17.02.2021 - 12:04 Uhr
EschenbachOberpfalz

Corona-Tourismus im Wald: Spaziergänger als purer Stress für Wildtiere

Der Winter setzt den Waldtieren im Kreis Neustadt und in Weiden gerade zu. Noch mehr Stress bereiten ihnen aber die Spaziergänger und Radfahrer, die es bei schönem Wetter nach draußen zieht. Was sagen die Förster zum neuen Corona-Tourismus?

Immer mehr Spaziergänger sind momentan im Wald unterwegs. Für die Wildtiere bedeutet das noch mehr Stress in der eisigen Jahreszeit.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

In den Wäldern im Landkreis Neustadt/WN und rund um Weiden ist so viel los wie wohl schon lange nicht mehr. Weil die Menschen momentan wegen der Corona-Pandemie nicht in den Urlaub fahren können und auch sonst nichts geboten ist, haben sie die Natur vor ihren Haustüren für sich neu entdeckt. Dick eingepackt in warme Kleidung stiefeln sie nun immer mehr durch die verschneiten Wälder, rodeln Hänge hinab oder fahren sogar mit dem Mountainbike zwischen den Bäumen durch. Erholung pur – allerdings nicht für die Tiere, die dort leben.

In Coronakrise Interesse an Natur in Bayern gewachsen

Bayern

Denn nicht alle Waldbesucher halten sich an die vorgegebenen Wege, weiß Stefan Bösl, Leiter des Flossenbürger Forstbetriebs der Bayerischen Staatsforsten. Die aktuell im Trend liegenden Schneeschuhwanderungen seien beispielsweise ein großes Problem in dem rund 16.000 Hektar großen Gebiet, das sich über den östlichen Landkreis Neustadt/WN, den Altlandkreis Oberviechtach und Teile des Landkreises Tirschenreuth erstreckt. Die Wanderer seien oft abseits der Wege unterwegs und verscheuchen so das Wild. "Bei der Flucht verbrauchen die Tiere große Fettreserven. Durch den tiefen Schnee braucht es sehr viel Kraft", erklärt er. Die Reserven benötige das Wild allerdings, um durch den dieses Mal besonders kalten Winter zu kommen.

Rücksicht aufeinander nehmen

Für die Pflanzen sei der Corona-Tourismus abseits der Waldwege auch nicht förderlich. Die Stahlkanten von beispielsweise Skiern könnten die Triebe der kleinen Bäumchen unter dem Schnee verletzen. "Wir versuchen mit Langlaufloipen alles zu konzentrieren und zu kanalisieren. Wenn alle ein bisschen Rücksicht aufeinander und die Natur nehmen", wäre es gut, sagt der Forstbetriebsleiter, der sich jedoch auch darüber freut, dass Spaziergänger, Fahrradfahrer und Co. den Wald wieder für sich entdeckt haben. Allerdings sollten auch die Mountainbiker auf den vorgegebenen Trails bleiben. Um das Problem in Zukunft besser in den Griff zu bekommen, will sich Bösl demnächst mit der Unteren Naturschutzbehörde und Vertretern des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald zusammensetzen und ein Konzept erarbeiten.

Reh in Weiher eingebrochen

Stadtförster Martin Gottsche, der unter anderem auch für das Naturschutzgebiet um den Großen Rußweiher in Eschenbach zuständig ist, hat den Trend der Schneeschuhwanderungen auch schon in seinem Revier beobachtet. Er appelliert an die Vernunft der Waldbesucher, den Seeadler in den Eschenbacher Wäldern in Ruhe brüten zu lassen und auch das Wild am Boden nicht zu verscheuchen. Spaziergänger mit Hunden sollten nicht kreuz und quer durch den Wald marschieren, sondern ebenfalls auf den Wegen bleiben, rät er. Ein typisches Beispiel für ein aufgeschrecktes Reh sei der Vorfall am 9. Februar am Obersee-Damm gewesen. Zwar sei das nur eine Vermutung, aber laut Gottsche sei kein anderer Grund nachvollziehbar, warum ein Reh mitten am Tag in einen Weiher einbricht.

Reh überlebt trotz Rettung aus Rußweiher nicht

Eschenbach

Nicht ganz so problematisch sieht Wolfgang Winter, Stadtförster von Weiden, den neuen Trend, im Wald spazieren zu gehen. "Es ist auf jeden Fall auffällig, dass viel mehr Menschen unterwegs sind und Freude an der Natur haben. Das ist schön. Vielleicht lernen die Leute mehr zu schätzen, was es bei uns alles an Tieren und Pflanzen zu beobachten gibt, und setzen sich mehr dafür ein", kommentiert er den Corona-Tourismus. "Ich stelle in aller Regel fest, dass die Leute auf den Wegen unterwegs sind." Große Probleme mit Schneeschuhwanderern gebe es auch nicht, eher mit Fahrradfahrern, die ihre Touren querfeldein auf dem Fischerberg drehen.

Rehe stehen auf einer schneebedeckten Lichtung und beobachten die Umgebung. Sie müssen nun immer öfter vor den vielen Spaziergängern in den Wäldern flüchten.
Hintergrund:

Die Tiere des Waldes

  • In den Wäldern im Landkreis Neustadt/WN und rund um die Stadt Weiden leben viele große und kleine Wildtiere. Der Weidener Förster Wolfgang Winter zählt dazu vor allem Rehe, Hirsche, Hasen, Füchse, Dachse, Luchse, Wildschweine und Marder. Auch Wölfe siedeln sich in der Region mittlerweile wieder an.
  • Die Tiere des Waldes verstecken sich meist im Dickicht. In der Dämmerung und nachts wagen sie sich aber auch schon mal auf Lichtungen und Felder.

 

 

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