12.07.2020 - 13:38 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbach: Feldgeschworene werden vereidigt

Die amtierenden Feldgeschworenen erhielten Verstärkung: Eschenbachs Bürgermeister Marcus Gradl vereidigte Alfons Ficker, Johann Rupprecht und Werner Schreml.

Bürgermeister Marcus Gradl (links) vereidigt (von rechts) die Feldgeschworenen Johann Rupprecht, Werner Schreml und Alfons Ficker. Dem Zeremoniell wohnen (von links) Hermann Prölß, Max Hesl und Heinz Jantschik bei.
von Walther HermannProfil

Feldgeschworene üben das älteste noch erhaltene Ehrenamt der kommunalen Selbstverwaltung aus. Ihr Ursprung liegt in den alten Mark- und Feldgerichten. Den Gemeinden obliegt es, Feldgeschworene für ihr Gebiet durch Wahl zu bestellen. Im Sitzungssaal des Rathauses vollzog das Stadtoberhaupt dafür den offiziellen Akt. Neben den „alten Hausen“ Max Hesl und Heinz Jantschik hieß er als Vertreter des Vermessungsamts Hermann Prölß willkommen, der die Feldgeschworenen künftig in deren Amt unterstützen wird.

In verkürzter Form sprach Gradl die Aufgaben der Feldgeschworenen an: Durchführung von Abmarkungen, Erhalt von Grenzzeichen, Grenzbegehungen und Suche nach gesetzten Grenzsteinen. Er räumte ein, dass ihm der Begriff "Siebenergeheimnisse" neu war und dankte den Berufenen für deren Bereitschaft. Hermann Prölß sah in ihnen wichtige Vertrauensleute der Kommune. Sein geschichtlicher Rückblick reichte zurück bis ins Jahr 715 vor Christus unter König Numa Pompilius von Rom, der Schiedsmänner zur Überwachung von Grenzen und als Schlichter bei Grenzstreitigkeiten einsetzte und fünf Fuß breite Raine als Niemandsland ansetzte. Auf seiner Reise durch die Vergangenheit machte er Station gegen Ende des 15. Jahrhunderts, als in Franken die ersten Siebenverordnungen als Vorgänger der heutigen Feldgeschworenenordnung mit Festlegung der Rechte und Pflichten entstanden. Die Einführung von Siebenergerichten als Bauerngerichte war verbunden mit der Rechtsprechung bei kleineren Delikten.

Prölß kam auch auf die ersten Feldgeschworenen in der Oberpfalz zu sprechen, die mit der Einführung des ersten Abmarkungsgesetzes 1868 vereidigt wurden und versicherte: „Zu dieser Zeit waren nur die Feldgeschworenen befugt, neue Grenzsteine zu setzen oder alte Grenzsteine zu entfernen oder zu erneuern.“ Den damaligen Bezirksgeometern sprach er lediglich die Befugnis zu, die von den Feldgeschworenen gesetzten Steine nachträglich (innerhalb von drei Jahren) einzumessen und die Flurkarten zu ergänzen.

Feldgeschworene der Stadt Eschenbach

Eschenbach

Den heutigen Feldgeschworenen bescheinigte er eine Vermittlerrolle zwischen Behörde und Bürger, die im Vorfeld der Messung die Bereitstellung von Werkzeug und Abmarkungsmaterial organisieren und bei Vermessung und Abmarkung tatkräftig mitwirken. Einer Dienstanweisung glich seine Aussage: „Ist mal ein Beteiligter bei der Vermessung verhindert, so übernimmt der Feldgeschworene auch nach Feierabend oder am Wochenende die Einweisung in die festgestellten Grenzen. Auch als Schlichter sind Feldgeschworene heute hin und wieder tätig.“Prölß ergänzte die Aussagen Gradls zu den Aufgaben der Feldgeschworenen und übergab die Feldgeschworenenordnung. Er kündigte Fortbildungsmaßnahmen, Fachaufsicht durch das Vermessungsamt und Rechtsaufsicht durch die Stadt an.

Gemäß den Vorgaben des Abmarkungsgesetzes und der Feldgeschworenenordnung schworen Ficker, Rupprecht und Schreml unter anderem „Gehorsam den Gesetzen, gewissenhafte und unparteiische Erfüllung meiner Amtspflichten, Verschwiegenheit und zeitlebens Bewahrung der Siebenergeheimnisse“ (Anm. d.R.: Versehen der Grenzsteine mit geheimen Zeichen).

Einstimmigkeit herrschte bei der Wahl des Obmannes und dessen Stellvertreters. Die Dienstzeit von Max Hesl und Heinz Jantschik besteht für sechs Jahre.

Info:

Eigenschaften eines Feldgeschworenen

Welche Anforderungen und Charaktereigenschaften vor einem halben Jahrtausend von einem Feldgeschworenen verlangt wurden, beschrieb Hermann Prölß, Vertreter des Vermessungsamts, Auszügen aus einer damaligen Feldgeschworenenordnung: „Soll jeder seyn im Ort geboren, und soll zehn Jahre Burgger seyn, eh man in zum Feldschieder machet, dieweilen sich in dieser Zeit seine ganze Beschaffenheit zeiget und man erkennet ob er,

a) nicht ein rachsüchtiger und unverschämter Erdenwurm ist,

b) nicht ein Säufer, ein Spieler, ein Streiter und ein Schwärmer ist,

c) ein ruhig gelassener, bei jedem Streit gesetzter Mann ist,

d) die Gränze seiniger Nachbarn im Dorf und Feld in Ordnung hält,

e) einen gut richtigen Ausspruch bey jeglichem Streit tun kann,

f) ein gut Hauswirth ist, er sein Eigen auf rechte Weis zu vermehren suchet,

g) im Rechnen und Schreiben bestellt ist". (rn)

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