deckenfresko aus der Hand von Erwin Otte.
von Jochen NeumannProfil

Knapp drei Jahre dauerte die Sanierung des Rathaussaals. Zwei Stadtratssitzungen wurden im neuen Raum bereits abgehalten. „Die lange Umbauphase hatte ihren Grund“, erklärte Bürgermeister Hans Donko bei der Eröffnung. Denn Feuchtigkeit und Schimmel nagten im Gemäuer hinter der Holzvertäfelung aus den 1960er Jahren. Donko ging auf die Geschichte des Rathauses ein, das in den Jahren 1900/1901 auf dem Brandplatz des sogenannten „Lindner-Stadels“ in der Bräugasse errichtet worden war. „Wo sich heute der Sitzungssaal befindet, befand sich bis 1964 hinter den drei großen Torbögen eine Durchfahrt zum Innenhof, ein Raum für die Feuerwehr sowie einer für den Bauhof.“

Mit dem Umbau des Rathauses 1964 erfolgte nach seinen Worten hinter den drei neugotischen Torbögen der Einbau des bisherigen Sitzungssaals. Nachdem die Holzvertäfelung entfernt und der Putz heruntergeschlagen worden war, kam an der Ostseite des Saals zum Verkehrsamt hin eine alte Ziegelmauer zum Vorschein. „Die galt es, zu erhalten“, sagte Donko. Die Bauarbeiter entdeckten dabei auch eine Tür mit Rundbogen, die wieder freigelegt wurden.

„Zusammen mit dem Künstler Erwin Otte wurde über die Neueinrichtung nachgedacht“, führte der Bürgermeister weiter aus. Dabei galt im Kern, die alte Ziegelmauer mit dem Torbogen zu erhalten und in das neue Erscheinungsbild zu integrieren. „Sie wurde renoviert und bildet nun, zusammen mit dem goldenen Wappentier, einen wunderbaren Kontrast zu den weißen Wänden des Saals.“

„Für mich war es eine interessante Aufgabe und Herausforderung, für diesen Saal ein gesamtes Raum- und Lichtkonzept zu entwickeln“, erzählte der Reuther Künstler Erwin Otte. Der Kulturpreisträger der Oberpfalz, der 2016 auch den Glasstraßenpreis erhielt, freute sich, dieses Projekt übernehmen zu dürfen.

Die alte Ziegelmauer nahm Otte gleich in sein Raumkonzept mit auf. „Sie schafft eine Verbindung von der Historie des Gebäudes zur zukunftsorientierten Gestaltung.“ Seine Idee zur Darstellung des Wappentiers der Stadt, dem Adler, arbeitete er aus heimischer Linde heraus. „Er dominiert in Augenhöhe positioniert vor der rötlichen Ziegelwand“, erklärte der Künstler. „Durch die Vergoldung wirkt der Adler spürbar kraftvoll und positiv inspirierend in den Raum hinein.“

Von Otte stammt auch das Deckenbild mit Abbildungen aus der Stadt und den Ortsteilen. „In seiner Farbigkeit steht dieses Bild im Dialog zum Naturpark Steinwald“, sagte der Künstler. Die prägenden weißschattierten Wand- und Deckenflächen schaffen demnach eine neutrale Raumwirkung.

Otte zeichnet auch für die Bürgermeister-Portraits im Sitzungssaal verantwortlich, die er künstlerisch gestaltete. Sie zeigen die bisherigen Bürgermeister seit 1945 mit Karl Baier (1945/46), August Trötsch (1946-1948), Andreas Liedl (1948-1954), Heinrich Tretter (1955-1958), Fritz Hamm (1958-1961), Richard Kammerer (1961-1978) und Rudolf Trastl (1978-1996).

Bürgermeister Donko ging auch auf die Technik des Saals ein. So sorgt eine integrierte, regulierbare LED-Technik für die jeweils gewünschte Lichtstimmung. Für die richtige Temperierung wurde auch eine Klimaanlage eingebaut. Modernste Medientechnik ist mit Mikrophonen und Lautsprechern sowie Beamer und versenkbarer Leinwand gegeben.

„Alles in allem ist der neue Rathaussaal vollends gelungen“, resümierte der Rathauschef. Die Kosten für die Sanierung und sämtliche Einbauten bezifferte er auf 250.000 Euro.

Bürgermeister Hans Donko (rechts) ist stolz auf den neuen Rathaussaal. Der Reuther Künstler Erwin Otte (links) setzte gestalterische Akzente.
In einer Galerie setzte Erwin Otte die Erbendorfer Bürgermeister seit 1945 künstlerisch in Szene.
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