22.03.2020 - 10:53 Uhr
EschenbachOberpfalz

Arme und Ausgegrenzte nicht vergessen

Das Hungertuch 2020 ruft dazu auf, teilzunehmen an der Sorge Jesu um die Armen und Ausgegrenzten der menschlichen Gesellschaft.

Kunsterzieher und Theologe Sieger Köder hat das Hungertuch als Bilderbibel für die österliche Bußzeit geschaffen.
von Walther HermannProfil

Beim letzten Frühstück des Katholischen Frauenbundes vor den Beschränkungen durch die Coronakrise nahm Pfarrer Thomas Jeschner eine interessierte Runde mit auf eine Bilderreise zu Misereor-Stätten der Dritten Welt. Als „Atlas“ dazu diente ihm das vom Kunsterzieher und Theologen Sieger Köder 1994/1995 geschaffene Hungertuch mit der zentralen Botschaft „Hoffnung den Ausgegrenzten“, auf dem die Grundbedürfnisproblematik und -strategie am Beispiel Wasser dargestellt wird. Das Tuch ziert während der Fastenzeit den Altar der Pfarrkirche.

Zum Verinnerlichen der einzelnen Darstellungen verteilte Jeschner Kopien des Tuchs, das allein durch seine Farbenauswahl beeindruckte. Die Bildmotive des Hungertuchs verweisen auf den Grundauftrag von Misereor. „Als Fastenaktion der deutschen Katholiken soll das Werk Zeugnis geben von der Liebe Christi und das ganze Volk Gottes dazu einladen, teilzunehmen an der Sorge Jesu um die Armen und Ausgegrenzten der menschlichen Gesellschaft“, bekräftigte der Geistliche und nannte „Teilen“ und „Anders leben“ als Elemente einer solchen Erneuerungs- und Bußbewegung für Umkehr und Solidarität.

Den Grundauftrag von Misereor ins Bild bringen hieß für ihn, sich der leidenden und von der Gesellschaft ausgegrenzten Menschen zu erinnern. Der Prototyp des im Mittelbild dargestellten gequälten Menschen ist für ihn Christus, von dem es bei Jesaja heißt: „Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Mit seinem Leiden und seinem Tod hat er der Welt Hoffnung gegeben“.

Mit Beschreibungen, Erklärungen und Interpretationen wandte er sich den Darstellungen auf den beiden Außenflügeln des Misereor- Triptychons zu, die Geschichten der Hoffnung zeigen. Zu erkennen ist im Arche-Motiv die Lebenszusage Gottes an Noah und dessen Nachkommen. Die tanzende Mirjam besingt Jahwe, der das Volk Israel aus dem Sklavenhaus befreit hat. Das Mahlbild verbindet die biblischen Mahlszenen mit dem ureigensten Misereor-Anliegen, Menschen unterschiedlicher Kulturen gleichberechtigt an einen Tisch zu bringen. Im Betesdabild wird das Motiv der Tischgemeinschaft in die Dramatik des Helfens beziehungsweise Nichthelfens in der Welt von heute übersetzt.

Gleichzeitig erlauben die Bilder des Hungertuches auch einen Hinweis auf die Wasser-Thematik der Fastenaktion 1996. Das tödliche Wasser der Sintflut wird zum toten Wasser einer Zivilisation, die verseuchtes Wasser um den Preis eines fragwürdigen Fortschritts hinnimmt. Das Wasser im Mirjam-Bild befreit und bringt die stacheldrahtbewehrte Mauer zum Einsturz. Bei der Mahlszene steht sauberes Trinkwasser auf dem Tisch; es dient der Gesundheit und damit dem Leben. Beim Betesdabild bedeutet das Wasser für die Kranken Heilung und Gesundheit.

Mit vielen Wortmalereien interpretierte Jeschner die Darstellungen und Inhalte der Bilder. Mit zum Teil inhaltsvollen und philosophischen Gedankengängen forderte er von seinen Zuhörerinnen viel Konzentration und Mitdenken. Durch die begleitenden Texte wurden die Bilder des Hungertuchs jedoch lebendig. Jeschner hauchte ihnen geradezu Leben ein. Vorsitzende Monika Stopfer bedankte sich bei Pfarrer Jeschner mit einer „Fastenspeise“ für die „Misereor-Bilderreise“.

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