03.09.2020 - 12:37 Uhr
EschenbachOberpfalz

Berufsausbildung mit 56 Jahren: Zweifache Oma Edeltraud Duwe startet neu durch

Während die einen mit 56 Jahren schon einen Blick in Richtung Ruhestand werfen, absolviert Edeltraud Duwe erfolgreich eine neue Berufsausbildung. Ihr Beispiel könnte zum Ansporn auch für andere werden.

Ab sofort darf sich Edeltraud Duwe (Mitte) als gelernte Industrieelektrikerin bezeichnen. Personalleiterin Anette Enders von Rogers Germany überreicht das Abschlusszeugnis. Betriebsleiter Alexander Legat gratuliert ebenfalls.
von Siegfried BühnerProfil

„Die Theorie ist mir schon schwer gefallen, vor allem, als es um Mathematik-Aufgaben ging“, gesteht die 56-jährige Edeltraud Duwe. Kurz zuvor war ihr von der Personalleiterin Anette Enders der Firma Rogers Germany GmbH in Eschenbach das Zeugnis über den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung als Industrieelektrikerin der Fachrichtung Betriebstechnik überreicht worden. Es war gut zu erkennen, dass sich die 56-jährige Vollzeitbeschäftigte ganz besonders über ihr Berufsabschlusszeugnis freute. Schließlich ist es in der heutigen Arbeitswelt eine Seltenheit, dass jemand im Alter von deutlich über 50 Jahren noch eine Berufsausbildung absolviert. Ihren Gleichaltrigen empfiehlt die Absolventin eine solche Ausbildung ebenfalls, „wenn man sich dazu imstande fühlt“. Glückwünsche erhielt sie von vielen, darunter auch Betriebsleiter Alexander Legat und Richard Murr als Beauftragter des Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Weiden. Die Leistung der Frau Duwe sei schon deshalb besonders zu loben, sagte Murr, „weil die Ausbildung berufsbegleitend absolviert werden musste“. In den knapp zwei Jahren Ausbildungszeit wechselten sich Lehrgangszeiten im ÜBZO in Weiherhammer und Praxiszeiten im Ausbildungsbetrieb immer wieder ab. „Da braucht man schon ein ganz besonderes Durchhaltevermögen“, stellte Murr fest. Dies bestätigte auch die erfolgreiche Absolventin, denn schließlich ist sie als zweifache Oma auch noch in viele private Verpflichtungen im Eschenbacher Ortsteil Apfelbach eingebunden.

Susanne Schraml hat nach vielen Jahren bei der Firma Ponnath eine Weiterbildung gemacht

Kemnath

Seit mehr als 25 Jahren ist Duwe als ungelernte Mitarbeiterin bei der Rogers Germany GmbH beschäftigt. Als Jugendliche habe sie einst eine Ausbildung als Schneiderin absolviert, ohne jemals in diesem Beruf gearbeitet zu haben. „Elektrik war schon immer für mich interessant“, berichtet sie. Schon vor fünf Jahren habe sie überlegt, diese Ausbildung zu absolvieren. „Aber da konnte ich mich noch nicht überwinden.“ Jetzt freut sie sich, als Schichtführerin und Prozessbetreuerin zum Einsatz zu kommen. „Ab sofort darf ich auch, wenn es notwendig ist, in die Maschinen reinfassen“, erklärt die neue Industrieelektrikerin. Und dass sie jetzt in einer höheren Lohngruppe arbeitet „ist für mich auch wichtig für die Rente“. Dass das Risiko der Arbeitslosigkeit für die neue Fachkraft in Anbetracht des Fachkräftemangels gegen Null tendiert, betonte Arbeitsagenturvertreter Murr.

Hintergrund:

Rechtsanspruch auf Förderung eines Berufsabschlusses

Unterstützt wurde die Berufsausbildung durch Fördermittel der Arbeitsagentur Weiden, die aufgrund des sogenannten Qualifizierungschancengesetzes gewährt werden konnten. Ungelernte oder geringqualifizierte Arbeitnehmer, die einen anerkannten Berufsabschluss erreichen wollen, erhalten die Lehrgangskosten zu 100 Prozent ersetzt sowie einen Arbeitsentgeltzuschuss ebenfalls bis zu 100 Prozent des ausgefallenen Arbeitslohns. Seit dem 1. Januar dieses Jahres besteht aufgrund des sogenannten „Arbeit-von-morgen-Gesetzes“ für Ungelernte oder gering Qualifizierte sogar ein Rechtsanspruch auf Förderung eines Berufsabschlusses. Und damit der Anreiz sich für eine solche Ausbildung zu melden besonders groß ist, sieht das Gesetz bei erfolgreichem Absolvieren der Zwischenprüfung eine Weiterbildungsprämie von 1000 Euro, bei bestandener Abschlussprüfung eine Prämie von 1500 Euro vor. Auch werden für die Zeit der Ausbildung Zusatzkosten für Fahrten, Kinderbetreuung und Unterbringung von der Arbeitsagentur übernommen.

 

 

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