Eschenbach
03.02.2021 - 10:19 Uhr

Eschenbach: Wächter über kostbaren Schatz

Wasser marsch: Auf dieses symbolische Kommando hören gewöhnlich die Brandschützer. Doch auch die Wasserversorger wissen um die große Bedeutung, die ein Handgriff auslöst.

Mit Bürgermeister Marcus Gradl inspizierte Trinkwasserpapst Martin Weidner die aufgerüstete Technik des Tiefbrunnens am Obersee Bild: do
Mit Bürgermeister Marcus Gradl inspizierte Trinkwasserpapst Martin Weidner die aufgerüstete Technik des Tiefbrunnens am Obersee

Für die städtische Wasserversorgung ist es Martin Weidner, der über das kostbare Nass wacht. Zu seinen Aufgaben gehört es, den Gemeindebürgern Trinkwasser in höchster Qualität zu garantieren. Beim Öffnen des Wasserhahnes erwarten die Verbraucher bestes Trinkwasser, ohne darüber nachzudenken, wie viele Voraussetzungen und welcher Aufwand dahinterstecken, damit das heutzutage so selbstverständliche Nass an Ort und Stelle zur Verfügung steht.

Auszeichnung für Martin Weidner

Der Anlass für einen Blick auf Rohrsysteme, Sperrvorrichtungen, Pumpen und Hochbehälter, Computer, Schaltschränke und Messeinrichtungen war eine besondere Anerkennung. Im Rathaus überreichte Bürgermeister Marcus Gradl dem städtischen Mitarbeiter Martin Weidner das Prüfungszeugnis als Fachkraft für Wasserversorgungstechnik. „Ein Prüfungsergebnis mit Glanz und Gloria“, wie der Rathauschef anmerkte. Zu den Gratulanten gehörten auch Bauhofleiter Norbert Braun und Personalchef Alexander Roth.

Bayern25.01.2021

Delegiert ist Weidner von der Stadt an die Firma Südwasser. Das Unternehmen bewährt sich schon seit vielen Jahren als Betreiber der städtischen Trinkwasserversorgung. Weidner zeichnete bei der Übergabe des Prüfungszeugnisses ein hoffnungsfrohes Bild über die städtischen Einrichtungen zur Versorgung mit Trinkwasser in hoher Qualität. Nicht beeinflussbar durch Wetterkapriolen, etwa durch Trockenperioden und Hochwasser, sprudelt das wertvolle Nass aus einer Tiefe von 200 Metern. Analysten schätzen das Tiefenwasser auf ein Alter von bis zu 1000 Jahren, wusste Weidner. „Ein Schatz, der da unten fließt und für die Verbraucher das Lebensmittel Nummer eins bedeutet“, betonte Bürgermeister Gradl.

Große Grundwasserreserven

Die Nachhaltigkeit der Fördermöglichkeiten ist beachtlich. „Jeder Brunnen erreicht eine Schüttung von über 40 Liter je Sekunde“ wusste der Wasserexperte. Allerdings könne auf die volle Pumpleistung verzichtet werden, betonte Weidner. Schon die Hälfte des Wasservorkommens sei für den Bedarf ausreichend. Der städtische „Wassermann“ verwies zudem auf Genehmigungen des Wasserwirtschaftsamts und auf hydrogeologische Empfehlungen, sparsam mit dem köstlichen Nass umzugehen. Deshalb sei die Förderung derzeit auf 27 Liter je Sekunde ausgelegt, informierte Weidner.

Während die Tiefbrunnen III und IV im Oberseebereich das Stadtgebiet und die Ortsteile versorgen, sichert ein weiterer Tiefbrunnen im Birschling die Wasserversorgung der US-Wohngebiete auf dem Netzaberg. Zur Wasserspeicherung dienen Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von insgesamt zirka 3800 Kubikmetern. Der Speicherung vorgeschaltet sind Aufbereitungsanlagen, die das Trinkwasser insbesondere von Mangan und Eisenschwebstoffen reinigen. Ein Vorgang, der manchen irritiert, aber gut für die Gesundheit sei, sagte Weidner. Zudem reichere sich das Wasser durch Kalkzusätze mit den für die Menschen wichtigen Mineralstoffen Calcium und Magnesium an.

„Ein Schatz, der da unten fließt und für die Verbraucher das Lebensmittel Nummer eins bedeutet.“

Bürgermeister Marcus Gradl

Weidner verwies in diesem Zusammenhang auf die ständigen Kontrollen des Rohwassers in den beiden Aufbereitungsanlagen und im gesamten Leitungsnetz entsprechend den Vorgaben der Trinkwasserverordnung. Ein besonderes Augenmerk gehöre stets auch dem wichtigen Parameter eines neutralen mittleren pH-Wertes, dem Sauerstoff-Gehalt des Wassers, betonte der Fachmann. Weidner nannte einen pH-Wert von 7,91. Wegen der weiteren Parameter verwies er auf die Trinkwasseranalyse, die in der Homepage der Stadt abrufbar sei.

