Eschenbach
27.04.2020 - 14:02 Uhr

Abschied von Amtsträgern

Mit dem Ende der Wahlperiode scheiden vier Stadträte zum 30. April aus dem Eschenbacher Kommunalparlament aus. Mit Laudationes verabschiedet sie Bürgermeister Peter Lehr in der letzten Sitzung ihrer Amtszeit.

Bürgermeister Peter Lehr verabschiedet (von links) die Stadträte Hans Bscherer, Matthias Haberberger und Ludwig Schneider sowie als Seniorenbeauftragten Udo Müller und als Jugendbeauftragte Karolina Forster. Bild: rn
Bürgermeister Peter Lehr verabschiedet (von links) die Stadträte Hans Bscherer, Matthias Haberberger und Ludwig Schneider sowie als Seniorenbeauftragten Udo Müller und als Jugendbeauftragte Karolina Forster.

Im Zuge der aktuellen Sicherheitsbedürfnisse tagte das Gremium in der Aula der Markus-Gottwalt-Schule. Der Bürgermeister sprach von einer außergewöhnlichen Situation und hatte deshalb für Kollegen und Zuhörer Mundschutz vorbereitet.

„Mit vier ausscheidenden Persönlichkeiten verlässt rund ein Viertel das Entscheidungsgremium der Stadt Eschenbach. Damit verlieren wir ein enormes Maß an Engagement, Sachwissen und Erfahrung, was sich die nachrückenden Stadträte erst noch erwerben müssen.“ Mit diesem Ausblick eröffnete Lehr den letzten Teil der öffentlichen Sitzung.

Er sprach von überraschenden Ergebnissen der Kommunalwahl und bat die betroffenen Stadträte, „Wählerentscheidungen demokratisch-sportlich zu nehmen und zu akzeptieren - denn Sie haben jetzt wieder mehr Zeit für andere Dinge, die Ihnen auch wichtig sind“. Der Bürgermeister rief dazu auf, nicht verbittert zu reagieren und sich eventuell gesellschaftlich sogar zurückzuziehen, denn „die Wähler brauchen Ihr Engagement und Ihre Talente“.

Hans Bscherer gehörte dem Stadtrat seit 1996 an. „Aufgrund seiner beruflichen Ausbildung war er in allen Fragen der Verkehrssicherheit für den Stadtrat ein wertvoller Ratgeber, der fachlich fundiert und zum Wohle der Stadt ausgerichtete Vorschläge, aber auch Kritik, wenn sie angebracht war, einbrachte", bescheinigte Lehr. "Als jahrelanger Vorsitzender der Verkehrswacht kümmerte er sich maßgeblich um die Schulwegsicherheit durch Akquirieren und Einsatz von Schülerlotsen. Von Beginn an war er auch ein Befürworter der Ampelanlage an der Bergkirche, die sich, wie wir heute wissen, als absoluter Volltreffer erwiesen hat.“

Die Fähigkeiten, die Bscherer sich in seiner 24-jährigen Amtszeit erworben hat, waren für Lehr ein Grund dafür, dass ihm die Fraktion der Freien Wähler 2008 das Amt des Fraktionsführers übertragen hat. Darüber hinaus war er seit 2002 Mitglied des Kreistags und der Gemeinschaftsversammlung. Im Ratsgremium saß er zudem als Stellvertreter im Finanzausschuss sowie im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss und fungierte als Verbandsrat des Zweckverbands der Vereinigten Sparkassen.

„Nach 24 Jahren wird’s Zeit aufzuhören“, versicherte Bscherer. Er bedankte sich beim Bürgermeister für die stete Auskunftsbereitschaft, beim Gremium für das kollegiale Verhalten und bei seiner Familie für das stete Verständnis. Als positiv wertete er es, dass junge Mandatsträger nachkommen. Bscherer sprach von einer schönen Zeit, in der viel erreicht worden sei. Unter Hinweis auf die gesunde Finanzlage der Stadt appellierte er an das jünger gewordene Kollegium, nicht zu viel auszugeben.

Matthias Haberberger, Mitglied des Stadtrats seit 2014, würdigte der Bürgermeister mit den Worten: „Seine beruflichen Fähigkeiten aus dem Arbeitsbereich Steuern und Abgaben brachte er bei allen diesbezüglichen Diskussionen im Stadtrat gewinnbringend ein und bereicherte dadurch das Ratsgremium in vielerlei Hinsicht. Als Kulturbeauftragter organisierte er zusammen mit seinen beiden Vertretern gesellschaftliche Veranstaltungen, die das kulturelle Leben in Eschenbach bereicherten, wie zum Beispiel Ü-30-Partys oder das Winterdorf in der Brunngasse. Daneben war ihm auch am Wiederaufleben der Tradition des Brotbackens in der Brunngasse gelegen.“

Lehr würdigte zudem die Unterstützung Haberbergers bei der Gründung des Kommunbierverein. Er erinnerte an die jahrzehntelange Mitarbeit beim Heimatverein und an dessen Erfolge im Taubnschusterhaus, das sich seit seiner Modernisierung noch mehr zu einem Kern des kulturellen Lebens in Eschenbach entwickle.

