08.11.2018 - 10:57 Uhr
Oberpfalz

Erinnerung an das ewige Leben

"Ewigkeitssonntag" wird der Totensonntag auch genannt. Der Gedenktag geht auf die Reformationszeit zurück. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. bestimmt ihn per Verordnung im Jahr 1816.

Die Darstellung der klugen und törichten Jungfrauen an und in Kirchen war – wie hier in Magdeburg – ein beliebtes Motiv für Künstler.

Ewigkeits-, Toten- oder Christkönigsonntag - drei Begriffe, die alle in etwa das Gleiche bedeuten. Was in der Tradition der katholischen Kirche Allerheiligen und Allerseelen sind, ist für die evangelische Kirche das Totengedenken am kalendarischen Totensonntag. Eigentlich trägt er die kirchliche Bezeichnung "Ewigkeitssonntag". Der Gedenktag geht auf die Reformationszeit zurück. Neben dem Totengedenken wird in vielen Gottesdiensten auch zu einem bewussteren Umgang mit der Lebenszeit ermutigt. Mit dem Ewigkeitssonntag endet das Kirchenjahr.

Allmacht Gottes

In der römisch-katholischen Kirche wird dieser Sonntag seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als Christkönigssonntag begangen. Das Fest betont die Königsherrschaft Christi in Ewigkeit und weist insofern Parallelen zum Ewigkeitssonntag auf. Am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, erinnern sich Christen an die Verstorbenen und an das ewige Leben, in das diese eingegangen sind. Die Botschaft lautet: Alle Zeit liegt in Gottes Hand. Die Bibel verweist auf den Begriff Ewigkeit für die alle Zeiten umfassende Allmacht Gottes. Während die Schöpfung und der Mensch der Endlichkeit unterliegen, regiert Gott "von Ewigkeit zu Ewigkeit".

Der Gedenktag beider christlichen Kirchen ist der letzte Sonntag vor dem ersten Adventssonntag und damit der letzte Sonntag des Kirchenjahres. Er kann - aufgrund der fest stehenden Lage des vierten Adventssonntages vor dem 25. Dezember - nur auf Termine vom 20. bis zum 26. November fallen. Seit der Entwicklung des Kirchenjahres im Mittelalter werden mit den letzten Sonntagen des Kirchenjahres liturgische Lesungen und Predigten zu den letzten Dingen des Menschen verbunden. Während am drittletzten Sonntag das Thema "Tod" im Mittelpunkt steht, sind nun die Themen "Jüngstes Gericht" und "ewiges Leben" Schwerpunkt aller Betrachtungen. Das letzte Sonntagsevangelium des alten Kirchenjahres von den klugen und törichten Jungfrauen - Matthäus 25 - hat Tradition, ebenso die Erwartung des "Jüngsten Gerichts". Der Choral "Wachet auf, ruft uns eine Stimme" findet darin seine Grundlage, ebenso die gleichnamige Bach-Kantate.

Herrlichkeit in Ewigkeit

Wenn es am Ende des Vaterunsers heißt: "Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit", so ist dieser Schlusssatz des Gebetes umstritten, zumindest, was seinen Ursprung von Jesus betrifft. Die Gründe: In den ältesten Handschriften der Bibel fehlt der formelhaft klingende Gebetsschluss mit dem Hinweis auf die Ewigkeit. In der Tat klingt es wie eine folgerichtige Zusammenfassung des vorher Gesagten: "... dass Gott uns das tägliche Brot gebe, die Schuld vergebe und vom Bösen erlöse."

Für die evangelische Kirche in den preußischen Gebieten jeweils am letzten Sonntag des Kirchenjahres zum "allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen", und damit als "Totensonntag", zeichnet der preußische König Friedrich Wilhelm III. verantwortlich. Er bestimmte den Gedenktag per Verordnung vom 25. November 1816. Die Gründe dafür liegen im Gedenken an die vielen Gefallenen der Befreiungskriege von 1813 bis 1815 und der Trauer um die 1810 verstorbene Königin Luise. Hinzu kam die Tatsache, dass es im evangelischen Kirchenjahr keinerlei offizielles Totengedenken gab. Es war die aufkommende Zeit der Romantik, die sich wie eine Welle durch Europa verbreitete. So konnte die emotionale Empfindsamkeit durch das Gedenken an die Verstorbenen verstärkt positioniert werden. Die anderen evangelischen Landeskirchen schlossen sich schnell dieser Bestimmung an.

Verlesen der Verstorbenen

Das konkrete Totengedenken bleibt im Gegensatz zum Allerheiligen-Brauchtum der katholischen Kirche mit Gräbergang, in vielen Landeskirchen der Entscheidung der Kirchengemeinde überlassen. Zumindest mit dem Verlesen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres wird ihrer in den Gottesdiensten gedacht. Es gibt auch Gemeinden in denen die Angehörigen der Verstorbenen eigens zu Gottesdiensten auf den Friedhöfen eingeladen sind. Natürlich werden auch die Gräber mit Gestecken oder Blumen geschmückt. (cr)

Hintergrund:

Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, die klugen aber nahmen außer den Lampen noch Öl in Krügen mit. Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. Mitten in der Nacht aber hörte man plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam; die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

(Matthäus 25,1–13)

Der berühmte Totentanz in der Friedhofkirche in Wondreb beeindruckt mit markanten Bildern und erinnert an die Vergänglichkeit.
In der Pfarrkirche Wondreb wird mit einem Altarbild an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges gedacht.
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