13.03.2019 - 17:50 Uhr
EschenbachOberpfalz

Buttersäure: Gestank höllisch, aber ungefährlich

Ein beißender Gestank führte am Montagabend zu der Evakuierung eines ganzen Mehrfamilienhauses in Eschenbach. Das Bayerische Landeskriminalamt fand heraus, dass es dabei um Buttersäure handelt. Der Gestank überrascht Experten nicht.

Das Landeskriminalamt hat bei einer Analyse die Substanz aus der Wohnung in Eschenbach analysiert. Es handelt sich um Buttersäure.
von Stefan NeidlProfil

Ottmar Gleixner vom Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden ist Chemielehrer. Der Studiendirektor erklärt: "Isoliert ist der Geruch penetrant, extrem nach Erbrochenem stinkend." Als Fettsäure sei die Buttersäure in Substanzen an Glycerin gebunden.

Doch was verursacht die Lösung der Verbindung? "Licht, Sauerstoffeinwirkung oder eine zu langen Lagerung bewirken eine Trennung. Das passiert nicht plötzlich, sondern ist ein schleichender Prozess." Dann beginnt es, höllisch zu stinken. Ansonsten gelte in der Chemie: "Buttersäure ist eine Carbonsäure mit der Formel C4H8O2."

Stinkend, beißend, undefinierbar

Eschenbach

Im Unterricht hat Gleixner früher Buttersäure verwendet. Heute seien die Versuche uninteressant und ohne praktischen Bezug. Die natürliche Substanz komme in Butter, Cremes, aber auch dem menschlichen Schweiß vor.

Der Leiter des Gesundheitsamtes Neustadt und Weiden, Dr. Thomas Holtmeier, sieht keine Gefahr für die Gesundheit durch die Säure: "Bereits ein paar Spritzer verursachen so einen extremen Gestank, dass es Menschen nicht lange in der Nähe der Quelle aushalten. Eine Vergiftung ist dadurch ausgeschlossen." Das Einatmen führe zu einer Reizung der Atemwege und verursache Husten.

Ein Kontakt mit der Haut führe ebenso zu einer leichten Reizung. "Ein Abwaschen kann eine Weile dauern. Ganz schwierig wird es bei Textilien. Da Buttersäure nur schwer verdampft und trotzdem arg riecht", meint der Mediziner.

Ermittlungsstand:

Nach wie vor unklar ist die Herkunft der Spritzer in der Wohnung. Polizeihauptkommissar Walter Schäffler von der Polizeiinspektion Eschenbach sagt, dass die Familie und ihr Umfeld bisher unauffällig waren. Auf die Nachfrage nach Einbruchsspuren und der Beteiligung Dritter, antwortete er nur, dass es in den nächsten Tagen intensive Befragungen geben werde.

Die Bewohner der Wohnung in der Stirnbergstraße waren am Montag nur wenige Stunden weg. Bei der Rückkehr bemerkten der 29-jährige Mann, seine Frau und die dreijährige Tochter einen bestialischen Gestank und riefen die Polizei.

Der stellvertretende Pressesprecher vom Landratsamt in Neustadt/WN Reinhard Schmid beschreibt die Auswirkungen des Vorfalls: "Sechs Familien mussten aus ihren Wohnungen ausziehen. Fünf davon konnten bis Dienstagabend wieder zurückkehren. Die sechste Wohnung bleibt unter polizeilicher Versiegelung." In dieser Wohnung waren die stinkenden, feuchten Spritzer gefunden worden.

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