25.03.2020 - 10:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbach: Naturfriedhof als Beisetzungsort

Die Arbeiten am und für den künftigen Ruhewald in der Flur „Birschling“ befinden sich in der Endphase. Zwischen dem ersten Vorschlag und der Umsetzung des Konzepts liegen sieben Jahre.

Sonnendurchflutet zeigt sich ein Teil des künftigen Naturfriedhofs in der Flur "Birschling".
von Walther HermannProfil

Die derzeitigen gestalterischen Arbeiten vermitteln erste Eindrücke zum Aussehen der künftigen Beisetzungsstätte. Sie gleicht einem lichten Eichenhain. Unterwuchs ist oder wird noch entfernt und gemulcht.

Erstmals Thema im Stadtrat war der neue Beisetzungsort im April 2013. Als es um die Erweiterung der Urnenanlage im städtischen Friedhof ging, war kurz über den Vorschlag von Martin Gottsche debattiert worden, einen Naturfriedhof anzulegen. Bei der Waldbegehung im Oktober 2013 stellte der Forstmann ein Areal östlich der Tennisplätze als geeignete Fläche vor. Im November 2014 nahmen die Kommunalpolitiker die etwa einen Hektar große Fläche mit bis zu 100 Jahre alten Eichen genauer in Augenschein.

Am 1. Februar 2018 stellte der Stadtrat die Weichen für die neue Beisetzungsstelle. Reinhard Sperber, damals Geschäftsführer der Verwaltungsgemeinschaft, nahm aus baurechtlicher Sicht Stellung zum vorliegenden Bauantrag. Nach diesem soll der Ruhewald eine Zufahrt vom Bauhof aus, eine 1,2 Meter hohe Umzäunung aus Holz mit zwei Toren und ein Netz aus Split und begrünten Erdwegen erhalten. Für den zentralen Versammlungsplatz sind im Halbkreis angeordnete Bänke, ein Ambo und ein etwa fünf Meter hohes Kreuz vorgesehen. Die Urnengräber sind um die Bestandsbäume anzulegen. Der Parkplatz vor dem Naturfriedhof soll einen Schotterrasen erhalten. Bereits damals sprach Gottsche von einer Zeitspanne von drei Monaten, die ausreiche, um nach dem Mulchen, dem Anlegen der Wege und der Beschilderung an den Bäumen, die Beisetzungsstätte ihrer Bestimmung zu übergeben. Der Forstmann räumte ein, dass das Vorhaben „emotionell belastet“ ist, und rief zu Toleranz auf. Er sah in der Beisetzungsstätte für Personen ohne Angehörige vor Ort eine „gute Lösung“. Den Wunsch nach 100 Urnenplätzen hielt er für „relativ schnell umsetzbar“.

Marcus Gradl wusste von kontrovers geführten Gesprächen und stellte Aufwand, Nachteile für Gewerbetreibende und erforderliche Maßnahmen zur Verkehrssicherung zur Diskussion. „Die Nachteile überwiegen“, zeigte er sich überzeugt und hielt es für sinnvoller, die Gelder für Reparatur- und Instandhaltung des städtischen Friedhofs zu verwenden. Auch Ludwig Schneider hielt nichts von einem Ruhewald und den dafür anfallenden Ausgaben. Die Urnenanlage am Friedhof hielt er für ausreichend.

„Wir sind wegen zunehmender Anfragen in die Planung eingetreten, hielt dritter Bürgermeister Klaus Lehl dagegen und erklärte: „Wir erfüllen mit dieser Beisetzungsstelle das Bedürfnis von Interessenten eines weiten Umkreises.“ „Beim Einstieg auf Urnengräber gab’s auch Widerspruch“, erinnerte Fritz Betzl. Er hielt es für angebracht, sich dem Wandel nicht entgegenzustellen, und zeigte sich erfreut, dass das von Architekt Fetsch ursprünglich angesetzte Kostenvolumen um zwei Drittel auf unter 50.000 Euro „abgespeckt“ wurde. Einen „Familienbaum“ im künftigen Ruhewald konnte sich Matthias Haberberger vorstellen. Nach dieser längeren Aussprache stimmten nur Marcus Gradl (CSU) und Ludwig Schneider (SPD) gegen die Anlage.

