23.05.2019 - 08:00 Uhr
ErbendorfOberpfalz

"Nicht die Ware zählt, sondern das Erlebnis"

Erfolgreiche Einzelhandels-Ideen sind im Steinwald keine Mangelware: Das Erbendorfer Unternehmen "Panzer Shopkonzept" realisiert im deutschsprachigen Raum bis zu zehn Läden pro Woche.

Im firmeneigenen Präsentationsraum bekommt der Besucher einen Eindruck davon, wie moderne Ladenkonzepte aussehen können: Unternehmer Josef Kürner mit seiner Tochter Sabine.
von Siegfried BühnerProfil

„Wir eröffnen pro Woche in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwischen sechs und zehn Shops“, erzählt Josef Kürner, Geschäftsführer der Erbendorfer "Panzer Shopkonzept GmbH & Co KG". Zu seinen Kunden gehören fast alle bekannten Filialisten, vorrangig aus den Bereichen Touristik, Unterhaltungselektronik, Wäsche, Babyausstattung und Spielwaren. „XXXLutz ist derzeit unser größter Kunde, mit jährlich rund zehn neuen Häusern“, sagt Kürner.

"Panzer Shopkonzept" bietet Lösungen für den kompletten Prozess von Beratung und Konzepterstellung über Produktion und Montage bis hin zur schlüsselfertigen Eröffnung. Erbendorf ist Hauptstandort der Einzelhandelsspezialisten, daneben gibt es noch eine Niederlassung in Arlesheim in der Schweiz. Rund 150 Menschen arbeiten für Kürner, darunter alleine acht Innenarchitekten und über achtzig Schreiner. Was sie bewerkstelligen, umschreibt der Geschäftsführer mit einem Satz: „Wir bauen Showrooms, in denen nicht die Ware dominiert, sondern das Erlebnis.“

Gefragter Experte

Längst hat sich Kürner zum Experten für "Verkaufsprozesse im Einzelhandel" entwickelt und ist unter anderem auch an der OTH Amberg-Weiden ein gefragter Experte. Die Entwicklung seines Unternehmens sieht er als Spiegelbild für die Veränderungen im Einzelhandel an sich: „Der Handel durchlebt schwere Zeiten, nicht nur wegen des weiter wachsenden Online-Handels“, stellt Kürner fest. Die Menschen würden immer mehr Geld für Freizeit und Reisen ausgeben „und die Schränke der Kunden sind doch längst übervoll“. Außerdem beobachtet er: "Inhabergeführte Händler gibt es immer weniger, wir arbeiten zu 90 Prozent für Filialisten“. Kürner sieht für den stationären Handel trotzdem eine Zukunft: „Die Entwicklung ist offen!“ Es gebe immer Menschen, die Ware erleben und fühlen wollen, „aber anders als früher“. Darum glaubt Kürner fest „an die Chance des stationären Handels.“

Kunde tickt anders

Allerdings denke der Kunde heutzutage „Omni-Channel“, also an alle Verkaufskanäle. Darauf müsse ein erfolgreiches Verkaufskonzept ausgerichtet sein. "Deswegen tauchen auch immer mehr digitale Medien in den Shop-Konzepten auf." Auch die Kundenbewirtung werde zusehends bedeutsamer. „Früher waren es Regale, heute sind es Verkaufsbars und ,Lounges', die wir aufstellen“, beobachtet Kürner. Für jeden Kunden wird dabei ein individuelles Konzept entwickelt. Wichtig sei vor allem die Frage: „Welches Produkt, für welche Zielrichtung?“. Shop-Konzepte für hochpreisige Produkte seien ganz anders zu sehen, als solche für preiswertere Ware, betont der Experte. „Im Fachmarkt herrscht die Botschaft Preis.“

"Kundenführung, Beleuchtung und Einrichtung bis hin zu Boden, Decke, Fassade, alles muss konzeptionell bedacht werden." Einen Psychologen beschäftigt das Unternehmen zwar nicht, "aber mit Verkaufspsychologie hat ein Shop-Konzept schon sehr viel zu tun", betont Kürner und nennt ein Beispiel: "Ware für Spontankäufe muss immer im vorderen, für gezielte Käufe im hinteren Ladenbereich platziert werden." So werde der Kunde geführt.

"Die Planung eines Ladens nimmt die meiste Zeit in Anspruch", erzählt Kürner aus dem Tagesgeschäft. "Für jede Branche gibt es im Unternehmen Experten." Geplant wird zunächst dreidimensional. Hergestellt wird die komplette Ausstattung dann in den Erbendorfer Unternehmens-Werkstätten. Ein erfahrenes Außenteam stellt die Einrichtung schließlich beim Kunden auf. Doch „auch im Nachgang bieten wir dem Kunden natürlich unseren Service an“, ergänzt Kürner.

Auf einen Blick

Unternehmer Josef Kürner zählt seinen Betrieb zu den „Top Ten“ in Deutschland. 12000 Quadratmeter Verwaltungs-, Produktions-, und Logistikfläche zeigen die Dimensionen auf. ("Geheizt wird bei uns übrigens umweltfreundlich", streut Kürner beim Unternehmensrundgang ein, "mit Produktionsresten".) Im Jahre 1960 gründete Schreinermeister, Innenarchitekt und Namensgeber Johann Panzer den Betrieb als Planungsbüro. Bis zum Jahre 2000 ging es ausschließlich um die Produktion der Ladeneinrichtung, heute verstehen sich die Erbendorfer als „Generalunternehmer“.

Vollautomatisierte Produktionsanlagen Anlagen ordnen den Aufträgen das korrekte Material zu. Viel wichtiger jedoch sind kreative Köpfe: Rund 150 Menschen arbeiten für das Erbendorfer Unternehmen.
Im Konstruktionsbüro: Josef Kürner (stehend), zusammen mit Ehefrau Monika und Tochter Sabine, die beide im Betrieb mitarbeiten.

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