27.05.2020 - 14:02 Uhr
EschenbachOberpfalz

Apfelbach verschiebt Kapellenjubiläum

Heuer werden es 25 Jahre, dass Apfelbach eine Kapelle besitzt und dort Gottesdienste zelebriert werden. Dieses Jubiläum sollte Anlass zu einer Feier sein, doch die Corona-Pandemie zerstörte alle Hoffnungen auf das Fest.

Es ist ein ruhiges Fleckchen von Apfelbach, auf dem 1994 der erste Spatenstich zum Bau der Dorfkapelle erfolgte. 1995 wurde die Weihe des auch „Dom von Apfelbach“ genannten Gotteshauses gefeiert.
von Georg PaulusProfil

Ob das Kapellenjubiläum im Herbst noch nachgeholt werden kann oder ob nächstes Jahr nachgefeiert wird, ist eine Entscheidung, die der Festausschuss zu gegebener Zeit treffen wird.

Über die zweitgrößte Ortschaft im Stadtbereich von Eschenbach und damit über die Geschichte der Dorfkapelle gibt ein Beitrag von Bruno Uhl im Band „Heimat Eschenbach 1998“, der diesem Bericht zugrunde liegt, Auskunft.

Zu Kriegsende hatte die US-Armee den Truppenübungsplatz beschlagnahmt und für ihre Zwecke in Anspruch genommen. Sie duldete, dass Zivilpersonen in den noch vorhandenen Ortschaften wohnten, Vertriebene sich dort niederließen und die Äcker und Wiesen landwirtschftlich genutzt wurden. Einzelne Kommandeure forderten jedoch die Räumung.

Im Oktober 1947 schilderte Bürgermeister Josef Ficker dem Landrat die Auswirkungen einer Räumung und des Verbots der landwirtschaftlichen Nutzung. Erwähnt wurden die Ortschaften Boden im Thal, Stegenthumbach, Weihern, Netzart im Thal, Netzaberg und Römersbühl. 206 Einheimische wohnten dort, zudem waren 157 Vertriebene in die infolge der Ablösung und Umsiedlung leerstehenden Häuser gezogen. Insgesamt gab es 32 Landwirte.

Die Siedlung Apfelbach entstand infolge der Räumungsmaßnahmen der U.S. Army. Die Überlassung des Geländes war eine Hilfsmaßnahme der Stadt Eschenbach. Angesidelt wurden 1948/49 einheimische Übungsplatzbewohner und Bessarabien-deutsche, denen mit Wohnungen allein nicht geholfen werden konnte, weil sie Kleinzierzucht betreiben und eigenes Gelände bebauen wollten.

49 438 Quadratmeter Fläche brachte die Stadt ein, 15 040 Quadratmeter wurden durch Tausch erworben, 2250 Quadratmeter direkt verkauft. Ein Stadtratsbeschluss aus dem Jahr 1950 nennt 27 Parzellen, die verkauft wurden, weitere Siedler kamen dazu.

In Zusammenhang mit der Gründung von Apfelbach steht die Firma Erwin Koppe, die Baugelände gegenüber dem Bahnhof Stegenthumbach zur Errichtung einer Fabrik für keramische Dauerbrandöfen und Herde erworben hatte. Viele Familien Apfelbachs hatten und haben noch heute dort Arbeit und Lohn.

Nach mehreren Anläufen wurde am 20. Januar 1993 ein Verein gegründet, der sich den Bau und Unterhalt einer Kapelle in Apfelbach zum Ziel gesetzt hat. Genau 40 Personen waren in der Dorfschänke als Gründungsmitglieder dem Kapellenbau- verein beigetreten. Hauptinitiator war der damalige Stadtpfarrer Andreas Uschold, der damalige Eschenbacher Bürgermeister Robert Dotzauer sowie Ingrid und Bruno Uhl.

