14.11.2019 - 12:42 Uhr
EschenbachOberpfalz

Genitalverstümmelung auch in Deutschland ein Problem

Jedes Jahr sind mehr Mädchen und Frauen auch in Deutschland von Genitalverstümmelung betroffen. Darauf weist im Vorfeld eines Vortrages in Speinshart zum Thema von Menschenrechtsverletzungen Elisabeth Merkl hin.

von Robert DotzauerProfil

Grund sei der verstärkte Zuzug von Menschen aus Ländern wie Somalia und Eritrea, in denen die Praxis der Beschneidung noch weit verbreitet sei. Aktuell leben mindestens 70.000 betroffene Frauen in Deutschland, wusste Merkl, doppelt so viele wie vor drei Jahren. Mindestens 18.000 Mädchen seien aktuell gefährdet, warnte die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Fulda-Mosocho-Projekts. Hinter dem Projekt steht die Verwirklichung von Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Kenia. Die Eschenbacherin Merkl wird am 20. November um 19 Uhr im Musiksaal des Klosters Speinshart diese Erfolgsgeschichte deutsch-kenianischer Entwicklungszusammenarbeit vorstellen.

Der Vortrag, der in Kooperation mit der Volkshochschule stattfindet, beinhaltet auch das Thema weiblicher Genitalverstümmelung in Deutschland. Besorgt beobachtet Merkl die steigenden Zahlen von Beschneidungen in Deutschland. Sie zitierte aus einer Dunkellzifferstatistik, die Terre des Femmes veröffentlichte. Der Handlungsbedarf auch in Deutschland, diese Verstümmelungen zu beenden, sei deshalb enorm. Allein das Wissen um Strafverfolgung helfe nicht weiter. Notwendig sei auch Präventions- und Aufklärungsarbeit, so Merkl weiter. Das Tabu in den entsprechenden Communitys zu brechen und den globalen Verstümmelungspraktiken entgegenzutreten, sei ebenso wichtig wie viele weitere Eingliederungsmaßnahmen für Migranten.

Merkl wirbt deshalb für eine gezielte Aufklärung, um Verhaltens- und Glaubensmuster zu durchbrechen. Dazu bedürfe das Thema der weiblichen Beschneidung auch einer Aus- und Weiterbildung in den medizinischen, pädagogischen, sozialen und juristischen Berufen. Nur so könne man eine Gefährdung rechtzeitig erkennen und kompetent reagieren. Als gutes Beispiel nannte sie den Aufbau einer Koordinierungsstelle zur Bekämpfung der Genitalverstümmelung im Bundesland Berlin.

Viel Interessantes verspricht der Vortrag in Speinshart. Unter dem Motto „Entwicklungshilfe hautnah erlebt“ stellt Elisabeth Merkl den sogenannten Wertzentrierten Ansatz vor, der hinter dem Projekt in Kenia steckt und der auf Verwirklichung von Gleichberechtigung von Männern und Frauen setzt. Merkl kann aus langer Erfahrung berichten, begleitet sie doch seit vielen Jahren die Arbeit der „lebendigen Kommunikation“ und kennt das Engagement in Kenia durch persönliche Besuche. Der Vortrag beginnt am Buß- und Bettag, 20. November, um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

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