Haberberger, der Mitglied im Finanzausschuss sowie im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss und Stellvertreter im Rechnungsprüfungsausschuss war, sprach ebenfalls von einer schönen Zeit und bedankte sich dafür, „Stadtrat sein zu dürfen“. Er versicherte, sich auf anderer Ebene weiter für Eschenbach einzubringen, und wünschte dem neuen Gremium „weitere Harmonie – nur so bringen wir die Stadt weiter“.

Ebenfalls seit 2014 gehörte Ludwig Schneider dem Gremium an. Ihm bescheinigte der Bürgermeister: „Als Busfahrer unterstützte er zahlreiche Vereine durch ehrenamtliches Engagement bei Vereinsausflügen oder auch Spielen des FC Bayern München. Als feste Stütze der Gesellschaft 'Frohsinn' war er ein Mitgarant für den deutlichen Anstieg der Mitglieder dieser Runde und engagierte sich daneben auch und vor allem in der Krieger- und Soldatenkameradschaft. Als jüngstes Beispiel seines Engagements ist die Reinigung des Kriegerdenkmals zu nennen, dem er im vergangenen Jahr zu einem wieder ansehnlichen Äußeren verholfen hat.“

Lehr erinnerte an den ersten Betriebsausflug der Verwaltungsgemeinschaft mit einem Doppeldeckerbus , den Schneider souverän durch Sachsens Kulturmetropole Dresden gesteuert habe, und an dessen großartige Sammelergebnisse für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Der scheidende Stadtrat war Mitglied im Rechnungsprüfungs- sowie im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss, Stellvertreter in der Gemeinschaftsversamlung und im Finanzausschuss sowie Verbandsrat des Zweckverbands der Vereinigten Sparkassen. In seinen kurzen Abschiedsworten dankte Schneider für die gemeinsame Zeit und wünschte den künftigen Mandatsträgern „gute Entscheidungen zum Wohle von Stadt und Bürgern“.

Als jüngstes Mitglied des Stadtrats war nach dem Ausscheiden von Peter Nasser am 1. Juni 2017 Johannes Wittmann vereidigt worden, der nach den Worten Lehrs ruhig und überlegt im Ratsgremium gewirkt und seine Kenntnisse als Maschinenbauingenieur bei den hierzu relevanten Tagesordnungspunkten gewinnbringend eingebracht habe. Wittmann war bei der Sitzung verhindert, und der Bürgermeister bedauerte: „Bedingt durch seine berufliche Auslastung ist er nicht mehr als Kandidat für die Wahl 2020 angetreten, was ich sehr bedauere, denn wir verlieren mit Johannes einen sehr kompetenten Ansprechpartner.“ Wittmann hatte einen Sitz im Rechnungsprüfungs- sowie im Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss und fungierte als Stellvertreter in der VG und im Finanzausschuss.

Im Blickpunkt:

Dank an Beauftragte und Berichterstatter

Mit Dankurkunden und Präsenten verabschiedete Bürgermeister Peter Lehr die vier scheidenden Stadträte, ehe er sich mit kleinen Präsenten weiteren Anwesenden zuwandte.

Den Zuhörern versicherte er, dass Karolina Forster nicht als Stadträtin, sondern als Jugendbeauftragte verabschiedet werde. Er sprach von einem zeitraubenden Amt, das sie zwölf Jahre inne gehabt habe. Zudem habe sie als Vorsitzende des Jugendforums "in enger Kooperation mit den Vereinen zahlreiche Veranstaltungen zum Wohle der Eschenbacher Jugend und ihrer Eltern“ organisert.

