Nach 34-jähriger Hausarzttätigkeit geht der musizierende Doktor, wie Georg Bayerl oft wegen seiner musikalischen Leidenschaften genannt wird, zum Jahresende offiziell in den Ruhestand. Das Abschiednehmen zwischen Arzt und Patienten endet dennoch nicht wie so oft auf dem Land in einer ungewissen Zukunft der ärztlichen Versorgung.
Der geschätzte Allgemeinmediziner hat vorgesorgt. Es droht keine Praxisschließung. Im Gegenteil: junges Blut rückt nach. Schon seit gut zwei Jahren gehört eine weitere Ärztin zum Team der Gemeinschaftspraxis. Ab 1. Januar 2019 ist es so weit: Meri Jovanoska-Betzl rückt für Bayerl nach und wird damit Mitglied der Praxisgemeinschaft mit Dr. Frank Schröder und Dr. Hannelore Lippiotta, die mit Georg Bayerl ab 2003 bzw. ab 2011 den medizinischen Notwendigkeiten folgend die allgemeinärztliche Gemeinschaftspraxis organisieren.
Das Behandlungszimmer von Georg Bayerl glich in den vergangenen Tagen einem Geschenkeladen. Blumen, Wein und Grußkarten: die Patienten sagten "Danke". „Das kann einen schon berühren“, gibt der medizinische Praktiker zu. Und doch habe er all die Jahre nur seine Pflicht getan, meint er bescheiden. Eine Pflicht, die ab 1985 mit der Eröffnung der Allgemeinarztpraxis zur Berufung wurde. Hausarzt zu sein, sei wohl einer der schönsten Berufe, weil man spüre, helfen zu können. Diese Hilfe sei oft als menschliche Wärme zurückgekommen, stellt der 66-jährige Mediziner fest.
Nun ruft der Ruhestand. Bayerl geht mit gemischten Gefühlen. Nach Jahrzehnten ärztlicher Arbeit, in der er oft mehr Zeit in der Praxis verbrachte als privat. Einige Tausend Patienten ohne die Mehrfachbehandlungen zu zählen, werden es wohl pro Jahr gewesen sein, die der Doktor behandelte. Da kommt einiges zusammen. Mit 66 Jahren sei es wohl der richtige Zeitpunkt, zu gehen. Außerdem wolle er das Leben noch ein bisschen genießen. Allerdings will er seine große medizinische Erfahrung wie bisher schon in den Notarztdienst einbringen.
An Hobbys fehlt es dem drahtigen Doktor nicht. In erster Linie ist es die Musik, die für Abwechslung sorgt. Als Leiter der „Stodbergsaitn“ ist er in Stadt und Land eine musikalische Größe. „Musik ist auch Medizin“, davon ist Georg Bayerl überzeugt. Beim Hantieren an seinem Uralt-Schlepper zeigt er viel Talent als Mechaniker. Das kann er auch gut bei seinen Wald- und Gartenarbeiten gebrauchen. Auch die soziale Ader schlägt weiter. Georg Bayerl ist Vorstandsmitglied des Vereins „Hoffnung für Menschen“. Die Organisation unterstützt Hilfsaktionen in Südindien.
Nachfolgerin übernimmt
Meri Jovanoska-Betzl übernimmt ab 1. Januar 2019 als Fachärztin für Allgemeinmedizin offiziell den Platz von Georg Bayerl. Die Pläne zur Übergabe reiften schon länger. Seit sie ab August 2016 als Weiterbildungsassistentin für das Fachgebiet Allgemeinmedizin in die Gemeinschaftspraxis hineinschnupperte, stand für die 34-jährige Ärztin fest: „Freundliche Oberpfälzer, nette Patienten und ein kollegiales Miteinander in der Praxisgemeinschaft – das passt“!
Nun geht der Traum von der eigenen Praxis auf.
Das Arzt-Diplom erlangte die aus Mazedonien stammende Jovanoska-Betzl an der Universität in Sofia. Im EU-Land Bulgarien sah sie mehr Studien- und Ausbildungsperspektiven. Es folgten Lehr- und Lernjahre als Assistenzärztin für Innere Medizin am Klinikum Hochfranken in Naila und im kardiologischen Bereich am Regiomed-Klinikum in Coburg.
Weiterbildungen im Diagnostik- und Therapie-Bereich in der Krankenhaus-Notaufnahme und als kardiologische Assistenzärztin an der Sana-Klinik in Hof schlossen sich an. Nach der Vorbereitungszeit zur Facharztprüfung in der Gemeinschaftspraxis Bayerl/Schröder/Lippiotta meisterte Meri Jovanoska-Betzl im September 2018 die Facharztprüfung für Allgemeinmedizin in München. Nun die Selbstständigkeit. Ein humorvoller und gleichzeitig fürsorglicher Ratschlag des bisherigen Praxisinhabers gilt den künftigen Patienten. Georg Bayerl zitiert dazu Eugen Roth: „Behandelt die Doktorin gut, damit sie euch desgleichen tut!“













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