18.11.2019 - 14:58 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“

In einem friedlichen Deutschland aufzuwachsen: Das ist das Privileg der Generation von Andreas Betzl. Das Begehen des Volkstrauertags bezeichnet der Vorsitzende der Krieger- und Soldatenkameradschaft daher als gute und notwendige Tradition.

Das Kriegerdenkmal trägt die Namen von mehr als 150 Eschenbachern, die durch Kriegseinwirkung ums Leben kamen. Zum Volkstrauertag rückt es in den Mittelpunkt des Gedenkens.
von Walther HermannProfil

Das Gedenken zum Volkstrauertag vereinte kommunalpolitische und öffentliche Mandatsträger, Geistlichkeit, Vereine, Stadtkapelle und einige interessierte Mitbürger vor dem Kriegerdenkmal. Für sie alle war dieses Gedenken, das am 5. März 1922 im Reichstag in Berlin seinen Anfang nahm, eine Demonstration dafür, dass man Probleme auch ohne Gewalt und Waffen lösen kann.

Das Zeremoniell begann mit einem Kirchenzug über den Marienplatz und einem von der "Liedertafel" gestalteten Gedenkgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Laurentius. Beim Kriegerdenkmal wählte nach einem Choral der Stadtkapelle Bürgermeister Peter Lehr für sein Gedenken den Leitspruch „Aus dem Tagebuch der Geschichte“.

Er zitierte Bertha von Suttner nach dem Krieg von 1870/71 mit den Worten: „Das 20. Jahrhundert wird nicht zu Ende gehen, ohne dass die menschliche Gesellschaft die größten Übel, den Krieg, als legale Institution abgeschüttelt haben wird.“ Später habe dazu ergänzt: „Nun, wie ist es gekommen, hatte ich Recht?“ In den beiden Weltkriegen seien jedoch Auseinandersetzungen mit ungeahnten, gewaltigen Dimensionen an Gewalt und Tod gefolgt.

In der Stunde des Gedenkens sprach der Bürgermeister von pro Stunde 47 Toten im Krieg 1870/71, 267 Opfern im Ersten Weltkrieg und 1045 Toten im Zweiten Weltkrieg. All dies habe zu keinem Umdenken in der Menschheit geführt. Und weil die Toten schweigen, habe alles immer wieder von vorne begonnen. Lehr beklagte insgesamt mindestens 25 Millionen Menschen, die seit 1945 in unzähligen weltweiten Konflikten den Tod gefunden haben

Dann blätterte er im „Tagebuch der Geschichte“ mit den Einträgen Hiroshima (1945), Sebrenica (1995) und New York (11. 9. 2001) und rief dazu auf, auch an die Opfer von Gewalt und Krieg, Gefangenschaft, Vertreibung und Flucht, Widerstand, Rassenzugehörigkeit und Behinderung, Bürgerkriegen und politischer Verfolgung zu denken. In sein Gedenken bezog er Angehörige der Bundeswehr und andere Einsatzkräfte ein, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren haben.

Mit den Worten „Geschichte, wie bitter sie auch sein mag, ist Realität, die täglich in unserer Gegenwart und Zukunft fortwirkt“, zitierte Andreas Betzl Willy Brandt. Der Vorsitzende der Krieger- und Soldatenkameradschaft forderte, Schrecken und Gewalt, die die Weltkriege gebracht haben, niemals zu vergessen. Er beklagte, dass viele Mitbürger leider viel zu oft vergessen oder verdrängen, was in jenen Zeiten geschehen ist: Mütter haben ihre zum Teil jugendlichen Söhne verloren, Ehefrauen ihre Männer und Kleinstkinder ihren Vater, den sie nie kennenlernen durften. Eingebunden in sein Gedenken waren der Völkermord an den Juden, die unvorstellbare Zahl an Vermissten und schwerst traumatisierte Menschen.

Das Kriegerdenkmal mit den Namen von mehr als 150 durch Kriegseinwirkung umgekommenen Soldaten aus Eschenbach, an dem Fackelträger der Reservistenkameradschaft als Ehrenposten standen, sei ein Mahnmal für all jene, die wieder vermehrt Hass säen. „Seid vernünftig, denn der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft“, rief der Vorsitzende der Krieger- und Soldatenkameradschaft abschließende auf.

Den Kranzniederlegungen der beiden Redner schlossen sich Gebete der Vertreter beider Kirchen an. Mit dem „Lied vom guten Kameraden“, Böllerschüssen und der Nationalhymne endete das Gedenken.

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