Als wichtigsten Aufgaben nannte er: Organisation des alljährlichen Ferienprogrammes, nterstützung der dreiwöchigen ganztägigen Ferienbetreuung von "Learning Campus", Erstellung und Aktualisierung der Broschüre "Jugendarbeit in Eschenbach", Organisation des "Jugendjams", Organisation des Kinderbürgerfestes und Neukonzeption von Spielplätzen in enger Zusammenarbeit mit den Anliegern. „All dies hat sie neben der Erziehung ihrer drei noch kleinen Kinder und der Stadtratsarbeit geschultert - eine Leistung, der ich mit Hochachtung und Respekt entgegen trete. Danke, Lina.“

Ebenfalls nicht als Stadtrat, sondern als Seniorenbeauftragten verabschiedete der Bürgermeister zum Ende der Wahlperiode Udo Müller. An ihn gewandt erklärte er: „In seiner Funktion als Mitglied der Vorstandschaft der 'GeHiH' und ehrenamtlicher Wohnraumberater hatte Udo Müller besondere Fähigkeiten, die er gewinnbringend für unsere ältere Generation einsetzte. Als Berater sorgte er zum Beispiel dafür, dass bei neuen Anlagen die Barrierefreiheit ein Gewicht fand. Bei Geburtstagen war er treuer Begleiter des ersten Bürgermeisters und händigte den Geburtstagskindern immer die Notfalldose aus, ein äußerst sinnvolles Utensil im Haushalt unserer Mitbürger.“

Als „Drittem im Bunde“ dankte Peter Lehr zum Ende seiner Amtszeit nicht zuletzt unserem Pressemitarbeiter Walther Hermann: „Ihm gebührt von meiner Seite aus ein besonderer Dank für die Tätigkeit als Presseberichterstatter, der stets sachlich und umfassend über die Stadtratsarbeit berichtete und seine Beiträge für den Stadtboten ohne großes Aufhebens zur Verfügung stellte.“ (rn)

Im Blickpunkt:

„Wir war’n dabei"

Reime zum „Abschied vom Amt des Stadtrats“ widmete Heiner Kohl, „Meister der geschliffenen Worte“, den künftigen Zuhörern an Sitzungen des Kommunalparlaments. Angesichts der ernsten Lage trug Kohl die Verse nicht als Einlage vor. Sie lagen, ergänzt durch eine „Hymne für Bürgermeister Peter Lehr“, auf den Tischen der Sitzungsteilnehmer.

Seine Gedanken verewigte Kohl in 13 Versen:

1. Politisch lässt sich’s nicht vermeiden, vom Amt als Stadtrat muss man scheiden, wenn man zu alt sich dazu fühlt und deshalb nicht mehr kandidiert.

2. Gar schmerzlich war im März die Wahl, für manchen wurde sie zur Qual, weil d’Stimmen halt zu wenig waren, man deshalb fiel durch’s Zählverfahren.

3. Vom Stadtrat alt sind vier betroffen, und wei davon hat’s schwer getroffen, als sie bemerkten – hart das Los – den Sitz im Stadtrat bin ich los.

4. Mein Gott, man hat das Amt genossen, man war ja wer, wurd‘ oft begossen, saß gerne in der ersten Reihe, begrüßt, hofiert bei einer Weihe.

5. Von heut‘ auf morgen ausgeschlossen, der Traum „s’geht weiter“ jäh zerflossen. Für d’Bürger, die du warst der Strahler, bist du politisch jetzt Spitaler.

6. Doch Schluss mit dieser Jammerei. Ihr könnt verkünden: „Wir war’n dabei! Hab’n uns eing’setzt mit Kraft und Macht, die Stadt ein Stück vorangebracht.“

7. Habt stets für jenen Plan gestimmt, der Sorgen von den Bürgern nimmt. So wurden Straßen neu geteert, im Herbst verstopfte Gullys g’leert.

8. Habt euch im Rat zusammeng’rauft, den Taubnschusterhof gekauft, anschließend auch das Haus saniert, das als Museum nun brilliert.

9. Gemeinsam war euch in der Tat am Rußweiher die Sorg‘ um’s Bad, weil d’Schlammlawine, so tönt’s laut, den Weiher insgesamt versaut.

10. Nun gibt’s a Mittel, das zum Glück auffrisst und wegputzt diesen Schlick. Nach Hin und Her wart ihr bereit zum Ja der Lösung ohne Streit.

11. Im Plenum stets gut aufgepasst, das Sitzungsgeld auch mal verprasst, im Wirtshaus weiter diskutiert, den Boss auch manchmal kritisiert, wenn er vertagt hat ein Problem, das er empfand nicht angenehm.

12. Nie hässlich fies klang euer Wort im Rathaus hier an diesem Ort. Drum könnt ihr aufrecht allemal verlassen diesen Sitzungssaal.

13. Geht’s einmal ab ins Paradies, der Dank der Stadt ist euch gewiss mit einem Nachruf ohne Frag‘ im Stadtbot‘n und im Neuen Tag. Amen. (rn)

 
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