26.04.2020 - 09:34 Uhr
EschenbachOberpfalz

Abschied von fast einem Jahrhundert Kommunal-Kompetenz

Seit vielen Jahren engagieren sich Walter Schindler, Albert Lober, Gerhard Retzer, Heinrich Schatz und Hans Bscherer kommunalpolitisch. Die Stadt- und Gemeinderäte bringen es zusammen auf fast 100 Jahre Erfahrung. Doch bald ist Schluss.

Walter Schindler.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Der 30. April 2020 ist der Tag, an dem sich für diese fünf Stadt- und Gemeinderäte aus der Region gewaltig etwas ändert: Walter Schindler (Neustadt am Kulm), Albert Lober (Trabitz), Gerhard Retzer (Vorbach), Heinrich Schatz (Vorbach) und Hans Bscherer (Eschenbach), die sich mehrere Amtsperioden lang für ihren Ort eingesetzt haben, scheiden aus den jeweiligen Gremien aus. Bis zu 24 Jahre haben sie diesen zum Teil angehört. Eine lange Zeit, über die es viel zu erzählen gibt.

Seit 18 Jahren sitzt Walter Schindler für die CSU-ÜW im Stadtrat von Neustadt am Kulm. Ab 30. April ist damit dann Schluss. Der 58-Jährige hat sich entschieden, kürzer zu treten und für die neue Amtsperiode nicht mehr zu kandidieren. "Zum einen bin ich froh, dass ich draußen bin und nichts mehr sehen und hören muss, aber im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne Zeit. Das Problem waren manchmal die Mega-Sitzungen, die nicht enden wollten", resümiert er. In den 18 Jahren habe er den Bau des Bauhofes und des Feuerwehrhauses mitgestaltet und die Planung des umstrittenen Marktplatzes und des Infozentrum begleitet. Als Gegner der Marktplatzumgestaltung habe er sich jedoch dem demokratischen Willen beugen müssen. "Die Diskussionen, Reibereien und Spannungen wegen des Marktplatzes werde ich nicht vermissen", sagt er. Fehlen werde ihm aber das Insiderwissen, das Stadträte hätten. "Man bekommt viele Sachen nicht mehr mit, die hinter verschlossenen Türen sind, und man hat keinen Einfluss mehr." Trotzdem sei er froh, dass er seine neugewonnene Freizeit nun seiner Arbeit, seiner eigenen Firma, die er nebenbei betreibt, und seinem großen Grundstück widmen kann.

Im Hinblick auf das neue Gremium hat er keine Bedenken: "Es sind gute Leute drin, junge Leute, bei denen man die Hoffnung hat, dass sie das für ihre Zukunft gut machen." Den Neueinsteigern will er nur noch eins mit auf den Weg geben: "Schaut mit offenen Ohren und Augen auf die Bedürfnisse der Bürger, und auch die Zusammengehörigkeit im Stadtrat ist wichtig."

Das Trabitzer Gemeinderatsgremium dagegen muss künftig ohne Albert Lober auskommen. Das Ratsmitglied setzt sich seit zwölf Jahren für die FWWZ ein und macht nun Platz für neue Mitglieder. "Ich habe das gerne gemacht, aber ich denke, zwölf Jahre sind genug", sagt er. Er ist froh, dass die Zusammenarbeit in Trabitz stets gut gewesen sei: "Wenn man oft liest, wie es in anderen Gremien zugeht ..." Der 62-Jährige ist sich sicher, dass das Gremium in dieser Zeit alle Orte in der Gemeinde vorwärtsgebracht habe - besonders bei den Dorferneuerungen. "Das sollte auch weiterhin so sein", hofft er. Dass nun andere die Entscheidungen für die Gemeinde tragen, fällt ihm nicht schwer. Er widmet sich nun lieber seinen zwei Enkelinnen, dem Sport und dem Pressather Forstamt. "Ich weiß mit meiner Freizeit etwas anzufangen", lacht er.

In Vorbach nimmt Gerhard Retzer (FW) nach 24 Jahren Gemeinderat-Tätigkeit Abschied. "Ich bin zeitgleich reingekommen, als Werner Roder Bürgermeister wurde", erinnert sich der heute 65-Jährige. "Ich bin am längsten von den Gemeinderäten dabei." Der dritte Bürgermeister will nun aber alles "interessiert aus der Ferne beobachten" und freut sich schon darauf, mehr Zeit für seine beiden Enkel, auf die er wahnsinnig stolz ist, und für sein Hobby zu haben: die Musik. Ihr widmet sich der Unterhalter leidenschaftlich gerne und ist auf Musikantentreffen schon viel herum gekommen.

Vermissen wird der 65-Jährige deshalb erst einmal nichts, aber ein Projekt, das er in den 24 Jahren mit aus der Taufe gehoben hat, will Retzer nicht unerwähnt lassen: "Der Dorfladen war für mich ein Projekt, da bin ich heute noch begeistert, dass wir das hinbekommen haben. Man trifft sich, kann miteinander plaudern", schwärmt er noch immer von dem Neubau im Herzen von Vorbach.

Ein Kollege, der nach 18 Jahren ebenfalls das Vorbacher Gremium verlässt, ist Heinrich Schatz. Er war – genau wie Retzer – für die Freien Wähler in den Gemeinderat gewählt worden. Er engagierte sich in verschiedenen Ausschüssen und möchte diese Zeit nicht missen, denn es sei ein erfülltes Gemeinderatsleben gewesen. "Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg waren und sind, und hoffe, dass es so gut weiter geht mit dem neuen Gemeinderat und dem neuen Bürgermeister. Ich bin optimistisch."

Und nicht nur in Trabitz, Neustadt am Kulm und Vorbach gibt es Aussteiger, auch in Eschenbach geht einer von Bord, der nun 24 Jahre im Stadtrat tätig war: Hans Bscherer. "Das reicht schon. Da muss man mal den Absprung schaffen", erklärt der Eschenbacher seine Beweggründe. Ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung sei die Geburtstagsparty seiner Enkelin Leni gewesen. "Die hat gesagt: ,Opa, musst du schon wieder weg?'", erzählt Bscherer. Deshalb will er sich nun weniger auf Termine, sondern wieder mehr auf seine vier Enkel Leni, Jonathan, Ferdinand und Felicitas konzentrieren. Ganz aufhören möchte er aber trotzdem nicht. Im Kreistag und für die Verkehrswacht setzt er sich auch weiterhin ein. Schon in den vier Amtsperioden lag Bscherer die Verkehrssicherheit immer sehr am Herzen: "Einen sichereren Schulweg durch die Umfahrung am Gymnasium", zählt der Eschenbacher als Errungenschaft auf. "Da haben wir lange hingearbeitet. Das war ein mords Zirkus."

Albert Lober.
Gerhard Retzer.
Heinrich Schatz.
Hans Bscherer.

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