04.08.2021 - 12:12 Uhr
EschenbachOberpfalz

Als Eschenbach vor über 200 Jahren pleite war

Um das Jahr 1802 stand es nicht gut um die Stadt Eschenbach. Ein gewaltiger Schuldenberg zwang die Verantwortlichen zu massenhaft Verkäufen von Weihern und Mühlen. Das Urteil des Staatskommissärs fiel vernichtend aus.

Hier im Rathaus sitzen Bürgermeister und Stadtverwaltung heute. Vor über 200 Jahren hatten ihre Vorgänger mit einem Schuldenberg zu kämpfen.
von hevProfil

1802 gab es vom Staatskommissär Joseph von Destouches ein vernichtendes Urteil über die Stadt Eschenbach und ihre Verwaltung. In seinem Bericht heißt es: "Wenn man die Bürger nicht ganz aussaugen will, könne die Stadt ihre Schulden nie und nimmer abtragen. Von den vier verantwortlichen Bürgermeistern war einer fast blind (Aign), einer taub (Burger 87 Jahre), einer verstorben (Michael Fichtl), und einer mit seinem Betrieb sehr beschäftigt (Dorfner)."

Auch die Meinung Destouches über die Eschenbacher fällt vernichtend aus: "Das Volk von Eschenbach erscheint als ein Haufen sittenloser, ungestümer, eigensinniger, unüberlegter und unvernünftiger Menschen, die niemals einen Unterricht genossen, sondern immer hier nach zügelloser Leidenschaft gehen, wenn es darum ankömmt, den Gesetzen und ihrer Obrigkeit zu trotzen, veraltete Observanzen zu verteidigen." Junge Leute, die sich eine Kandidatur für das Bürgermeisteramt oder den Magistrat über legt hatten, schreckten angesichts der desolaten Lage zurück.

Geld aus Verkäufen verschwunden

Die Stadt Eschenbach beschloss daher weiteren Besitz zu veräußern. Schon 1790 hatte man einige Weiher verkauft, 4500 Gulden hatte man eingenommen. "Wo all das Geld hingekommen ist, ist nicht aufzuklären." (Destouches) Nun beginnt man erneut: Man verkauft alle Mühlen der Stadtkammer: Die Eschenbacher Mühle (1806), die Stadtmühle (1806), die Fledermühle (1813), Grünhund und letztlich die Holzmühle. Dazu die Ziegelei und das Gut Weidlberg. Dann denkt man daran, die großen Weiher anders zu nutzen.

Der Große Rußweiher (Obersee) wird trocken gelegt und als Viehweide und Torfstich genutzt. 1886 wird er erst wieder angedämmt. Einer Trockenlegung des unteren Rußweihers widersetzen sich die Müller (Fledermühle, Stadtmühle, Eschenbacher Mühle), weil sie alte Wasserrechte haben und nur mit dem Eschenbach allein, ihre Mühlen nicht betreiben können. Der Stadtweiher kann schon deshalb nicht trocken gelegt werden, weil er aus den Versitzgruben der Stadt alle Abwässer "verdünnen" muss. Viele Grundstücke gehören der Stadt, man verkauft jetzt etwa 100. Dazu gehören unter anderem der "obere, der mittlere und untere Stirnbergweiher". Dabei flossen natürlich auch Schmiergelder.

Probleme mit umliegenden Bauern

Man möchte auch wie in Kirchenthumbach die Bürgerwaldungen parzellieren und verkaufen. Doch hier gibt es Schwierigkeiten. Das Dessenreuth kann nicht verkauft werden, da von den Zettlitzer, Pichlberger und Gruber Bauern noch ein Prozess anhängig ist, der das Weiderecht betrifft. Der Richter sei zuerst wahnsinnig geworden und dann gestorben, erzählt der Akt. Also könne es noch dauern, bis dieser Wald privatisiert werden kann.

Mit dem Ziega (dem Wald an der Creußen Richtung Eschenbach) gibt es auch Schwierigkeiten. Zwar meint der Förster von Grünhund, dass der Wald so heruntergewirtschaftet ist, dass wenig Geld zu erzielen ist. Aber er enthält sich letztlich der Meinung. 1823 revidierte man den Privatisierungsbeschluss ohne Begründung. Der Magistrat hat es sich anders überlegt. Seitdem gibt es das Rechtholz "aus den unverteilten Gemeindegründen".

Die Rechte sind an die alten Häuser gebunden. Im Gegensatz zu früher, wo jeder "Rechtler" oft mit viel Mühe das Holz heraustragen musste, wird es heutzutage in der Regel an den Wegen abgelegt. Für die Stadtplanung war es sicher von Vorteil, dass die Stadt mit der Hutweide und dem Ziega große eigene Flächen behielt. Diese wurden ab den 50er Jahren im Flächenverbrauch in das heutige Industriegebiet umgewidmet. Die Eschenbacher Weiherlandschaft ist dagegen inzwischen ein Eldorado für Vögel.

Eschenbach in alten Zeiten: Verbrecher wurden erhängt

Eschenbach
Familie Kohl von der Eschenbacher Mühle
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