01.09.2020 - 14:58 Uhr
KemnathOberpfalz

Von der Hilfskraft zur Schichtführerin: Ponnath macht aus Not eine Tugend

Viele Branchen leiden in der Region unter dem Fachkräftemangel. Auch die Firma Ponnath gehört dazu. Statt über die Situation zu klagen, hat das Unternehmen ein Weiterbildungskonzept aufgelegt, das mittlerweile erste Erfolge zeigt.

Susanne Schraml machte vor drei Jahren eine Ausbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik. Sie prüft auf dem Bild, ob Mindeshaltbarkeitsdatum und Chargennummer des Produkts mit dem Fertigungsauftrag des Kunden übereinstimmen.
von Lucia Brunner Kontakt Profil

In der Region klagen viele Unternehmen über den Fachkräftemangel. Bei Ponnath in Kemnath wird versucht aus dieser prekären Lage eine Chance für ungelernte Kräfte zu schaffen. Ein Beispiel dafür ist Susanne Schraml. Sie arbeitet fast 26 Jahre in dem Unternehmen. Ihre Kollegen kenne sie alle als "Susi". Die 45-Jährige arbeitet als Schichtführerin im Bereich Verpackung. "Das mache ich seit Juli", sagt sie. "Ich bin am Anfang als Hilfsarbeiterin an eine Würstchenmaschine gekommen." Nach ihrem Hauptschulabschluss machte sie eigentlich eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. "Wegen der Arbeitszeiten bin ich dann zu Ponnath gegangen."

Rund fünf Jahre legte sie im Akkord die Wurst in die Maschine ein. "Als eine neue Maschine eingesetzt wurde, hieß es, dass es dafür einen stellvertretenden Maschinenführer braucht." Susi übernahm den Job und nach weiteren fünf Jahren wurde sie zur Maschinenführerin an einer Aufschnittmaschine. "Dort hatte ich die Verantwortung für alle, die dort arbeiten." Bei einer Besprechung vor drei Jahren machte das Unternehmen Susi und ihren Kollegen das Angebot, an verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen. So bekamen ungelernte Kräfte die Möglichkeit sich unter anderem als Metzger oder als Fachkraft für Lebensmitteltechnik ausbilden zu lassen.

"Wir waren die ersten Umschüler"

Eine Kollegin habe Susi gefragt, ob sie das gemeinsam angehen wollen. "Ich habe dann überlegt und mit meinem Bereichsleiter gesprochen. Der sagte: 'Mach das'." Finanziert wurde die Ausbildung über das Förderprogramm WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter) von der Bundesagentur für Arbeit. Susi gab bei der zuständigen Behörde einen Lebenslauf ab und telefonierte mit der Arbeitsagentur, die ihr schließlich das letzte OK gab.

Ich muss weniger körperlich schwer arbeiten, verdiene mehr Geld und es macht Spaß.

Susanne Schraml, Schichtführerin im Bereich Verpackung bei Ponnath in Kemnath

"Wir waren die ersten Umschüler", erinnert sich die 45-Jährige. Durch die Förderung hatten sie und ihre Kollegin keine Gehaltseinbußen. Die Weiterbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik dauert drei Jahre, bei Susi und ihrer Kollegin wurde sie auf zwei verkürzt. "In Bayern gibt es für diesen Beruf nur zwei Schulen. Wir hatten Blockschule in Kulmbach", sagt Susi. Im Ersten Lehrjahr ging es um die Grundlagen, im Zweiten um die Details und Prüfungsvorbereitung. Susi lernte einiges über Lebensmittel, chemische oder mikrobiologische Vorgänge bis hin zur Haltbarmachung. "Im Unternehmen musste man durch alle Abteilungen." Am Ende wurde auch in verschiedenen Bereichen geprüft. "In der Warenannahme machten wir eine Lkw- und Fleischkontrolle. Dabei mussten wir auf Optik und Geruch achten und alles einbuchen." Auf diese Weise kann am Ende der Produktion von jeder Packung Wurst nachverfolgt werden, von welchem Tier das verarbeitete Fleisch stammt.

Fettanalyse als Prüfungsaufgabe

"In der Kutterei haben wir das Fleisch vorbereitet und gewogen. Beim wolfen wurde das Fleisch auf die richtige Körnung gebracht." In der Qualitätssicherung mussten Proben genommen und ins Labor geschickt werden. "Wir machten eine Fettanalyse. Dabei wird das Fleisch fein zerkleinert. Dann kommt es in ein Gerät, das mit Lichtsensoren den Fettgehalt misst", weiß Susi. Heimspiel hatte die 45-Jährige in der Verpackungabteilung. "Hier mussten wir eine Maschine umbauen. Der Prüfer meinte zu mir, dass das noch nie ein Lehrling so schnell schaffte."

Nach dem erfolgreichen Abschluss wurde Susi von ihrem Bereichsleiter und der Personalchefin gefragt, in welchem Bereich sie arbeiten möchte. "Meine Heimat ist die Verpackung. Dann wurde mir die Stelle des Schichtführers angeboten", sagt Susi. Nach einem weiteren Jahr Trainee-Programm hat sie in ihrem Beruf nun mehr Entscheidungsfreiheiten, aber auch mehr Verantwortung. Zu ihren Aufgaben gehört das Einteilen der Mitarbeiter, die Kontrolle von Hygieneregeln und Messungen, Buchungen über SAP und Schulungen. Die Vorteile: "Ich muss weniger körperlich schwer arbeiten, verdiene mehr Geld und es macht Spaß." Zudem hat Susi weiter Kontakt zu den Mitarbeitern und langjährigen Arbeitskollegen. "Und ich weiß, wovon ich rede durch meine Erfahrung."

Nur negative Corona-Tests bei Ponnath in Kemnath

Kemnath
Hintergrund:

Internes Förderprogramm

An den sechs Standorten von "Ponnath - Die Meistermetzger" arbeiten 1400 Menschen in der Produktion. In einem Jahr werden rund 52.000 Tonnen an Fleisch- und Wurstwaren sowie Convenience-Produkten hergestellt. Zum Sortiment gehören ebenfalls vegetarische und vegane Produkte. Im Unternehmen wurde auch ein internes Förderprogramm entwickelt, das Nachwuchskräfte mit einer ersten abgeschlossenen Berufsausbildung für ihre Karriere fit machen soll. So können Mitarbeiter eine Technikerschule besuchen, Meisterausbildung machen oder ein weiterführendes Studium absolvieren. "Sowohl finanziell, wenn es um Kursgebühren geht, als auch mit großzügigen Arbeitszeitmodellen bis hin zur Freistellung. Wenn jemand aus eigenem Antrieb zu uns kommt, zeigen wir uns offen", sagt Personalleiterin Simone Mogos. "Die Weiterentwicklung technischer und digitaler Fähigkeiten wird ebenso gefördert wie die Erweiterung methodischer, sozialer und persönlicher Kompetenzen."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.