12.03.2019 - 18:36 Uhr
EschenbachOberpfalz

Stinkende Flüssigkeit ist Buttersäure

Eine stinkende Flüssigkeit in einer Eschenbacher Mietwohnung gibt seit Montag Rätsel auf und sorgt für einen Großeinsatz. Worum es sich bei der Substanz handelt, kann das Landeskriminalamt erst am späten Dienstagnachmittag klären.

Einsatzkräfte beim Messen.
von Marion Espach Kontakt Profil

Eschenbach. Den Geruch, der sich in der Mietwohnung einer dreiköpfigen Familie ausbreitete (wir berichteten), beschreibt Udo Drechsler als abartig. "Jeder weiß, wie ein totes Tier, Gülle oder faule Eier riechen. Dieser Gestank kann aber mit nichts davon verglichen werden", erklärt der Kommandant der Eschenbacher Feuerwehr. Weil weder die Polizei, noch Chemikalienschutzanzug-Träger (CSA-Träger) der Feuerwehr die Flüssigkeit einordnen konnten, sollte das Bayerische Landeskriminalamt (LKA) in München klären, worum es sich dabei handelt. Eine Analyse am Dienstag hat laut Landratsamt und Polizei Eschenbach ergeben: Buttersäure verursachte den Gestank. Die Eschenbacher Polizei hatte einen in der Wohnung sichergestellten Vorhang und eine Mütze zur Untersuchung eingeschickt.

Gut lüften

Nachdem der 29-jährige Mann, seine Frau und seine Tochter (3 Jahre) den bestialischen Gestank am Montagabend in ihrer Wohnung in der Stirnbergstraße bemerkt hatten, alarmierten sie die Polizei. Eine Entscheidung, die Hauptkommissar Walter Schäffler nachvollziehen kann. "Der Geruch war kaum auszuhalten. Er hat sich sogar in der Kleidung festgesetzt." Der Familie gehe es aber gesundheitlich gut. Der Gestank strömte von etwas aus, das Schäffler wie feuchte Spritzer beschreibt. "Die waren in einigen Räumen auf dem Boden zu finden."

Weil sich diese Spritzer relativ schnell verflüchtigten, packten CSA-Träger der Eschenbacher und Grafenwöhrer Feuerwehr sowie der Lagerfeuerwehr Textilien wie Vorhänge und Kissenbezüge in Container. "Die haben wir dann der Polizei übergeben", sagt Feuerwehrchef Drechsler.

Dass die Eschenbacher Wehr mit CSA-Trägern anrücken muss, kommt nicht so häufig vor. "Das letzte Mal ist schon ein paar Jahre her. Unser tägliches Brot ist das also nicht", informiert Drechsler. Am Montag aber waren vier CSA-Träger seiner Wehr im Einsatz, Kameraden aus Grafenwöhr und Pressath unterstützten sie dabei. Auch Hauptkommissar Schäffler kann sich an einen ähnlich gelagerten Fall nicht erinnern. "Meistens wurden wir wegen etwas Banalem gerufen, beispielsweise wegen Kanalisationsgestank."

Die Polizei Eschenbach geht in ihrer Pressemeldung von Dienstag, kurz nach 17 Uhr, davon aus, dass nach Auskunft des Gesundheitsamtes die Bewohner noch am Abend in ihre Wohnungen zurückkehren können. Der Sprecher des Neustädter Landratsamts äußert sich jedoch zurückhaltender: Wann die betroffene Familie wieder in ihre Wohnung darf, sei ihm zufolge noch unklar. Die restlichen Bewohner dagegen dürften in Kürze wohl wieder zurück, meint Reinhard Schmid, stellvertretender Pressesprecher.

Ein Gutachter habe die gesundheitliche Einschätzung vorgenommen, dass Buttersäure zwar eine ätzende und atemwegsreizende Wirkung hat, eine "realistische gesundheitliche Gefährdung wegen des starken Geruchs allerdings nicht besteht". Die Polizei Eschenbach aber betont, aufgrund des ausgeprägten unangenehmen Geruchs werde empfohlen, die Wohnungen ausreichend zu belüften. Gegenstände, die in Berührung mit der Substanz gekommen sind, müssen aufgrund des lange anhaftenden Geruchs meist entsorgt werden.

Der Artikel zum Großeinsatz am Montagabend:

Eschenbach

Polizei hat viele Fragen

Das alles erfährt die betroffene junge Familie in Pegnitz. "Wir haben sie dort vorübergehend in einem Hotel untergebracht", berichtet Eschenbachs Bürgermeister Peter Lehr. Zwar steht nun fest, welcher Art die Flüssigkeit ist. Fraglich bleibt, wo sie herkam. "Dort, wo die Spritzer zu sehen waren, gibt es nichts, aus dem sie austreten hätten können", sagt Polizeisprecher Schäffler. Es sei daher nicht auszuschließen, dass bislang unbekannte Dritte etwas damit zu tun hätten. Eine Befragung der Familie sowie von Nachbarn habe bisher nichts ergeben. Die polizeilichen Nachforschungen würden sich aber weiter auf die Ermittlung des Verursachers und die Umstände der Tat konzentrieren.

Info:

Buttersäure

Der Geruch von Buttersäure, auch als Butansäure bekannt, kann von Menschen und Tieren schon in geringer Konzentration wahrgenommen werden. Buttersäure macht laut Wikipedia im Wesentlichen den Geruch von Erbrochenem oder ranziger Butter aus, trägt zu Schweißgeruch und in manchen Fällen zu Mundgeruch bei. Da die Buttersäure unter anaeroben Bedingungen durch Buttersäurebakterien aus Kohlenhydraten gebildet wird, kommt sie in Lebensmitteln vor, zu deren Zubereitung Gärprozesse notwendig sind: zum Beispiel in Käse, Sauerkraut, Bier, Brot, Milch, Fleischsaft und Holzessig. Wie die Buttersäure in der Wohnung in der Stirnbergstraße entstand und wie sie dorthin kam, ist am Dienstag noch unklar.

CSA-Träger im Einsatz:

Oft müssen die Eschenbacher Chemieschutzanzug-Träger, kurz CSA-Träger genannt, nicht ausrücken. Dennoch kommt es vor – wie am Montag, als die Einsatzkräfte wegen einer undefinierbaren, übelriechenden Substanz in die Stirnbergstraße alarmiert wurden. Dann muss der Umgang mit dem Chemikalienschutzanzug, eine Schutzausrüstung, die den Träger vom von seiner Umwelt isoliert, sitzten. „In einer zweiwöchigen Ausbildung lernt man, mit Anzug und Atemschutzgerät umzugehen“, erklärt Feuerwehrkommandant Udo Drechsler. Zuvor müsse man einen Atemschutzlehrgang absolvieren. CSA-Träger werden so ausgebildet, dass sie radiologisch, chemisch oder bakteriologisch kontaminierter Umgebung arbeiten können. Die Schutzanzüge dürfen nur einmal getragen werden und sind nach einem Einsatz zu entsorgen. Zur Atemluftversorgung wird meistens ein Pressluftatmer auf dem Rücken getragen.

Das Mehrfamilienhaus in der Eschenacher Stirnbergstraße ist Montag evakuiert worden.
In Schutzanzügen stellten die Einsatzkräfte die Flüssigkeit sicher.
Einsatzstelle am Stirnberg
Einsatzkräfte bei der Betreuung durch das BRK.
Die Feuerwehr sperrte den Bereich um die Stirnbergstraße ab.
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