27.10.2020 - 00:42 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Manager und Corona: Sympathie, Nähe und Vertrauen

In vielen Betrieben hat Corona den Umgang der Menschen untereinander verändert. Wie reagieren Manager und Firmen auf das Virus? Und wie können sie sich richtig verhalten?

Der richtige Umgang miteinander spielt auch in Unternehmen eine entscheidende Rolle.
von Alexander Rädle Kontakt Profil

Professor Bernt Mayer gibt Tipps, wie Manager ihre Mitarbeiter optimal durch führen. Aus der Not eine Tugend machen, aus Krisen gestärkt hervorgehen, das ist derzeit Maxime in vielen Betrieben. Im betrieblichen Umgang miteinander und in den Arbeitsweisen hat Covid-19 schon deutliche Spuren hinterlassen. "Positiv ist, dass sich Führungskräfte und Mitarbeiter stärker auf das Wesentliche fokussieren", hat Dekan Professor Bernt Mayer von der Weiden Business School beobachtet. So laufen Meetings deutlich konzentrierter ab. Covid-19 habe Veränderungen erzwungen und beschleunigt - das habe häufig sehr gut funktioniert. Aber nicht wegen, "sondern trotz der Führungskräfte". Home-Office betrachtet Mayer eher kritisch. "Menschen brauchen als soziale Wesen Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Zusammenseins in betrieblichen Gruppen. Sie gehen auch in die Arbeit, weil sie andere Menschen treffen und weil sie mit ihnen reden können", betont der Wirtschaftspsychologe. Zu viel Home-Office verhindere auch Innovation. "Sie ergibt sich immer aus der Zusammenarbeit von Menschen. Die Edisons, die alleine im stillen Kämmerlein geniale Ideen haben, sind die Ausnahme." Und auch Karrieren entstehen nicht am Schreibtisch daheim: "Da braucht man ein Netzwerk, da muss man gesehen werden." Mayer hofft deshalb, dass zwar gute Dinge aus dem Home-Office beibehalten werden, aber nicht übertrieben werde, um Kosten und Investitionen für Infrastruktur zu sparen.

Professor Mayer über Empathie und wertschätzende Führung

Weiden in der Oberpfalz

Wie sollten Betriebe aus kommunikativer und psychologischer Sicht mit dem Phänomen Corona umgehen?

  • Routinen schaffen ("Struktur des Tages"): Zum Beispiel: Jeden Mittwoch-Nachmittag 2 Stunden Corona-Sitzung. "Die Leute brauchen das."
  • Führungskräfte müssen ihre Kommunikationsaufgabe noch deutlich stärker ausüben, da Kommunikation viel mit Anerkennung und Wertschätzung zu tun habe. "Dies unterschätzen gerade deutsche Führungskräfte sehr gerne, da sie sich oft zu sehr auf technische und fachliche Inhalte fokussieren."
  • Verständnis, dass Corona Unsicherheit bedeutet. Unsicherheit kann laut Mayer schnell in Angst übergehen. Angst aber lähme. Wenn Mitarbeiter versuchten, nur ja keine Fehler zu machen, führe das erst recht zu Fehlern. "Aufgabe der Führungskräfte ist es, die Angst der Mitarbeiter mit konkreten gemeinsamen Aktivitäten abzubauen, die Mitarbeiter also noch viel stärker in Informations- und Entscheidungsprozesse einzubinden und mitwirken zu lassen." Führungskräfte müssten lernen, mit der Angst umzugehen.
  • Auch negative Informationen sollten Führungskräfte weitergeben. "Ein Mitarbeiter, der informiert ist, fühlt sich wertgeschätzt. Der wird auch noch mehr geben." Das bedeute jedoch nicht, dass die Führungskraft um Zustimmung bitten müsse. Es reiche, Entscheidungen zu begründen. "Die Menschen müssen den Eindruck haben: Sie informieren mich seriös." Dabei seien zwei Dinge entscheidend: Sympathie und Nähe.
Professor Bernt Mayer.

 

 

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