(rn) Der Freistaat fordert von seinen Bediensteten ein solides Allgemeinwissen, Grundkenntnisse in vielen Bereichen und geistige Beweglichkeit. Um den Nachweis dieser Einstellungskriterien zu erbringen, stellten sich 61 Jugendliche aus den Altlandkreisen Eschenbach und Kemnath einer Auswahlprüfung für den mittleren Dienst. Nach ihren kürzlichen Abschlussprüfungen in Mittel, Real- oder Wirtschaftsschule unterzogen sie sich erneut einem dreistündigen Wissenstest.
Den Einstieg dazu bildete eine Abhandlung zu Entstehen, Entwicklung und Arbeitsweise der Roboter. Sie bildete die Grundlage für Fragen zu Aussagen des Textes, zu Fremdwörtern und zu Begriffen ihres möglichen Einsatzes. Eine Grafik bot detaillierte Informationen zur weltweiten Verbreitung von Industrierobotern. Neben der Beurteilung dazu getroffener Aussagen dienten eine nur zeichnerische Weltkarte und eine Reihe zum Teil "fantastischer" Routen zum Finden des korrekten Seeweges von Hamburg nach China. Wirtschaft, Geografie und Kostenfaktoren verbargen sich hinter Fragen zu größten potenziellen Einsparungen durch Robotereinsatz.
Industrie 4.0 steht für intelligente, digital vernetzte Systeme, mit deren Hilfe eine weitgehend selbstorganisierte Produktion möglich wird. In einem Fragenkatalog als Anlage zu einer Karikatur ging es um Einschätzungen über die Verbreitung von Robotern. Grammatikvorgaben waren bei der Wiedergabe einer Studie zu Industrie 4.0 zu berücksichtigen.
Die Auswirkung der Digitalisierung der Arbeitswelt, die Leistung unserer Wirtschaft für das Bruttosozialprodukt, die Beurteilung eines Medienberichts "Deutsche Wirtschaft weiter im Aufwind" und Erkenntnisse zur Konjunkturprognose 2017/2018 der "fünf Wirtschaftsweisen" waren weitere Grundlagen für die Fragenbereiche Roboter und Wirtschaft.
Mit Themen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts folgte der Sprung in ein weiteres komplexes Wissensgebiet. Den richtigen Jahren waren vier schicksalshafte 9. November-Ereignisse zuzuordnen und aus einem "Angebot" die richtigen Aussagen zur Proklamation des Arbeiter- und Bauernrats nach dem Ersten Weltkrieg zu erkennen. In bunter Folge wechselten sich die Geschehnisse der Berlin-Blockade vor 70 Jahren, das Kriegsende vor 100 Jahren, 100 Jahre Freistaat Bayern, 200 Jahre Verfassungsstaat Bayern, direkte Demokratie in Bayern und Bundestagswahl ab. Die Lösungen dazu waren ein Mix aus Geschehensbeurteilung, Begriffsbestimmung und Zuordnung von Institutionen und Mandatsträgern.
Bei der Auseinandersetzung mit politischen Meinungsäußerungen sollte der verantwortungsbewusste Internetnutzer generell kritisch sein und über ein solides politisches Grundwissen verfügen. Letzteres wurde von den Prüflingen gefordert, als sie sich mit Aussagen zu Sondierungsgesprächen, Koalitionsverhandlungen, Minderheitsregierung und Großer Koalition befassen mussten. Der Themenkreis schloss sich zwar mit Roboterbegriffen. Statt Technik standen diesmal jedoch Formulierung, Satzbau, Schreibweise, Grammatik und Argumentation im Vordergrund. Den Schlusspunkt setzte eine Konzentrationsübung.
Bereits zum 44. Mal war Rudolf Danzer mit der Leitung der Auswahlprüfung beauftragt. Als Aufsichtspersonen standen ihm Heike Biersack, Max Ott und Manfred Schusser zur Seite. Die Zahl der Prüflinge erreichte in diesem Jahr einen Tiefststand. Die "Buchführung" Danzers enthält für 2008 72, für 2009 65, für 2010 78, für 2011 94, für 2012 82, für 2013 95, für 2014 95, für 2015 82, für 2016 102 und für 2017 95 Teilnehmer an der "Auswahlprüfung für den Einstieg in der zweiten Qualifikationsebene im nichttechnischen Bereich der Leistungslaufbahn".
Eschenbach
06.07.2018 - 10:36 Uhr
Allgemeinwissen gefragt
von Walther Hermann
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