27.03.2019 - 17:42 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Wasserversorger gut aufgestellt

Der vergangene Sommer hat vielen gezeigt, wie wichtig der einfache Zugang zu sauberem Trinkwasser ist - auch in der Region. Weltweit gibt es allerdings über zwei Milliarden Menschen, denen dieses wichtige Gut nicht zur Verfügung steht.

Sauberes Trinkwasser für kommende Generationen zu bewahren, ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.
von PMLProfil

Diesen Freitag ist Weltwassertag. Pünktlich dazu haben die Vereinten Nationen den Weltwasserbericht 2019 veröffentlicht. Dieser weist, im Gegensatz zu großen Teilen der Erde, für Europa eine sehr gute Versorgung der Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser aus. Allerdings wird auch für Deutschland vor den Folgen der Klimaerwärmung gewarnt.

Der vergangene Sommer hat auch in der nördlichen Oberpfalz verdeutlicht, was die Zukunft bringen kann, sollten sich lange Trockenperioden häufen. Die Gemeinden und Wasserzweckverbände in der Region vermelden bislang jedoch eines: Sie liefern sehr sauberes Wasser in bester Qualität. Auch der trockene Sommer konnte weitestgehend ohne große Probleme überstanden werden.

Manfred Plannerer berichtet, dass die vier Tiefbrunnen für Kemnath und die umliegenden Ortsteile ausreichend Wasser in ausgezeichneter Qualität liefern. In den vergangenen zehn Jahren seien über 2,3 Millionen Euro in die Wassergewinnung und Aufbereitung geflossen. "Und wir investieren auch laufend weiter. Wir sind auf dem neuesten Stand der Technik." Trinkwasser sei das wichtigste Grundnahrungsmittel, dessen "Qualität wir laufend kontrollieren", betont der Wasserwerksleiter der Stadt Kemnath.

Die Trockenperiode sei ohne große Probleme überstanden worden. Die Tiefbrunnen, die Wasser aus 160 bis 180 Metern Tiefe fördern, reagierten nicht so stark auf solche Phasen wie oberflächennahe Quellen. Auch gebe es keine Probleme mit Nitrat, "aber die natürlichen Ressourcen muss man schützen. Grundwasser hat ein langes Gedächtnis", erklärt Plannerer. Heute seien noch Substanzen nachweisbar, die seit über 20 Jahren verboten sind. Beim Verbraucher komme davon dank Filteranlage und Kontrollen nichts an, versichert er. Der Stadt sei es wichtig, Wasser mit sehr guter Qualität zu einem bezahlbaren Preis zur Verfügung zu stellen.

Erbendorf hatte dagegen etwas stärker mit dem Regenmangel zu kämpfen. Die Stadt bezieht das Nass aus fünf Quellen. Dort sei die Wassermenge bis zum vergangenen Herbst sehr deutlich zurückgegangen, weiß Wasserwart Josef Liedl. "Und es hat auch bis jetzt in den März gedauert, bis das Quellwasser wieder ausreichend da war." Ist dies nicht der Fall, springt die Steinwaldgruppe ein. Die Qualität des eigenen Quellwassers sei ausgezeichnet. "Wir besitzen den Wald, in dem die Quellen liegen", erläutert Liedl. Entsprechend niedrig sei der Nitrateintrag: "Wir liegen immer unter 10 Milligramm auf den Liter und damit weit entfernt vom Grenzwert von 50."

Der Wasserzweckverband Oberes Fichtelnaabtal der Gemeinden Brand, Ebnath, Fichtelberg, Mehlmeisel, Waldershof und Neusorg betreibt drei Tiefbrunnen. Es sei langfristig für ausreichende Wassermengen gesorgt, ist sich Geschäftsführer Helmut Graf sicher: "Derzeit können wir alles liefern, was an Wasser benötigt wird." Dessen Qualität sei einwandfrei, Nitrat im Grundwasser spiele keine Rolle. "Und auch bakteriologisch bewegen wir uns immer im Nullbereich", ergänzt Zweckverbandsvorsitzender Peter König. "Uns ist es ganz wichtig, dass wir unseren Abnehmern immer naturbelassenes, reines Trinkwasser liefern können - ohne chemische Zusätze oder eine weitere Klärung", betont der Neusorger Bürgermeister.

Dessen Gemeinde betreibt zudem zwei eigene Tiefbrunnen und vier oberflächennahe Quellen. Auch bei diesen liege Nitrat deutlich unter zehn Milligramm je Liter. Die Quellen in einem Waldgebiet hätten im Sommer und Herbst 2018 ebenfalls deutlich weniger Wasser geliefert, erinnert sich König. Durch die Kombination mit den beiden Tiefbrunnen sei die Gemeinde gerade noch über die Runden gekommen. Bei mehreren trockenen Jahren aufeinander "haben wir eine Notverbundleitung zum Wasserzweckverband. Da brauchen wir nur einen Schieber umzulegen". Die weitere Entwicklung beobachte die Kommune genau: "Uns beunruhigt es schon, dass sich der Klimawandel scheinbar schon so deutlich bemerkbar macht."

Einer der größten Trinkwasserlieferanten der nördlichen Oberpfalz ist die Steinwaldgruppe mit Sitz in Neustadt/WN. Mehr als 30 Gemeinden - auch im Bereich Erbendorf - werden aus 12 Tiefbrunnen beliefert. Den Großteil des laut Geschäftsführer Bernhard Eigner "hervorragenden" Trinkwassers liefern zehn Tiefbrunnen in Oed bei Parkstein. Allerdings zeigten sich auch hier die Folgen des vergangenen Jahres: zum einen durch einen deutlich höheren Wasserbedarf, der sich erst im März wieder normalisiert habe, zum anderen sei ein langsames Absinken des Grundwasserspiegels erkennbar.

"Nitrat ist für uns kein Problem. Es ist fast nicht nachweisbar. Unser Wasser wird aber durch einen Mehrschichtfilter aufbereitet, der das enthaltene Eisen und Mangan vollständig herausfiltert." Dabei werde jedoch nicht mit Chemikalien, sondern mit Filterkies gearbeitet.

Für die Zukunft sehen alle Verantwortlichen ähnliche Herausforderungen: Ressourcen schützen, Schadstoffeinträge verhindern und so die Wasserqualität für folgende Generationen sichern. Ein nachhaltiger Umgang mit dem Lebensmittel Wasser und ein verantwortungsvoller Einsatz von Dünge- und Arzneimitteln seien wichtig - und ein Bewusstsein dafür, wie viel Aufwand betrieben werden müsse, um jedem überall und jederzeit genügend sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Hintergrund:

Die Wasserqualität ist bei allen Versorgern hervorragend – dies gewährleistet die Trinkwasserverordnung, die Grenzwerte für eine große Zahl an Faktoren vorschreibt. Die meisten Brunnen und Quellen in der Region liefern schon von Natur aus eine sehr gute Wasserqualität. Allerdings ist oft der PH-Wert zu niedrig – das Wasser ist zu weich und zu sauer. In Erbendorf liege der Wert beispielsweise bei sechs. „Gefordert sind mindestens 7,7“, erklärt Wasserwart Josef Liedl. Den Grund, warum ein höherer PH-Wert nötig sei, erläutert Bernhard Eigner von der Steinwaldgruppe: „Zu weiches Wasser ist nicht gut für die Leitungen. Der Kalk, der dem Wasser so zugeführt wird, schützt die Rohrleitungen.“ Darüber hinaus führe Wasser, wenn es nicht so sauer ist, zu weniger Korrosion im Leitungsnetz.

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