24.04.2020 - 09:42 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbacher Maibaumfest fällt wegen Coronakrise aus

Corona lässt grüßen und verbannt die Maibaum-Spezialisten des Motorradclubs für dieses Jahr vom Marienplatz. Die Maibaumfeier – zugleich Eröffnung der örtlichen Freiluftsaison – muss ausfallen.

Heuer findet der 1. Mai i ohne Frühlingsfest am Eschenbacher Marienplatz statt.
von Walther HermannProfil

Seit die „Pilots“ 1993 das Aufstellen des Maibaums übernommen haben, wurde das Zeremoniell zu einer Kultveranstaltung. Nur zweimal stand das Frühlingssymbol seither nicht auf dem Stadtplatz. Grund dafür waren Tiefbauarbeiten im Zuge der Altstadtsanierung. Großer Idealismus war gefragt, als die „Pilots“ 1993 die Tradition des Maibaumaufstellens übernahmen. „Wir wussten nicht, was auf uns zukommt“, räumen heute noch Angehörige der damaligen Garde ein. Als sich die Feuerwehr damals vom Aufstellen des Maibaums zurückgezogen hatten, fassten die „Pilots“ bei einer ihrer Donnerstagsitzungen beim Scherm-Karl den Beschluss, diese Aufgabe zu übernehmen. Bei den „Mopedfahrern“, wie sie sich gerne nennen, wuchs der Gemeinschaftsgeist und ließ die Mitglieder des Clubs zu Maibaum-Spezialisten werden. Unerwartete Vorkommnisse oder Behinderungen, die sie mit Gelassenheit hinnahmen, stärkten ihr Selbstbewusstsein.

"Der nach der Stadtplatzsanierung neu geschaffene Standort vor dem Schuhgeschäft Groß brachte 1999 Probleme mit sich“, erinnert sich Vorsitzender Harald Wohlrab. Das Problem war die Richtung des Einführschachtes. Zum Geschehen vor 20 Jahren berichtet er: „Gewitter, Regenschauer und circa 30 auf Hochglanz polierte Harley-Davidsons aus dem Gebiet Rhein-Mosel und dem Westerwald begleiteten im Jahr 2000 das Geschehen auf dem Marienplatz.

Als im Jahr darauf gleich drei gefällte Bäume wegen unpassender Spitzen nicht brauchbar erschienen, war Kreativität gefragt. 2003 sollte ein „wiederverwendbarer Maibaum mit auswechselbarer Spitze“ eingeführt werden. Doch die Walpurgisnacht machte diese Idee zunichte. Auch dass 2005 ein Teil der Maibaumspitze in der ersten Phase des Anhebens wegen der Enge zur Burggutgasse abbrach, nahmen die Akteure nicht allzu tragisch: „Es war halt das 13. Mal, dass wir den Maibaum aufstellen“, weiß Wohlrab. Als 2006 eines der Pferde von Hermann Götz erkrankte – ein Maibaumfest ohne ihn und seine Pferde war seit vielen Jahren undenkbar –, kam Hilfe von Gerhard Wild: Mit seinem 45 PS starken Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1943 zog er das Schmuckstück auf den Marienplatz.

Die Festlichkeit, stets begleitet von der Stadtkapelle, hatte sich unter der Regie der „Pilots“ inzwischen zu einem kleinen Bürgerfest gemausert. Spezialitäten vom Grill, Kuchen und ein bis auf wenige Ausnahmen gepachteter blauer Himmel wurden Bestandteile eines Frühlingsfestes, an dem zunehmend auch amerikanische Familien Freude finden.

Am 1. Mai 2014 zogen letztmals die Pferde "Max" und "Moritz" den Maibaum zum Marienplatz. Wenige Tage später, am 9. Mai, seinem 68. Geburtstag, verstarb Hermann Götz an den Folgen eines Herzinfarkts. Seine Lebensgefährtin Gertraud sprach im Nachhinein von einem Omen: Bei einem der Pferde hatte bei der Rückkehr vom Maibaumfest ein Hufeisen gefehlt – ein Glückssymbol war verloren gegangen. Seit 2015 übernimmt der Lanz-Veteran von Gerhard Wild den Maibaum-Transport.

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