26.03.2020 - 10:46 Uhr
EschenbachOberpfalz

Gefallene in Kirchenfenstern verewigt

Zwei farbenprächtige Glasfenster schmücken seit 100 Jahren die Maria-Hilf-Bergkirche. Sie sind aber nicht nur schön anzusehen, sondern haben auch einen besonderen Erinnerungswert.

Eindrucksvoll ist das Fenster an der Südseite der Maria-Hilf-Bergkirche. Im unteren Teil stehen die Namen junger Eschenbacher, die Gefallenen und Verstorbenen
von Walther HermannProfil

In seinem Werk „Eschenbach in Vergangenheit und Gegenwart“ aus dem Jahr 1950 schreibt Adolf Ficker dazu: „Die Stadt Eschenbach ließ im November 1920 Krieger-Ehrengedenktafeln in der Maria-Hilf-Bergkirche anbringen. Vom Glasmacher Schneider in Regensburg hergestellt, bestehen sie aus zwei Fenstern mit den Namen der im Kriege Gefallenen. Der Kriegerverein schloss die Kriegsteilnehmer zu einer Gemeinschaft zusammen und führte die von ihm schon lange vor dem Ersten Weltkrieg gepflegten Traditionen weiter“.

Im Kapitel „In einer Zeitenwende“ schreibt der Sohn des letzten Bürgermeisters vor der NS-Machtübernahme und des ersten Bürgermeisters unter der US-Militärverwaltung unter anderem: „Nach vorherigem Ausläuten wurde am 2. August 1914 die Mobilmachung verkündet. Mit Musik zogen die ersten Reservisten am 5. August zum Bahnhof und nahmen Abschied von ihren Lieben. Nach Aufruf zog auch später der Landsturm ins Feld. – Täglich lockte der Wehrmachtsbericht, der an der Post in Telegrammform angeschlagen war, eine Schar Neugieriger an. Siege feierte die Stadt mit Fahnenschmuck. – Die Lebensmittel waren rationiert und ein Bezugsschein ließ sich nur über den Kommunalverband erhalten. – Viele ältere Leute arbeiteten in Grafenwöhr. Kriegsgefangene mussten die fehlenden männlichen Arbeitskräfte ersetzen. Die verstärkten Manöver im nahen Truppenübungsplatz Grafenwöhr brachten Einquartierungen nach Eschenbach. – 33 Heimatsöhne (Anm.: „33 Heimatsöhne“ dürfte ein Schreibfehler sein) der Stadtgemeinde Eschenbach blieben auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges. – Den Heimkehrern galt 1918 ein Fest. Mit Musik wurden sie von der Bergkirche zu einem Festgottesdienst geleitet, dem ein ausgiebiges Festessen folgte. Die letzten Kriegsgefangenen kehrten 1920 zurück".

Dies war dann offensichtlich für die Stadtgemeinde der Anlass, die beiden Fenster „Aus Dankbarkeit den gefallenen Helden“ in Auftrag zu geben. Den Inschriften des Kriegerdenkmals am Zimmermannsplatz – die Einweihung in der Grünanlage am ehemaligen Stadtweiher fand am 5. Juli 1930 statt – ist zu entnehmen, an welchen Fronten 59 junge Eschenbacher gefallen und in Lazaretten verstorben sind: in Russland, Frankreich, Rumänien, Flandern, aber auch in der damaligen deutschen Kolonie Südwestafrika, dem heutigen Namibia, wo am 23. August 1914 der „Reiter Josef Rupprecht“ ums Leben kam. Er war am Karlsplatz 23 zu Hause. Dem jungen Ehemann Lorenz Völkl, der am 18. August 1914 bei Weiler „den Heldentod fürs Vaterland starb“, folgte am 21. Oktober 1915 in der Champagne sein Bruder Max.

Fenster Nordseite
Info:

Folgende Namen sind an den Kirchenfenstern zu lesen: Josef Höller 10.8.1914, Lorenz Völkl 18.8.1914, Franz Wolfinger 20.8. 1914, Josef Rupprecht 23.8.1914, Josef Schmidt, 13.9.1914, Johann Fronhöfer 1.10.1914, Josef Schwemmer 10.10.1914, Georg Kohl 10.10.1914, Martin Prösl 28.10.1914, Georg Lang 28.2.1915, Gottfried Lehner 12.3.1915, Georg Lehner 12.3.1914, Max Koller 12.3.1915, Johann Schraml 12.3.1915, Josef Schirbung 4.4.1915, Alois Wiesent 14.4.1915, Georg Kallmeier 5.5.1915, Max Kausler 7.5.1915, Johann B. Wiesent 10.5.1915, Anton Löw 9.7.1915, Johann Kausler 10.8.1915, Sebastian Löw 12.8.1915, Johann Schwemmer 8.9.1915, Georg Schneider 10.10.1915, Max Völkl 21 .10.1915, Franz Köferl 25.10.1915, Max Geissler 27.10.1915, Dr. Michael Ficker, 2.3.1916, Johann Grünwald 12.3.1916, Josef Keck 24.3.1916.

Max Gmeiner 20.7.1916, Michael Nickl 24.7.1916, Johann Nep., Lehner 2.8.1916, Johann Schiffmann 3.8.1916, Georg Schwindl, 4.8.1916, Michael Thurn 27.8.1916, Johann B. Schneider 3.9.1916, Johann Kiermeier 15.9.1916, Johann Lang 18.9.1916, Ludwig Koller 20.9.1916, Johann Pscherer Ende 1916, Josef Schraml 13.11.1916, Johann Kallmeier 11.12.1916, Josef Rippl 9.1.1917, Johann Schwindl 13.1.1917, Stephan Thurn 8.6.1917, Max Rohrer 6.8.1917, Max Scherm 12.8.1917, Karl Schiener 25.8.1917, Johann B. Schneider 20.9.1917, Johann Wolf 20.10.1917, Karl Gradl 18.3.1918, Ferdinand Schmidt 29.3.1918, Franz Schlicht 19.6.1918, Johann Schwindl 5.7.1918, Josef Herr 18.7.1918, Johann Rass 24.8.1918, Karl Werl 27.8.1918, Johann Völkl 2.10.1918. (rn)

Gedenkblatt Max Völkl.
Gefallene in Kirchenfenster verewigt.
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