30.03.2021 - 08:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Viele Manager denken: "Es muss was anders werden!"

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Der Oberpfälzer Management-Berater Walter Nelhiebel begleitet Unternehmen in Veränderungsprozessen und kommt zu interessanten Schlüssen.

Organisationsentwicklung ist das große Thema des Erbendorfer Beraters Walter Nelhiebel: "Veränderungsprozesse können auch betriebliche Neueinsteiger unmittelbar betreffen.
von Reiner Wittmann Kontakt Profil

ONETZ: Herr Nelhiebel, Sie beraten Organisationen, die sich in "Veränderungsprozessen" befinden. Was macht man da so?

Walter Nelhiebel: Am Anfang steht die Frage: Warum wendet man sich an uns? Meistens ist es so, dass man in der Organisation das Gefühl hat, es müsse was anders werden, aber nicht genau weiß, was und wie man das angehen könnte. Es kommt aber auch vor, dass man zwar weiß, was sich ändern soll, aber Scheu vor der Reaktion der Mitarbeitenden hat. Bei Veränderungen geht es stets um Zukunftsgestaltung. Die Menschen, die in einer Organisation arbeiten, müssen letztlich selbst und gemeinsam Antworten auf die Frage nach einer wünschenswerten Zukunft finden. Als Berater bin ich Begleiter dieses Prozesses. Wir arbeiten hier viel mit Workshops, stellen innerbetriebliche Projektteams auf und leiten diese. Bei deren Zusammensetzung gilt es, alle „Stakeholder“ einzubinden, und zwar über alle Führungsebenen.

ONETZ: Wenn es um Veränderung geht, geht es auch um divergierende Meinungen und Verhaltensmuster. Das kann zu Konflikten führen. Beobachten Sie das in Ihrem Berater-Alltag?

Walter Nelhiebel: Na klar. Wenn es nicht so wäre, bräuchte man mich gar nicht. Mein Job ist es, bei allen Beteiligten Verständnis für die Belange des anderen zu schaffen. Da muss alles muss zum Thema gemacht werden, denn nur mit Offenheit findet man am Ende eine tragbare Lösung für alle Mitarbeiter. Interessanterweise stellen wir oft fest, dass das Problem weniger auf der Mitarbeiterseite liegt, sondern eher bei den Führungskräften.

ONETZ: "Veränderung" steht mithin als Euphemismus für neue Strukturen, Anpassung an digitale Systeme und "Leistungsverdichtung".

Walter Nelhiebel: Veränderung heißt, dass die Dinge anders ablaufen sollen. Das ist nicht gleichzusetzen mit Leistungsverdichtung. Am Ende sollen die Mitarbeitenden mehr Zeit für ihre Kernaufgaben haben. Klar, viele sind verunsichert und haben Angst, das Neue nicht meistern zu können. Deswegen ist Transparenz oberstes Gebot: Die Mitarbeitenden müssen rechtzeitig vorbereitet und geschult werden. Bei Führungskräften ist der Arbeitstag aber immer zu kurz. Damit das nicht zum „Burn-out“ führt, müssen sie priorisieren, so dass am Ende des Tages noch Zeit bleibt, mit gutem Gewissen aufs Mountainbike zu steigen. Das kann man lernen.

ONETZ: Was können "Veränderungsprozesse" für Job-Bewerber bedeuten?

Walter Nelhiebel: Beim Stellenantritt ist die Situation aufgrund der Veränderungen vielleicht schon eine ganz andere, als zum Bewerbungsgespräch. Gerade wenn längere Zeiträume dazwischen liegen, sollte man daher zum künftigen Chef Kontakt halten. Das geht auch ohne zu nerven. Offene Fragen, wie „Gibt es Neues, worauf ich mich einstellen muss?“, zeigen ja auch, dass man engagiert ist. Formal gilt natürlich der Arbeitsvertrag, tatsächlich kann sich aber zum Beispiel organisatorisch einiges verändern. Das kann sich sogar als sehr positiv für den Neueinsteiger erweisen. Veränderung bedeutet schließlich immer, dass man sich einbringen kann.

ONETZ: Wie erkennen Organisationen, ob der Bewerber geeignet ist, die gewünschte Dynamik voranzutreiben?

Walter Nelhiebel: Das merkt man im Einstellungsgespräch ziemlich schnell. Es ist immer positiv, wenn die Person schon Projekterfahrung mitbringt. Auch Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf neue Situationen einzustellen, sollten erkennbar sein. Was sagt die Bewerberin oder der Bewerber über Vorerfahrungen oder zum Wechselgrund. Ist der Bewerber offen? Oder eher verdruckst? Auch außerberufliches Engagement spielt eine Rolle. Das zeigt: Der ist wach, nimmt die Dinge in die Hand.

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Auch Corona „verändert“

Auch äußere Einflüsse, wie die Corona-Epidemie, verändern Organisationen. Zoom und Co. haben in vielen Betrieben die persönliche Besprechung zumindest zeitweilig ersetzt. Werden Home-Office und mobiles Arbeiten den klassischen Büroarbeitsplatz ablösen?

„Eine Blitzumfrage des BDU (Unternehmensverband Deutscher Unternehmensberater; Anm. d. Red.), in dem ich Mitglied bin, lässt vermuten, dass es in vielen Betrieben künftig auf eine hybride Lösung herauslaufen wird, also auf eine Mischung aus mobilem Arbeiten und Präsenz in der Firma“, sagt Berater Nelhiebel. Die Corona-Erfahrung habe gezeigt, dass man die Menschen im Home-Office nicht allein lassen dürfe.

„In vielen Fällen scheint es ganz gut zu gelingen, sich im Home-Office auszutauschen und den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen zu halten. Das geht bis zum gemeinsamen Kaffee trinken am Bildschirm“, beobachtet Nelhiebel. Wo der Kontakt hingegen abreiße, wirke sich das häufig negativ aus. Außerdem: „Oft hat man den Eindruck, dass die Agenda am Bildschirm schneller abgearbeitet würde, nur um dann festzustellen, dass die erzielten Ergebnisse nicht so nachhaltig sind wie erhofft“, schildert der Berater persönliche Eindrücke.

Walter Nelhiebel im Coaching-Gespräch.
Info:

Zur Person

  • Walter Nelhiebel (62) ist Gründer und Geschäftsführer der „ESPI Consulting GmbH“, einem Verbund von Unternehmensberatern, mit Sitz in Erbendorf (Kreis Tirschenreuth). Als Coach und Management-Berater begleitet Nelhiebel „Veränderungsprozesse“ in Betrieben, öffentlichen Einrichtungen und anderen „Organisationen“.
  • „Profit, People, Planet: Diese drei Begriffe bringen mein Credo auf einen einfachen Nenner“, sagt er. „Ein Beratungsprojekt ist für den Auftraggeber eine Investition in die Zukunft und muss sich wirtschaftlich lohnen. Es muss zur Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter beitragen - und es muss nachhaltig sein und eine Perspektive für das Gemeinwohl eröffnen.“
  • Zu den Kunden der „ESPI Consulting GmbH“ zählen neben vielen Mittelständlern Konzerne wie die Volkswagen AG und der Pharma-Riese Novartis.
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