Zum Vorsitzenden des Kapellenbauvereins gewählt, übt Bruno Uhl dieses Amt ununterbrochen seit der Vereinsgründung aus. Von Anfang an sind auch Schriftführerin Ingrid Kallmünzer, als Schatzmeisterin Michaela Hausner, stellvertretender Vorsitzender Robert Held sowie Willi Neumüller und Karl Stopfer als Beisitzer dabei.

Im April 1994 war der erste Spatenstich, am 3. Juni Grundsteinlegung und am 23. August Richtfest. Durch Opferbereitschaft und die Unterstützung durch Freiwillige, die Bereitstellung von Baumaterialien, Geräten und Maschinen sowie durch viele Spenden gingen die Arbeiten zügig voran. Beachtliche Zuschüsse gab es auch von der Bischöflichen Finanzkammer Regensburg. Die Stadt Eschenbach war ebenfalls dem Kapellenbau in ihrer „Trabantenstadt“ behilflich, ebenso Vereine.

Nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit nahm am 3. September 1995 der Generalvikar der Diözese Regensburg, Dr. Wilhelm Gegenfurtner, die kirchliche Weihe der Kapelle vor. Auch der 13. September 2001 war für Apfelbach ein Feiertag: Bei einem Pontifikalgottesdienst, den der damalige Regensburger Weihbischof und spätere Bischof der Diözese Passau, Wilhelm Schraml, zelebriert hat, erhielt die Kapelle den Namen „Kreuzkapelle Apfelbach“. Das Patrozinium wird immer am 14. September, dem Fest „Kreuzerhöhung“, gefeiert.

Zum Innenleben des kleinen Gotteshauses leisteten viele einen Beitrag. Die Stirnwand gestaltete Albert Fromm, ein Parsberger Kirchenmaler. Das Altarbild zeigt die Kreuzigung Christi und ist eine Kopie des berühmten Bildes von Guido Reni, das im Original in der Kirche San Lorenzo in Rom bewundert werden kann.

Vier Engel, eine Marienstatue und eine Figur der heiligen Theresia stammen aus der Pfarrkirche St. Laurentius vor deren Renovierung 1964. Sie wurden wie ein Kelch und ein Ziborium den Apfelbachern überlassen und auf Kosten des Kapellen-bauvereins restauriert. Die bunten bleiverglasten Fenster entwarf der Eschenbacher Künstler Wolf Höller, hergestellt wurden sie in der Kunstglaserei seines Vaters Ludwig Höller. Ein Geschenk von Norbert Möhler ist das Kreuz, das die rechte Seitenwand der Kapelle ziert.

Eine Figur des heiligen Andreas, Namenspatron von Stadtpfarrer Uschold, für den der Bau der Kapelle ein Herzenswunsch war, ist sein Abschiedsgeschenk. Helmut Langhammer schuf den Altar. Eigentlich für das Seniorenheim Pressath gedacht, kam der Altar mit Zustimmung des damaligen Pressather Stadtpfarrers Ludwig Bock in die Apfelbacher Dorfkapelle.

Ein Marienbild, das Kinder beim Spielen auf einer Geröllhalde in Boden im Thal, einem der aufgelösten Dörfer gefunden hatten, ist links hinten in der Kapelle zu sehen. Eine von seinem Sohn Andreas per Computer hergestellte Kopie des Werkes schmückt den von Karl Ficker angefertigten Bildstock auf dem Kapellenvorplatz. Um den Blumenschmuck dort kümmert sich Gertrud Ficker.

Im Geröll eines nicht mehr existierenden Dorfes entdeckten spielende Kinder das Marienbild, das gerahmt in der Kapelle in Apfelbach einen würdigen Platz fand.
In San Lorenzo in Rom kann das Original des Bildes von der Kreuzigung Christi, gemalt von Guido Reni, bewundert werden. Die Kopie in der Kreuzkapelle Apfelbach schuf der Auerbacher Kunstmaler Johann Karl.
Karl Ficker, Gründungsmitglied und 19 Jahre stellvertretender Vorsitzender des Kapellenbauvereins, schuf den Bildstock, eine Computeranimation des Marienbildes in der Kapelle sein Sohn Andreas.

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