Als der Stadtrat am 28. März 2019 die Aufstellung eines qualifizierten Bebauungsplans beschloss und die Verwaltung beauftragte, die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit in Form einer einmonatigen Auflage des Vorentwurfs und die frühzeitige Beteiligung der Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange durchzuführen, sprach Fetsch von einer steten und fruchtbaren Kontaktpflege mit Martin Gottsche, der in dem „Sondergebiet Ruhewald“ relevante Bäume stehen gelassen hat, und merkte an: „Seine vorausschauende Planung ist erkennbar.“

Die vorletzte Hürde nahm der Ruhewald am 24. Oktober 2019. Der Stadtrat stellte die 14. Änderung des Flächennutzungsplanes fest und beschloss den Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan. Vorausgegangen war die Behandlung der während der zweiten öffentlichen Auslegung von Flächennutzungs- und Bebauungsplan eingegangenen Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange.

Nach den nach der kurzen Winterpause begonnenen Rodungs- und ersten Gestaltungsarbeiten ist nun „Feinarbeit“ gefragt. Den lichten Eichenhain durchzieht ein gewundener Schotterweg, in den der Versammlungsplatz eingebunden ist. 100 Bäume, um die sich die ersten Urnengräber fügen werden, haben Markierungen erhalten. In den gerodeten Waldboden wurden Strauchsetzlinge gepflanzt. Das Kreuz für den Versammlungsplatz hat die Waldjugend bereits montagebereit angefertigt. Gleiches gilt für den Ambo bei Steinmetzmeister Martin Dilling. „Der Maschinenring wird noch in dieser Woche Mulchmaterial aufbringen“, kündigte Gottsche an.

Voraussetzung für die Freigabe des Ruhewalds ist jedoch der Beschluss der Gebühren- und Nutzungssatzung durch den Stadtrat. „Diese Satzungen sind noch nicht formuliert“, erklärte dritter Bürgermeister Klaus Lehl in der Januarsitzung des Stadtrats auf Nachfrage von Thomas Ott. Wie Geschäftsleiterin Heike Biersack auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien versichert, hat die Verwaltung in der Zwischenzeit „ihre Hausaufgaben gemacht“. Die beiden Satzungen, im Stadtrat bereits vorberaten, hätten in der Märzsitzung des Stadtrats endgültig beschlossen werden sollen. Sie stehen nun auf der Tagesordnung der nächstmöglichen Sitzung nach Ende der Coronakrise.

Der Versammlungsplatz des Ruhewalds ist bereits deutlich erkennbar
Info:

Katholische Kirche: Grabstätte im Naturfriedhof darf nicht anonym sein

Der Naturfriedhof als Beisetzungsort ist von der Katholischen Kirche bereits anerkannt. Udo Müller hat den Eschenbacher Stadtrat bereits vor längerer Zeit auf eine entsprechende Instruktion des Vatikans aus dem Jahr 2016 informiert. Er bezog sich auf die im Oktober 2016 erfolgte Instruktion von Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, mit der die Katholische Kirche den Umgang mit Feuerbestattungen regelt. Vorgegeben ist, dass die Asche an einem „heiligen Ort“ aufbewahrt wird, wie etwa auf Friedhöfen oder in Kirchen. Bestattungen im Naturfriedhof lässt die Katholische Kirche dann zu, wenn die Grabstätte nicht anonym ist. Nach einer Veröffentlichung der FriedWald GmbH in Griesheim bei Darmstadt, die nach unermüdlicher Informations- und Kommunikationsbereitschaft mit dem Vatikan ihr lange angestrebtes Ziel erreicht hat, lässt das Konzept den Menschen die Möglichkeit, den Baum im Naturfriedhof, der mit einer Nummer gekennzeichnet ist, mit einem Schild zu versehen, auf dem ein Name, ein Kreuz und die Daten des Verstorbenen eingraviert sind. Diese Markierung ermöglicht es Familienangehörigen und Freunden, den Ort des Gedenkens jederzeit aufzufinden. Juristin Petra Bach der FriedWald GmbH erklärt dazu: „Für viele Menschen wird der Wald zu einem Ort, an dem sie Trost finden. Zugleich bedürfen viele Angehörige beim Abschied von einem geliebten Menschen der seelsorgerischen Unterstützung durch einen Priester. Wir sind froh, dass dies ohne Weiteres möglich ist. Fast alle ,FriedWald'-Standorte wurden mit Vertretern beider Kirchen eröffnet.“ (rn)

In zentraler Lage wird dieses Kreuz, angefertigt von der Waldjugend, einen Standplatz erhalten.
Die Beisetzungsstätten sind bereits nummeriert.
Der funktionsgerechte Ambo wartet noch auf seinen "Umzug" in den Stadtwald.
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