Bis zu 1000 Mal billiger als Mineralwasser

Bürgermeister Gradl verglich die wichtigsten Parameter des Eschenbacher Trinkwassers mit Mineralwässern: „Eschenbachs Wasser ähnelt einem Gesundbrunnen.“ Es lohne sich, zum Wasserhahn zu gehen, statt teures Mineralwasser zu konsumieren. Der Rathauschef blickte zudem auf den Wasserpreis und rechnete vor: „Ein Kubikmeter oder 1000 Liter städtisches Trinkwasser kostet 1,61 Euro zuzüglich 7 Prozent Umsatzsteuer. Bei einem Literpreis von 0,17 Cent sei das städtische Trinkwasser im Vergleich zu Mineralwasser nicht nur äußerst günstig, sondern auch genauso gesund."

Zeitgemäße Umrüstung kostet viel Geld

Diesem Vergleich folgte vor Ort im Tiefbrunnen am Obersee und in der Aufbereitungsanlage auf dem Hotzaberg im Gewirr zwischen riesigen Rohrsystemen, Sperrvorrichtungen, Aufbereitungsbehältern, Wasserfiltern, Messstationen und elektrischen Schaltschränken eine Aufzählung der jüngsten Investitionen und bevorstehende Modernisierungen. Martin Weidner verwies unter anderem auf die Um- und Aufrüstung der Anlagen mit zeitgemäßer Technik und nannte als Beispiel den Einbau eines Druckausgleichsbehälters, um den Wasserdruck ausreichend hoch zu halten. Der Experte erinnerte zudem an die Installierung eines Frequenz-Umformers. Damit könne bei der Förderung des Rohwassers mehr Effizienz beim Stromverbrauch erreicht werden. Als jüngste Maßnahmen nannte Weidner einen Feincheck zur Stromeinsparung und eine Optimierung der Pumpenleistungen.

Viel verspricht sich der Wasserversorgungstechniker vom jüngsten Einbau einer UV-Anlage. „Ganz ohne Einsatz chemischer Stoffe dient die neue Anlage der Bekämpfung von Keimen“, klärte Weidner auf. Zur weiteren Betriebsoptimierung verwies Bürgermeister Gradl auf eine neue Alarmsicherung der Hochbehälter und auf die Modernisierung der elektronischen Datenüberwachung. Die gesamte Investitionssumme bezifferte der Rathauschef auf zirka 300.000 Euro. Damit nicht genug. „Die Erneuerung des Leitungsnetzes ist eine Daueraufgabe“, betonte Gradl. Zudem werde mit jedem neuen Bau- und Gewerbegebiet das Trinkwassernetz länger und der Betreuungsaufwand immer umfangreicher.

Ohne Computersteuerung geht nichts mehr. Auf die präzisen Leitsysteme in der Aufbereitungsanlage kann sich Martin Weidner verlassen Bild: do
Ohne Computersteuerung geht nichts mehr. Auf die präzisen Leitsysteme in der Aufbereitungsanlage kann sich Martin Weidner verlassen
Riesige Filter- und Ausdehnungsbehälter reinigen das Rohwasser von unerwünschten Schwebstoffen und bringen das kostbare Nass mit Kalkzusätzen auf einen ausgewogenen pH-Wert Bild: do
Riesige Filter- und Ausdehnungsbehälter reinigen das Rohwasser von unerwünschten Schwebstoffen und bringen das kostbare Nass mit Kalkzusätzen auf einen ausgewogenen pH-Wert
Der Weg zum Wasserhahn lohnt sich. Preisgünstig und gut fließt das kostbare Nass. Ein Liter Eschenbacher Trinkwasser kostet deutlich weniger als einen Cent! Bild: do
Der Weg zum Wasserhahn lohnt sich. Preisgünstig und gut fließt das kostbare Nass. Ein Liter Eschenbacher Trinkwasser kostet deutlich weniger als einen Cent!
Mit ihrem "Element Wasser" verewigte sich Künstlerin Christine Hausmann an der Fassade des Wasserwerkes auf dem Hotzaberg Bild: do
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Zur Trinkwasserversorgung der US-Wohnstadt auf dem Netzaberg entstand bei Thomasreuth eine zusätzliche Aufbereitungsanlage Bild: do
Zur Trinkwasserversorgung der US-Wohnstadt auf dem Netzaberg entstand bei Thomasreuth eine zusätzliche Aufbereitungsanlage
 
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