18.12.2019 - 13:49 Uhr
Oberpfalz

Erste Ausfahrt mit dem neuen VW Golf

Beim Golf ist es wie beim Fußball: Da kann jeder mitreden. Kaum jemand, der in den letzten viereinhalb Dekaden nicht diese Auto fuhr. Jeder hat seine eigene Geschichte. Wir erzählen die jüngste.

von Michael Ascherl Kontakt Profil

Die handelt nämlich davon, wie der Golf Nummer 8 fährt. Zur Einstimmung aber eine kleine Zeitreise. Wir setzen uns ans Steuer des Ur-Vaters, eines Golf I aus den 70er Jahren. Der einfache Schlüssel dreht sich im Schloss, willig springt das 50 PS-Motörchen an; den Choke braucht es heute gar nicht. Alles plötzlich wieder so vertraut hier: Der runde Tacho im eckigen Gehäuse, der schlichte Blinkerhebel, das Blaupunkt-Radio. Heizung geht so: Blau ganz links ist kalt, rot ganz rechts ist warm. Ein Schieberegler macht diesen Job. Denglisch: Slider - und den finden wir modern interpretiert auch wieder im Golf 8. Jetzt mal aber los. Der Alte wiegt nur 750 Kilo und deshalb genügen ihm die aus heutiger Sicht mageren 50 Pferdestärken, um den ersten Berg hochzusprinten. Anfahren mit Handbremse an der Steigung - das verlernt man auch nach Jahren der Hillholderei nicht. Kupplung kommen lassen, bis sich der Vorderwagen hebt, Handbremse vorsichtig lösen, mehr Gas und los geht es. Kaum Gewicht auf der Vorderachse, so vermissen wir auch die Servolenkung nicht.

Wie der riecht: Ein wenig nach Sprit und Abgasen, nach Politur und Weichmacher. So wie alle Autos damals rochen, ehe die Duftdesigner ihre Nasen - gottlob - in die Innenräume steckten.

Der 1er ist noch rüstig

Erstaunlich frisch und unproblematisch geht der 1er Golf ans Werk, wirft sich wacker um die Kurven, hält stur die Spur. Die Pedalerie verlangt nicht nach dicken Waden, der Blick nach draußen ist grandios, der nach innen mit Erinnerungen angefüllt. Schweigen wir und kommen wir zum Urenkel.

Was kann der besser? Natürlich alles und auch so viel mehr als der direkte Vorgänger. Volkswagen stellt zwar die digitale Revolution in den Vordergrund der Kampagne, dabei überzeugt der 8er gerade beim Fahren.

Sicher ist der Fahrer mutig

Wir sind im Tal des Duoro, und dort gibt es viele Kurven, zwischen die die Zeit wechselnde Oberflächenbeläge und Schlaglöcher gelegt hat. Schon mit dem Standard-Fahrwerk pflügt der neue Golf da durch, als wären die Grobheiten nicht da. Das griffige Volant vermittelt direkten Kontakt zu den Rädern, der Musterknabe folgt den Befehlen sofort und direkt. Du wirst mutig, gehst die Kurven flotter an, wartest auf ein Unter-oder Übersteuern. Es kommt nicht. Der Golf kann immer schneller als der Mut des Fahrers, der Grenzbereich ist weit-weit draußen. Und erreichst du ihn, dann holen dich die Assistenten souverän zurück. Könnte er, so würde der Golf 8 jetzt wohl gnädig mahnend den Kopf schütteln und väterlich-vergebend schmunzeln.

Das ist eine Maschine und kein Mensch, und als solche braucht sie einen Antrieb. Wir haben den 150-PS-Diesel, einen 130-PS-Benziner und den eTSI mit 150 PS probiert. Letzterer holt sich dank eines 48-Volt-Generators zusätzlichen Boost beim Anfahren und Beschleunigen, was Sprit spart und Fahrfreude erhöht. Am meisten aber überzeugt hier der Selbstzünder. Er läuft extrem leise, reinigt mit Ad-Blue und gleich zwei Katalysatoren die Abgase und ist mit Schmitts Katze eng verwandt. Reichweitenstark und sauber und doch ein Technik-Dino? Man mag es nicht glauben.

"Hallo Volkswagen" lautet der Code, der die Sprachassistenz aus dem Schlaf holt. Naivikommandos, Heizungswünsche, Internet-Radio? Aber gerne! Es gibt aber keinen klassischen Drehschalter fürs Licht mehr, und auch keine Knöpfe für Laut/Leise oder Navi-Zoom. Alles muss betatscht und geslidert werden. Fraglich, ob's Unfug oder Gewöhnungssache ist. Nur weil's jetzt alle machen, muss es nicht gut sein.

"Life" reicht völlig aus

Dass die Motorhaube im jüngsten Golf wieder mit einem Metallstab hochgefädelt werden muss und nicht gasgefedert aufklappt? Geschenkt. Dass Kollegen beim Kriechen in den letzten Winkel mindere Qualität entdeckt haben wollen? Nicht nachvollziehbar. Dass VW schon die Basis, die jetzt schlicht Golf heißt schon mit der Schwarmintelligenz Car2X, Digitalinstrumenten, Lane-Assist, LED-Licht, Front Assist, "Keyless Go", Bluetooth-Vorbereitung und Klimaanlage ausstattet? Bemerkenswert. Die nächstbessere Variante heißt jetzt "Life" (reicht völlig), darüber kommen noch "Style" und R-Line. Bilder und Video: www.onetz.de/

Preise Golf 8:

Basis noch nicht bestellbar

Die achte Generation des Golf kann seit Anfang Dezember bestellt werden. Die Autos kommen ab Beginn des neuen Jahres in den Handel. Kunden können zunächst vier Motoren, jeweils gekoppelt an die Ausstattungslinie „Life“ ordern. Der günstigste Einstieg ist damit aktuell der 1.5 TSI ab 27 510 Euro. Der Vierzylinder leistet 130 PS, es gibt auch eine Version mit 150 PS ab 28 530 Euro.

Die Basisvariante („Golf“) soll 2020 folgen und für „unter 20 000 Euro“ starten, so VW. Auch weitere Linien werden dann nachgereicht. Die Dieselmodelle starten als Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum. Sie leisten 115 PS und 150 PS. Die Diesel kosten aktuell mindestens 29 155 respektive 33 840 Euro.

Video von der Fahrt im Golf 1 und im Golf 8

Preisliste und technische Daten zum Download

Weitere Berichte über den Golf 8

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