15.11.2018 - 16:21 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Fast wie beim Glockengießen"

Wo bleibt bei den Kindern die Vorfreude auf den Nikolaus und auf das Christkind, wenn seit Wochen in den Supermärkten Lebkuchen und Schokoladen-Nikoläuse angeboten werden? Vorfreude anderer Art bieten die Imker in ihrem Lehrbienenstand.

Heinz Jantschik, der vorsichtig eine Model befüllt, und Josef Bauer (von links) sind zusammen mit Manfred Bauriedl (nicht im Bild) das Team, das im Lehrbienenstand den kleinen und großen am Kerzengießen Interessierten Unterricht erteilt. Erstmals beteiligt sich auch die neue stellvertretende Vorsitzende Ingrid Vetter an den Arbeiten.
von Georg PaulusProfil

Kerzengießen steht seit Jahrzehnten in der Zeit vor dem ersten Advent auf dem Programm des Imkervereins. Wie alle Jahre durften sich Heinz Jantschik und Josef Bauer, Profis in diesem Handwerk, über viele Interessenten freuen, die sich in diese Kunst einweisen lassen und sich eine Kerze schaffen wollten.

Verführerischen Duft verströmte das von Jantschik schon vorher flüssig gemachte Wachs in den Räumen des Vereins, wo inzwischen sein Kollege die verschieden großen Modeln vorbereitet hatte. Außer Kerzen konnten auch Glocken, Tannenbäumchen oder kleine Krippen aus Bienenwachs hergestellt werden. "Da braucht ma' scho' a' bisserl a' Fingerspitz'ng'fühl, nacha göit's ganz leicht", klärte Josef Bauer über das Prozedere auf, das jedem Kerzenguss vorausgeht.

Besonders wichtig ist dabei das Einlegen der Dochte in die Modeln. Sie bestehen aus einem speziellen Garn in unterschiedlichen Farben und sind unterschiedlich dick - je nach Größe der Model. "Den Docht muss man am Boden jeder Model immer genau in der Mitte justierten und dann oben an einem quer über die Model gelegten Stäbchen befestigen. Sonst kann später die fertige Kerze nicht richtig und gleichmäßig brennen", erläuterte Experte Josef Bauer.

Sehr wichtig sei auch, dass das flüssige Wachs beim Befüllen der Modeln nicht zu heiß sei, stellte Heinz Jantschick, verantwortlich für den Schmelzvorgang, fest. Außerdem ist wegen der Spritzgefahr eine ruhige Hand nötig, damit es nicht zu Verbrennungen kommt.

Wenn die Modeln mit dem heißen, flüssigen Wachs gefüllt sind, ist zunächst Ruhe angesagt. "Es ist fast wie beim Glockengießen", sagte Jantschik: "Alle warten, bis der Mantel fällt und die neue Glocke sichtbar wird." Auch beim Kerzengießen fiebern alle dem Moment entgegen, an dem das Wachs abgekühlt ist, die Model vorsichtig geöffnet wird und das Warten mit einer wunderschönen neuen Kerze aus reinem Bienenwachs belohnt wird. Diese strahlt nicht nur Licht aus, sondern verbreitet auch einen herrlichen Duft.

Extra-Unterricht in Sachen Kerzengieße ngibt „Imker-Spezialst“ Heinz Jantschik den jüngsten Teilnehmern. Vorne stehen die bereits fixierten Modeln in verschiedenen Größen bereit, um mit dem Wachs aus dem Heiß-Behälter (hinten) aufgefüllt zu werden.
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