20.05.2020 - 10:33 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Eiserner Jüngling" kommt im Leichenwagen

Schon seit vielen Jahren gehört der "Arnuflsbrunnen" zum Eschenbacher Stadtbild. Doch auch über die Stadtgrenzen hinaus war er bekannt und wurde 1995 auch in Regensburg zum Blickfang.

Ein Blickfang im Hof der Straßenmeisterei: Der " Eiserne Jüngling" kam als "Leiche" von der Donaustadt in die Rußweiherstadt.
von Walther HermannProfil

Vor 92 Jahren zog er im Leichenwagen in die Rußweiherstadt ein. Seit 45 Jahren ist der als „Arnulfsbrunnen“ oder „Eiserner Jüngling“ das Schmuckstück in der Straßenmeisterei. Im Juni 1995 war er sogar für drei Tage eine „besondere Attraktion“ beim Bürgerfest in Regensburg. In den Berichten zu dieser Leihgabe beim Bürgerfest an der Donau war viel Interessantes über die Odyssee des Brunnens zu lesen. Denn ursprünglich stand die Statue auf dem Arnulfsplatz in Regensburg. Vermutlich musste der Brunnen verschwinden, als der Platz damals umgestaltet wurde. Sicher ist nur, dass die Eschenbacher Stadtväter im Jahr 1928 einen Leichenwagen in Regensburg kaufen wollten und beim Abholen die Gelegenheit nutzten, auch den Brunnen mitzunehmen.

Unklar ist allerdings, woher die Eschenbacher von der Existenz des Brunnens wussten, denn als sie nach Regensburg kamen, war das Denkmal schon abmontiert. Dies bestätigte vor 25 Jahren Sebastian Rosner, Bildhauer und Leiter der Werkstatt für Denkmalpflege in Regensburg. Dieser vermutet auch, dass die Statue einen bayerischen Adeligen darstellt. Sehr dekorativ, erhielt der Brunnen auf dem örtlichen Karlsplatz fortan einen Ehrenplatz. Die Eschenbacher frotzelten damals, sie hätten einen Leichenwagen mit einer Leiche bekommen. Die Leiche „erwachte“ dann jedoch als sprudelnder Brunnen zu neuem Leben.

Eine Unterstellung dürfte ein Kommentar im Juni 1995 sein, in dem es hieß: „Doch der Zahn der Zeit nagte arg an dem gusseisernen Denkmal und die Witterung verwandelte das Schmuckstück in einen Rosthaufen. Schließlich störte die Stadt der immer mehr verfallende Brunnen und suchte einen Käufer". Als in der Ära von Bürgermeister Hans Grünwald (1966–1972) der Karlsplatz an Stelle des alten Kopfsteinpflasters eine Bitumendecke erhielt, war der Brunnen vielmehr für überflüssig betrachtet und zum Nulltarif feilgeboten worden. Max Appl, der damalige Leiter der Eschenbacher Straßenmeisterei, erbarmte sich des Brunnens und der dazugehörenden Figur, ließ ihn zerlegen, sanieren und bemalen und gab dem „Eisernen Jüngling“ im Eingangsbereich eine neue Bleibe. Als die Straßenmeisterei 1975 in die neuen Gebäude in der Grafenwöhrer Straße umzog und die alten Anlagen zum städtischen Bauhof umfunktioniert wurden, wechselte der Brunnen erneut seinen Standort.

Max Appls Mitarbeiter verpassten dem gusseisernen Stück wieder einen freundlichen Anstrich und sicherten durch liebevolle Pflege seine weitere Existenz. Eine am Sockel angebrachte Tafel gibt Zeugnis von der Appl’schen Initiative. Als die Regensburger den Brunnen im Juni 1995 für einige Tage als Staffage für ihr Bürgerfest abholten, zeigte sich, wie sehr er den Beschäftigten der Straßenmeisterei ans Herz gewachsen war. Denn die Regensburger Abbaumannschaft erhielt den Auftrag: „Bringt ihn wieder heil zurück.“

Eine Tafel erinnert an Max Appl, damalige Leiter der Eschenbacher Straßenmeisterei.
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