10.01.2021 - 10:00 Uhr
EschenbachOberpfalz

60 Jahre Pfadfinderhütte am Rußweiher: Ein Stück Jugend

60 Jahre ist die Pfadfinderhütte am Rußweiher alt. Viele haben schöne Jugenderinnerungen an dieses Holzgebäude in wildromantischer Umgebung des Rußweihers.

Die fertige Pfadfinderhütte in Eschenbach am Rußweiher. Sie war und ist Anlaufpunkt für junge, engagierte Menschen.
von Externer BeitragProfil

60 Jahre ist die Pfadfinderhütte am Rußweiher alt. Der Pachtvertrag für das Grundstück wurde laut Stadtratsbeschluss vom 2. Januar 1961 zwischen der Stadt unter dem Bürgermeister Walter Ficker und der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) Stamm Eschenbach geschlossen. Der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), Stamm Eschenbach, wurde ein „Lagerplatz zum Zwecke der Förderung der Jugendarbeit“ überlassen. Die jährliche Pachtgebühr betrug eine Mark. Als Vertreter der Pfadfinder unterschrieben der Kurat Kaplan Karl Haubner und Franz Dilling. Im gleichen Jahr wurde die Hütte gebaut.

1955 hatte es das erste Pfadfinderversprechen mit 14 Jugendlichen in Eschenbach gegeben. Daher ist wohl der 24. April, der Georgstag dieses Jahres, als Gründungsdatum der DPSG Eschenbach anzunehmen. Damals trug man noch den Pfadfinderhut, der an die Mountys in Kanada erinnerte und ein grünes Hemd als Kluft. Die alte Farbe, die vor 1933 die Pfadfinderei auszeichnete, hatte ja in ähnlichem Farbton die Hitlerjugend übernommen. Erst 1958 traute man sich, zur alten Farbe zurückzukehren. Leider schied dann auch der alte Hut aus, der bei Wind und Wetter gute Dienste leistete, aber auch zum Wasser holen geeignet war.

In Eschenbach gab es damals weitere Jugendverbände: die deutsche Jugend des Ostens (DJO) und die katholischen Jungmänner- und Jungmädchenvereine. Letztere wurden von den katholischen Geistlichen vor Ort geleitet. Die Pfadfinder dagegen verwirklichten schon damals das, was das II. Vatikanische Konzil zum Wesenskern katho lischen Vereinslebens machte: Selbstverwaltung durch die Laien. Der Name Otto Bundscherer bleibt mit dieser Gründung verbunden. Die DPSG setzte die Traditionen Robert Baden – Powells fort, der mit seinem Buch „Scouting for boys“ 1908 die Grundlage gelegt hatte. Man lernte Knoten, mit dem Kompass wandern und nicht mit GPS, Semaphor (Verständigung mit Flaggen) aber auch Morsen. Man sang die alten Lieder der Jugendbewegung, die vor dem Weltkrieg ein Gegenmodell zur Verstädterung aufgebaut hatte. Man wollte hinausziehen, „aus grauer Städte Mauern“. Nach 1945 mied man aber die Lieder, welche vor allem die Hitlerjugend gesungen hatte. Zwar gab es die „Wilden Gesellen vom Sturmwind durchweht…“ aber jetzt mit den christlichen Strophen. Die „blauen Dragoner“ ritten bei den Pfadfindern in Eschenbach nie. Der Tradition der bündischen Jugend war auch das Rauch- und Alkoholverbot geschuldet.

1961 hatte man einen Lagerplatz, man wollte aber eine Hütte bauen. Vorbild waren die Weidener Pfadfinder, die ein Blockhaus hatten. Günstig war, dass sich zu dieser Zeit der Kontakt zu den Boy Scouts of America im Lager intensivierte. Dort wurde den Eschenbachern eine Holzhütte zum Abriss angeboten. Also: Arbeitseinsatz im Lager. Dann gab es ausrangierte Munitionskisten, die am Gasthof Obersee zerlegt wurden, um die Bretter zu verwenden. Das Fundament sollten Hohlblock steine bilden. Da der Weg zur Hütte durch sumpfiges Gelände ging, wollte man sie mit Hilfe eines Floßes (eine Holzfläche auf Ölfässern) von Großkotzenreuth übersetzen. Das Floß kenterte, die Steine lagen im Rußweiher. Mühsam holte man sie wieder heraus, einer blieb für immer verschwunden.

Dass das Floß auch einmal kenterte, als die Jungpfadfindern mitten im Rußweiher waren, sei erwähnt. Heute noch spüre ich, wie sich einige an mich klammerten. Aber damals gab es schon viel Schlamm im Weiher. Dort oben gab es wenig Tiefe, erinnert sich ein früherer Pfadinder.

Im Laufe der Zeit gab es viele Lagerfeuer, Johannisfeuer, aber auch andere Feste. Dort konnten Pfadfinder auch aus anderen Orten ihre Zelte aufschlagen. Rücksichtnahme auf die Natur gehörte schon von Anfang an zu den Grundprinzipien dieser Bewegung.

Inzwischen wird diese Hütte auch von der Gemeinschaft St. Georg genutzt. Erwachsene kümmern sich auch um deren Erhalt. 1991 wurde der Pachtvertrag mit der Stadt erneuert, die Pachtgebühr angeglichen.

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